Ibrahim Faltas, Franziskanerbruder und Vikar der Kustodie des Heiligen Landes, am 15. Dezember 2023 in Jerusalem (Israel). Johannes Schidelko/KNA

Heiliglandfranziskaner: Das Westjordanland schreit vor Schmerz

Die Situation im Westjordanland hat sich erneut verschärft. Die Welt müsse auf die Appelle des Papstes hören und die Gewalt beenden, fordert ein prominenter Franziskaner aus dem Heiligen Land.

Das Westjordanland leidet nach Worten von Franziskanerpater Ibrahim Faltas unter einer erneuten Gewalteskalation. „Menschen sterben in einem inoffiziellen Krieg, der zwar nicht erklärt wurde, aber dennoch andauert – unaufhörlich und flächendeckend“, schreibt der frühere stellvertretende Franziskaner-Kustos und Leiter der Franziskanerschulen im Heiligen Land in einem am Montag auf dem arabischsprachigen Portal „Abouna“ veröffentlichten Beitrag. Er beklagt Siedlergewalt, Zerstörung und massive Rechtsverletzungen.

Das von Israel besetzte Westjordanland sei zu einem Ort geworden, der angesichts von Tod und Zerstörung nicht mehr wiederzuerkennen sei und dessen Bewohner unter der seit Jahren andauernden und sich täglich verschärfenden Lage litten. „Das Westjordanland brennt, blutet, schreit vor Schmerz und Leid“, so der ägyptische Ordensmann.

Aggressive und gewalttätige Siedler und deren Gewaltakte sowie die mittlerweile mehr als tausend israelischen Kontrollpunkte in den palästinensischen Gebieten erstickten das palästinensische Leben und beraubten die jungen Menschen der Hoffnung.

Neue Welle der Gewalt

Ein von Israel als Terrorangriff eingestufter tödlicher Zusammenstoß von Palästinensern und israelischen Siedlern im Norden der besetzten Gebiete, bei dem am Freitag zwei Israelis und vier Palästinenser getötet wurden, löste eine neue Welle der Gewalt im Westjordanland aus.

Die israelische Regierung hatte harte Maßnahmen und neue Siedlungen angekündigt. Die israelische Armee führte am Wochenende Razzien in dem gesamten Gebiet durch. Medien berichteten von zahlreichen Gewaltakten israelischer Siedler gegen palästinensische Orte. Unter anderem sollen sie Brandanschläge gegen zwei Moscheen verübt haben.

Faltas rief dazu auf, den eindringlichen Appellen von Papst Leo XIV. zu folgen, der Gewalt ein Ende zu setzen, „um diese endlose Spirale zu stoppen“. Die bevorstehenden Wahlen in Israel sowie in den palästinensischen Gebieten müssten beiden Völkern „ein neues Gleichgewicht und echte Gerechtigkeit“ bringen.

Papst Leo XIV. fordert Verzicht auf militärische Aktionen

Papst Leo hatte sich am Sonntag mit einem umfassenden Friedensappell an die Kriegs- und Konfliktparteien im Nahen Osten gewandt. Von seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo aus rief der Papst sie auf, wieder zu verhandeln und Wege zu Frieden und Versöhnung zu suchen.

Zunächst kritisierte der Papst die „zunehmende Gewalt“ zwischen Israelis und Palästinensern, die im Westjordanland und im Gazastreifen viele zivile Opfer gefordert habe. Er forderte die Konfliktparteien zu Gewaltverzicht auf und appellierte an sie, in Verhandlungen eine „gerechte politische Lösung auf der Basis gleicher Würde und gleicher Rechte aller Bewohner zu finden“.

Er forderte, „auf neue militärische Aktionen und einseitige Entscheidungen zu verzichten, insbesondere jene, welche die Respektierung des Status quo für die Heiligen Stätten aller Religionen gefährdet“.

Texte: KNA | Bild: Johannes Schidelko/KNA

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