Erzbischof Dr. Stefan Heße, Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, und Bischof Dr. Christian Stäblein, Beauftragter für Flüchtlingsfragen der EKD, besuchten die Car Service Magdeburg GmbH. Bild: Kauffmann Studios GmbH/DBK

Flüchtlingsbischöfe werben für bessere Integration in den Arbeitsmarkt

Bei einem Besuch in Sachsen-Anhalt haben Erzbischof Stefan Heße und EKD-Bischof Christian Stäblein Ausbildungsbetriebe und Integrationsprojekte besucht. Im Fokus standen Chancen und Hürden für Geflüchtete auf dem Arbeitsmarkt.

Die Flüchtlingsbischöfe der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland haben sich für bessere Chancen von Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt ausgesprochen. Bei einem Besuch in Sachsen-Anhalt informierten sich der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Stefan Heße (Hamburg), und der Flüchtlingsbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Christian Stäblein, über Ausbildungs- und Integrationsprojekte für Menschen mit Fluchterfahrung.

Im Mittelpunkt stand der Besuch des Unternehmens „Car Service Magdeburg GmbH“, das seit mehreren Jahren geflüchtete junge Menschen ausbildet. Dort tauschten sich die beiden Kirchenvertreter vor allem mit Auszubildenden über ihre Erfahrungen im Arbeitsalltag und bestehende Herausforderungen aus.

Viele der Auszubildenden berichteten von schwierigen Anfangsbedingungen, insbesondere von Sprachbarrieren und langen Phasen der Unsicherheit. Zugleich schilderten sie, wie wichtig die Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen für ihren Weg in Ausbildung und Beruf gewesen sei. Ein Auszubildender habe erzählt, wie wichtig es für ihn gewesen sei, vom ersten Tag an als vollwertiges Mitglied des Teams behandelt zu werden.

Bischof Stäblein sagte nach den Gesprächen, die Berichte zeigten deutlich, dass Integration durch Teilhabe gelingt – nicht durch Warteschleifen und jahrelange Unsicherheit. Wer arbeiten und lernen dürfe, finde schneller Anschluss und Perspektiven in Deutschland. „Wer arbeiten und lernen darf, kommt in Deutschland schneller an“, so Stäblein. Zugleich würdigte er das Engagement der Betriebe, die Geflüchteten Ausbildungsplätze und Entwicklungsmöglichkeiten eröffneten.

Auch Erzbischof Heße hob die Bedeutung von Arbeit sowie des betrieblichen Umfelds für das Gelingen von Integration hervor. Arbeit könne Menschen Halt, Struktur und das Gefühl geben, gebraucht zu werden. Ausbildungsbetriebe ermöglichten Austausch, Beziehung und Begegnung. „Wir haben hier Menschen kennengelernt, die in Deutschland angekommen sind und ihre Zukunft hier aufbauen, und Unternehmer, die ihnen dabei helfen“, sagte Heße.

Bürokratische Hürden beklagt

Im Anschluss trafen die beiden Flüchtlingsbeauftragten Vertreter der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer Magdeburg. Dabei ging es unter anderem um Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse, lange Verfahren bei Ausbildungserlaubnissen und den Fachkräftemangel in der Region.

Die Kirchenvertreter sprachen sich für einen erleichterten Zugang zu Ausbildung und Beschäftigung aus. Zudem betonten sie die Bedeutung berufsbegleitender Sprachförderung. Gerade angesichts des Fachkräftebedarfs sei es wichtig, vorhandene Potenziale schneller nutzen zu können.

Neben politischen Forderungen verwiesen beide Kirchen auch auf eigene Initiativen. So informierten sich Heße und Stäblein zum Abschluss ihres Besuchs im interkulturellen Beratungs- und Begegnungszentrum der Caritas im Bistum Magdeburg über Projekte zur Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen und Migrantinnen.

Dort erhalten Frauen Unterstützung bei Bewerbungen, Qualifizierungen und der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Nach Angaben der Projektverantwortlichen stehen viele geflüchtete Frauen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt vor zusätzlichen Hürden, etwa wegen familiärer Belastungen oder fehlender Sprachkenntnisse.

Heße betonte, erfolgreiche Integration setze gesellschaftliche Anerkennung und konkrete Perspektiven voraus. „Integration ist dann erfolgreich, wenn Menschen Anerkennung und Wertschätzung erfahren, wenn sie mit anpacken dürfen, statt zur Untätigkeit gezwungen zu werden“, sagte der Hamburger Erzbischof.

Zum Abschluss ihres Besuchs erinnerten beide Kirchenvertreter an die gemeinsame Verantwortung von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Faire Arbeit sei „mehr als Broterwerb“, erklärten sie. Sie ermögliche gesellschaftliche Teilhabe und persönliche Entfaltung und sei damit auch eine Frage der Menschenwürde.

Text: Weltkirche.de mit Material von DBK | Bild: Kauffmann Studios GmbH/DBK

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