Die Stadt Selfoss ist ein wichtiges Handelszentrum für Islands Süden. Seit 2025 gibt es dort eine katholische Kirchengemeinde. Nun haben die Gläubigen auch ein eigenes Gotteshaus.
Feierlaune in der katholischen Kirche Islands: Der Kirchenneubau „Heilig Kreuz“ in der 10.000-Einwohner-Stadt Selfoss ist am Samstag feierlich eingeweiht worden. Wie das Bonifatiuswerk mitteilte, wurde das Gebäude nach mehr als zweijähriger Bauzeit der jungen katholischen Gemeinde im Süden des Landes übergeben. Zur Kirche gehören auch ein Gemeindezentrum und eine Priesterwohnung.
Die Gesamtbaukosten lagen umgerechnet bei gut vier Millionen Euro. Das Bonifatiuswerk und das Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe unterstützten das Projekt mit mehr als 1,1 Million Euro. Zur Einweihung hatten sich gut 600 Gäste aus dem In- und Ausland in Selfoss eingefunden – durchaus beeindruckend in einem Land mit insgesamt weniger als 16.000 Katholikinnen und Katholiken.
Eingeweiht hat die neue Kirche Bischof David Tencer. In seiner Predigt betonte der Oberhirte des Bistums Reykjavík, Ziel sei nicht allein die Errichtung eines Kirchengebäudes gewesen. „Unser Ziel ist und wird es immer bleiben, an diesem wunderbaren Ort gemeinsam mit Menschen guten Willens eine lebendige Kirche zur Ehre Gottes aufzubauen“, so Tencer. Bereits im vergangenen Jahr war die Heilig-Kreuz-Gemeinde in Selfoss gegründet worden. Sie ist die neunte katholische Gemeinde des nordeuropäischen Inselstaats.
Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen nahm die Kirchweihe zum Anlass, auf den Weg von der ersten Idee bis zur Fertigstellung zurückzublicken. Der Kirchenbau erzähle von einem langen Atem und von Menschen, die ihre Hoffnung nicht aufgegeben hätten, so Austen. Seit den ersten Plänen im Jahr 2010 habe es Widerstände und Verzögerungen. Auch die Suche nach einem geeigneten Grundstück und die Bürokratie sei nicht einfach gewesen – „und nicht zuletzt hat auch das isländische Wetter seinen Teil zur Verzögerung der Bauarbeiten beigetragen“, berichtet der Generalsekretär des Diaspora-Hilfswerks. Umso größer sei nun die Freude. „Heilig Kreuz ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass Glaube Räume braucht – und dass aus Geduld, Beharrlichkeit und Gottvertrauen etwas Tragendes entstehen kann,“ so Austen.
„Eine schlichte, wunderbare Kirche“
Vor Ort zugegen war auch Ingo Imenkämper, Geschäftsführer des Bonifatiuswerks. In einem Grußwort nach der Einweihung nannte Imenkämper die neue Kirche ein Zeichen der Hoffnung, das weit über Island hinaus leuchte. „Viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Ländern finden hier ein Zuhause“, sagte er. Diese Vielfalt werde in die Gesellschaft Islands gute Impulse aussenden. Ein Großteil der Katholiken in Island ist zugewandert oder hält sich vorübergehend im Land auf.
Mit Blick auf das Gebäude und dessen Architektur geriet Imenkämper ins Schwärmen: „Die Kirche ist wunderbar geworden. Sie passt sich ganz toll in die Landschaft ein.“ Ähnlich empfand es auch die Paderbornerin Barbara Tigges-Mettenmeier, die ebenfalls an der Weihefeier teilgenommen hatte: „Es ist ein wunderschöner Ort, an dem die Kirche entstanden ist – eine schlichte, wunderbare Kirche.“ Begeistert habe sie die lebendige Gemeinde, berichtet Tigges-Mettenmeier. „Es war sehr beeindruckend, mit welcher Begeisterung so viele Menschen unterschiedlicher Nationalitäten in die Kirche strömten.“
Die 10.000-Einwohner-Stadt Selfoss ist eines der urbanen Zentren im dünn besiedelten Südisland. Die Gemeindemitglieder leben weit verstreut. Sie nehmen lange Autofahrten in Kauf, um am Gottesdienst teilzunehmen. Durch das neue geistliche Zentrum verbessert sich diese Situation für viele Gemeindemitglieder. Bislang musste die Gemeinde ihre Gottesdienste in angemieteten Räumen und einer kleinen Kapelle feiern. Die neue Kirche schafft nun einen festen Ort für Gottesdienste, Begegnung, Katechese und das Gemeindeleben.
Seelsorgerisch betreut werden die Mitglieder der jungen Kirchengemeinde von einem aus den Philippinen stammenden Priester, der dank einer neuen Priesterwohnung künftig dauerhaft vor Ort leben kann. Die katholische Kirche in Island ist eine junge und durch Migration international geprägte Diasporakirche. Gut 15.900 Menschen sind dort als Katholikinnen und Katholiken registriert. Der Anteil an der Bevölkerung beträgt 4 Prozent. In der Region rund um Selfoss leben nach Angaben des Bistums mehr als 1.000 Katholiken.
Text: weltkirche.de und Bonifatiuswerk | Bild: Yvonne Willicks/Bonifatiuswerk






