Das Schicksal der auf dem Weg nach Europa umgekommenen Migranten beschäftigt Papst Leo bei seinem Besuch der Kanarischen Inseln. Bei einem Gottesdienst mit Einheimischen und Migranten rief er zum Gebet für sie auf.
Zum Gebet für die auf dem Weg nach Europa ertrunkenen Migranten hat Papst Leo XIV. aufgerufen. Bei einem großen Gottesdienst mit Migranten und Einheimischen im Fußballstadion von Gran Canaria sagte er am Donnerstagabend: „Ich lade euch auch ein, in dieser Heiligen Messe gemeinsam für die Seelen der Brüder und Schwestern zu beten, die auf See ihr Leben verloren haben.“
Bei dem Gottesdienst wurden Fürbitten auf Spanisch sowie auf Englisch, Französisch und in der meist im Senegal gesprochenen Sprache Wolof gebetet. Die meisten Menschen, die versuchen, auf der gefährlichen Atlantik-Route auf die Kanarischen Inseln zu gelangen, kommen aus Westafrika.
In seiner Predigt betonte der Papst zugleich, dass die christliche Nächstenliebe weder auf Berechnung noch auf einem bloßen Gefühl und auch nicht auf einfache Menschenfreundlichkeit reduziert werden könne. Sie durchdringe vielmehr das ganze Sein der Christen.
Vor mehreren zehntausend Menschen betonte der Papst, dass Nächstenliebe nicht bloße Wohlfahrt sein dürfe, sondern den ganzen Menschen einbeziehen müsse: „Nur so werden unsere Begegnungen auch angesichts schwieriger und schmerzhafter Ereignisse zu einer Gelegenheit, auf dem Weg der Menschheit in eine bessere Zukunft Samen der Hoffnung auszusäen.“
Abschließend rief der Papst die Christen auf, sie sollten „zu Boten von Barmherzigkeit und Frieden werden, damit die Kriege in der Welt aufhören und um uns herum eine neue, in der Liebe versöhnte Menschheit heranwächst.“
Forderung nach Respekt und Schutz für illegale Migranten
Auch bei einem Besuch am Hafen von Arguineguín in Mogán auf Gran Canaria thematisierte Papst Leo XIV. den Umgang mit Migration und Geflüchteten. „Hier kommen so viele verwundete Menschenleben an, denen fast alles genommen wurde, aber niemals ihre Würde“, sagte er.
Deshalb seien Christen besonders gefordert. In den Worten des Papstes: „Hier reißt uns das Evangelium aus der bequemen Rolle des Zuschauers heraus und stellt uns vor den Bruder, der ankommt. Es fragt uns, ob wir Christus in denen erkannt haben, die voller Angst, Hunger und Gewalt an Land gehen.“
Der Papst fuhr fort mit den Worten: „Die Kirche darf sich weder von diesen Gewässern abwenden noch von irgendeinem Ort, an dem Hunger, Durst, Gewalt, Angst oder Exil weiterhin die Menschenwürde verletzen.“ Menschenhändler und mafiöse Organisationen, die Migranten ausbeuten, bezeichnete der Papst als „Ungeheuer“. Sie versklavten Frauen und Kinder.
In seiner emotionalen Ansprache rief Leo XIV. dazu auf, Migranten als Menschen zu sehen, die „Teil unserer Familie sind“. Nachdrücklich dankte er allen, die sich an Rettungsaktionen, Aufnahme und Begleitung beteiligen.
Ein besonderes Wort richtete der Papst an eine Frau, die Opfer von Menschenhandel wurde: „Auch wenn man dich wie einen Gegenstand behandelt hat, möchte die Kirche dir heute sagen: Du bist eine Tochter und eine Schwester, du bist ein Segen. Dein Leben gehört nicht denen, die dir Schaden zugefügt haben; dein Körper gehört nicht denen, die dich ausgenutzt haben.“
An die Adresse aller Migranten gewandt, sagte er: „Ich möchte mich vor eurer Würde verneigen. (…) Aber ich möchte euch auch sagen, dass euer Leben geschützt werden muss. Überlasst eure Existenz nicht denen, die damit Handel treiben.“ An Europa richtete er den Appell, es könne nicht die Menschenwürde proklamieren und sich daran gewöhnen, dass das Meer zu einem Friedhof wird. Der Papst forderte legale Wege der Migration.
Es reiche nicht aus, Ankünfte zu verwalten, Grenzen zu sichern oder Todesfälle zu beklagen. Die Menschenwürde erfordere „legale und sichere Wege, Rettung und Hilfe, echte Zusammenarbeit gegen Menschenhändler, wirksamen Opferschutz, ernsthafte Aufnahme- und Integrationsprozesse sowie politische Maßnahmen, die es jedem Menschen ermöglichen, in seiner Heimat in Würde zu leben“.
Am Ende seiner Rede am Hafen sagte der Papst: „Heute stellt uns hier am Ufer des Meeres jedes Leben, das ankommt, die Frage, was von unserer Menschlichkeit übrig bleibt. Früher oder später wird sich zeigen, ob wir diese Menschlichkeit zu bewahren wussten oder ob wir zuließen, dass die Gleichgültigkeit uns gelenkt hat.“
Texte: KNA | Bild: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA






