Sexualisierte Gewalt, Hunger, Vertreibung. Im Sudan leiden Millionen Menschen unter den Kämpfen der Kriegsparteien. Ein Ende ist nicht in Sicht – trotzdem gibt es eine positive Entwicklung.
Vor einer Geberkonferenz in Berlin hat das katholische Hilfswerk Misereor mehr Aufmerksamkeit für den Krieg im Sudan eingefordert. „Es gibt schwere Menschenrechtsverletzungen. Hunger wird als Waffe gegen die Bevölkerung eingesetzt“, sagte Sudan-Expertin Katharina Götte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Nach Angaben von Misereor gibt es zudem Berichte über systematische sexualisierte Gewalt. Millionen Kindern würden grundlegende Zukunftschancen geraubt. „Die Welt muss auf diesen Krieg schauen. Es ist nicht bloß ein Konflikt zwischen zwei Kriegsherren“, betonte Götte.
Der Krieg in dem nordostafrikanischen Land begann am 15. April 2023. Zum dritten Jahrestag kommen am Mittwoch nun Vertreter aus mehr als 60 Staaten zusammen. Die Hauptkonfliktparteien, die sudanesische Armee und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), werden aber nicht direkt vertreten sein, jedoch Länder, mit denen sie verbündet sind. So werden die RSF etwa von den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Waffen unterstützt. Der Sudan verfügt über Bodenschätze wie Gold, aber auch über begehrtes, fruchtbares Farmland.
Zivilgesellschaft eingebunden
Eine Einigung bezüglich eines Waffenstillstands oder eines Friedensprozesses sei bei der Konferenz zwar nicht zu erwarten, sagte Götte. Es brauche aber deutlich mehr politischen Druck auf alle am Konflikt Beteiligten. Als positiv bezeichnete Götte die Teilnahme der sudanesischen Zivilgesellschaft an der Konferenz. Sie müsse auch langfristig stärker in politische Prozesse eingebunden werden.
Die Zivilgesellschaft im Sudan gilt als gut organisiert. Gruppen wie die Emergency Response Rooms, die 2025 den Alternativen Nobelpreis erhielten, sind oft die einzigen, die Hilfe leisten können.
Debattiert wird in Berlin auch über finanzielle Unterstützung für die Bevölkerung. Den Angaben zufolge sind knapp zwei von drei Menschen – die Bevölkerung liegt bei 51,7 Millionen – auf humanitäre Hilfe angewiesen. In Regionen, die besonders von Kämpfen betroffen sind, sind mehr als 80 Prozent der Gesundheitseinrichtungen außer Betrieb. Im Land selbst sind rund 6,8 Millionen Menschen vertrieben; gut 4,5 Millionen Menschen flüchteten zumeist in angrenzende Länder. Nach Angaben der OECD waren Entwicklungs- und Nothilfe im vergangenen Jahr weltweit stark eingebrochen.
Sudanesische Regierung glaubt nicht an Erfolg von Geberkonferenz
Derweil ließen Entscheidungsträger aus dem Sudan verlauten, sie glaubten nicht an einen Durchbruch bei der Geberkonferenz in Berlin. Entscheidungsträger im Sudan glauben nicht an einen Durchbruch bei der Geberkonferenz in Berlin. Nach Ansicht des Ministerpräsidenten der De-facto-Regierung in Khartum, Kamil Idris, ist das am Mittwoch beginnende Treffen wie die beiden Vorgängerkonferenzen in Paris und London zum Scheitern verurteilt. „Sollte die sudanesische Regierung nicht an der Berliner Konferenz am 15. April beteiligt werden, kann ich Ihnen versprechen, dass es ein totaler Fehlschlag werden wird“, sagte er in der Hauptstadt Khartum vor internationalen Journalisten.
Schon auf der Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar habe er Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) vor einem Ausschluss der Regierung gewarnt, so Idris weiter. Ohne deren Beteiligung könne die Konferenz nicht repräsentativ sein. Ähnlich sagte Sozialministerin Sulaima Ishaq Elkhalifa, die Konferenz sei „in keiner Weise inklusiv“. Die Führung in Khartum wird weder von europäischen Staaten noch von den USA anerkannt.
Text: KNA | Bild: dr/openstreetmap (odbdl)/Bearbeitung: weltkirche.de







