China auf Landkarte. Frank Jr / stock.adobe.com

Vor Gebetstag: Weltkirche-Bischof warnt vor weiteren Restriktionen für Chinas Kirche

Zum Weltgebetstag für die Kirche in China warnt Bischof Bertram Meier vor zunehmenden staatlichen Einschränkungen. Besonders digitale Kontrolle und neue Reiseauflagen belasteten dort das kirchliche Leben.

Mit Blick auf den Weltgebetstag für die Kirche in China am 24. Mai hat der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Bertram Meier, vor einer weiteren Verschärfung staatlicher Einschränkungen für Christen in der Volksrepublik gewarnt. Laut einer Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz sprach der Bischof von Augsburg von einem „immer engeren Korsett“ aus Vorschriften und Kontrollen, das das kirchliche Leben zunehmend beeinträchtige.

Meier erklärte, staatliche Restriktionen und bürokratische Vorgaben schränkten den Handlungsspielraum religiöser Gemeinschaften immer stärker ein. Als praktizierender Christ laufe man nicht selten Gefahr, auch ungewollt gegen den dichtmaschigen Katalog von Vorschriften zu verstoßen. Gleichzeitig zeigte er sich beeindruckt von der Beharrlichkeit vieler Gläubiger: „Dass Chinas Christinnen und Christen dennoch immer wieder Wege finden, ihren Glauben zu leben, ist bewundernswert und zeugt von großer Beharrlichkeit und innerer Stärke.“

Kontrolle bis in den digitalen Raum

Grundlage vieler Maßnahmen sind die seit 2018 geltenden „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“, die in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Detailregelungen ergänzt wurden. Diese betreffen unter anderem die Verwaltung religiösen Personals sowie die Veröffentlichung religiöser Inhalte im Internet.

Nach Angaben Meiers müssen Geistliche regelmäßig an staatlich organisierten Schulungen teilnehmen, in denen sie zur Einhaltung der politischen und rechtlichen Vorgaben angehalten werden. In der Praxis führe dies zu einer immer dichteren Kontrolle religiösen Lebens.

Besonders kritisch sieht Meier die Einschränkungen im digitalen Raum. „Gerade dort, wo junge Menschen heute viel Zeit verbringen, wird die Weitergabe von Glaubensinhalten massiv eingeschränkt“, sagte er. Religiöse Inhalte im Internet unterliegen in China strengen staatlichen Vorgaben und Überwachungsmechanismen.

Sorge über neue Reisebeschränkungen

Besorgt äußerte sich der Vorsitzende von Kommission und Konferenz Weltkirche auch über neue Regelungen für katholische Geistliche bei Auslandsreisen. Ende 2025 hatten die Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung sowie die staatlich organisierte Bischofskonferenz vorläufige Vorschriften zur Verwaltung von Reisepässen katholischen Personals veröffentlicht.

Demnach müssen Bischöfe, Priester und Ordensleute ihre Reisepässe künftig in den jeweiligen Diözesen hinterlegen. Reisen ins Ausland bedürften einer Genehmigung; selbst genehmigte Reiseprogramme dürfen nicht eigenständig verändert werden.

„Mit diesen Ausreiserestriktionen werden die Begegnung und der Dialog mit Ortskirchen in Europa, die für die Christen in China von großer Bedeutung sind, erheblich erschwert“, sagte Meier. Gerade der internationale Austausch sei für die Christen in China wichtig, weil er die Erfahrung weltkirchlicher Gemeinschaft stärke, neue Perspektiven eröffne und Rückhalt vermittle.

Staatliche Politik der „Sinisierung“

Die Entwicklungen stehen nach Einschätzung von Beobachtern im Zusammenhang mit der insbesondere unter Staatspräsident Xi Jinping betriebenen Politik der sogenannten „Sinisierung“ der Religionen. Ziel ist es, Religionsgemeinschaften stärker an die politischen und ideologischen Vorgaben des Staates anzupassen. Während Inkulturation weltweit stattfindet, wird in China versucht, diesen staatlich zu steuern.

Wie sichtbar diese Strategie inzwischen geworden ist, zeigt sich nach Angaben Meiers auch am Wallfahrtsort Sheshan bei Shanghai. Entlang des Pilgerwegs zur Basilika erinnerten Propagandaplakate an „sozialistische Kernwerte“ und religionspolitische Vorschriften. Zudem werde das Gelände kameraüberwacht, unter anderem zur Kontrolle staatlicher Vorgaben wie des Verbots der Teilnahme von Minderjährigen an gottesdienstlichen Aktivitäten.

Aufruf zum Gebet

Angesichts dieser Entwicklungen ruft Meier die Gläubigen zur Solidarität mit den Christen in China auf. „Lassen wir sie mit unserem Gebet und unserer Solidarität wissen, dass sie trotz aller Einschränkungen nicht allein, sondern Teil der weltweiten Gemeinschaft der Kirche sind. Möge die Muttergottes von Sheshan, deren Heiligtum die chinesischen Katholikinnen und Katholiken so sehr verehren, ihnen beistehen und immer wieder Wege aufzeigen, ihren Glauben zu leben und das Evangelium zu verkünden“, so der Weltkirche-Bischof.

Der weltweite Gebetstag für die Kirche in China wurde 2007 von Benedikt XVI. eingeführt und wird jährlich am 24. Mai, dem Fest „Maria, Hilfe der Christen“, begangen. Viele chinesische Katholiken pilgern an diesem Tag an den Marienwallfahrtsort Sheshan bei Shanghai, dem wichtigsten Wallfahrtsort des Landes. Weltweit wird in Verbundenheit mit den katholischen Gläubigen in China gebetet.


Material zum Weltgebetstag für die Kirche in China


Text: weltkirche.de mit Material von DBK | Bild: Frank Jr / stock.adobe.com

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