Die Ausweitung des Irankrieges auf weitere Länder im Nahen Osten zwingt immer mehr Menschen zur Flucht. Partner der Missio-Werke aus Aachen und München helfen, so gut es geht.
Angesichts der zunehmenden Gewalt im Nahen Osten unterstützen die katholischen Hilfswerke Missio Aachen und Missio München kirchliche Partner im Libanon bei der Versorgung von Binnenvertriebenen. Tausende Menschen sind infolge der militärischen Eskalation zwischen Israel, Iran und der im Libanon aktiven Hisbollah-Miliz auf der Flucht.
Missio Aachen hat nach eigenen Angaben eine Hilfsaktion für rund 6.000 Familien gestartet. Mit Spendengeldern aus Deutschland unterstützt das Hilfswerk die Partnerorganisation Catholic Near East Welfare Association (CNEWA) bei der Versorgung der Betroffenen mit Unterkünften, Lebensmitteln, Medikamenten, Heizmaterial und Hygienesets. Nach CNEWA-Angaben sind derzeit knapp 60.000 Menschen – etwa 13.000 Familien – in mehr als 320 Notunterkünften registriert, darunter Schulen, Pfarreien und Universitätsgebäude.
Angespannte Lage in der Bekaa-Ebene
Michel Constantin, Regionaldirektor der CNEWA, berichtete gegenüber Missio Aachen von einer zunehmend angespannten Lage. Mehr als 120 Dörfer im Süden des Libanon seien von militärischen Auseinandersetzungen betroffen. Für viele Menschen stelle sich daher eine existenzielle Entscheidung: „Entweder sie müssen sofort fliehen, oder sie bleiben und leben in ständiger Angst“. In dem Grenzdorf Alma al-Shaab hätten Bewohner nachts die Kirchenglocken geläutet, um zu zeigen, dass sie trotz der Bedrohung bleiben wollten. „Explosionen, Drohnen und Evakuierungsdrohungen gehören inzwischen zum Alltag“, so Constantin.
Besonders angespannt ist die Lage in der Bekaa-Ebene. In der Region Deir El-Ahmar haben nach Angaben kirchlicher Partner rund 8.000 Menschen aus dem Süden Zuflucht gefunden. Marianne Rahme vom Entwicklungsbüro der maronitischen Erzdiözese Baalbek–Deir El-Ahmar berichtet: „Alle Straßen in unserer Region sind derzeit unpassierbar. Gleichzeitig kommen immer mehr Vertriebene zu uns.“ Man fürchte, dass die Vorräte an Lebensmitteln und Medikamenten bald nicht mehr ausreichen. Mehrere Passstraßen in der Region sind derzeit aufgrund großer Schneemassen nicht befahrbar.
Auch Missio München reagiert mit einer kurzfristigen Nothilfe. In einem ersten Schritt wurde den libanesischen Partnern insgesamt 50.000 Euro zur Verfügung gestellt. Damit werden über kirchliche Strukturen Lebensmittelpakete, Medikamente sowie Hilfsgüter wie Decken, Matratzen und Brennstoff verteilt, heißt es in einer Mitteilung. Tausende binnengeflüchtete Familien, Christen wie auch Muslime, will der Missio-Partner Päpstliche Mission im Libanon auf diese Weise erreichen und unterstützen. „Wir befürchten, dass die Gemeinden bald belagert werden könnten und den Menschen die Lebensmittel ausgehen“, wird Bischof Charbel Abdallah aus Tyros zitiert.
Schulen sind überfüllt
Der Präsident von Missio München, Monsignore Wolfgang Huber, beschreibt die Situation mit ähnlich drastischen Worten: „Die leidgeprüften Menschen im Libanon werden zwischen den Fronten dieses furchtbaren Stellvertreter-Krieges zerrieben“, sagte er. Besonders die christlichen Gemeinden im Süden des Landes stünden unter großem Druck. „Auch diesen tapferen Gemeinden werden wir über die Nothilfe unserer Partner beistehen und sie unsere Solidarität durch konkrete Hilfe und unser Gebet spüren lassen.“
Vor Ort versuchen kirchliche Einrichtungen, die große Zahl der Geflüchteten aufzunehmen. „Wieder einmal sind unsere Schulen überfüllt“, berichtet Pfarrer Youhanna Naddaf, der die Hilfe in der Region koordiniert, gegenüber Missio München. Viele Gemeindemitglieder hätten ihre Häuser für vertriebene Familien geöffnet.
Die kirchlichen Verantwortlichen warnen zugleich vor einer weiteren Verschärfung der Lage. Bischof Hanna Rahme aus der Region Deir El-Ahmar schreibt gegenüber dem Hilfswerk, er sei „zutiefst besorgt“. Die Menschen müssten dringend mit dem Nötigsten versorgt werden, „aber unsere Ressourcen sind sehr begrenzt“. Da die Temperaturen nachts unter den Gefrierpunkt fallen, seien vor allem Decken und Brennstoff dringend erforderlich.
Maronitische Bischöfe: Hisbollah hat Libanon in zerstörerischen Krieg verwickelt
Im Libanon treibt die vom iranischen Regime unterstützte Hisbollah-Miliz ihr Unwesen und beschießt vom Süden des Landes aus immer wieder Ziele im Nachbarland Israel. Als Reaktion auf den Angriff Israels und der USA auf den Iran hatte die Hisbollah diese Angriffe nochmals verstärkt. Die israelische Armee rückte daher zum wiederholten Mal in den Süden des nördlichen Nachbarlandes ein. Die Regierung des Libanon hatte die militärischen und sicherheitspolitischen Aktivitäten der Hisbollah verboten, konnte es bislang aber nicht durchsetzen.
Die maronitischen Bischöfe des Libanon unterstützten das Verbot. Bei ihrer Monatssitzung am Mittwoch am Patriarchatssitz in Bkerke oberhalb von Beirut verurteilen die Kirchenvertreter, „dass die Hisbollah das Land in einen zerstörerischen Krieg verwickelt hat, der sie nichts angeht“, heißt es in einer Erklärung, die von L“Orient Le Jour verbreitet wurde. Gleichzeitig verurteilen sie auch die israelischen Angriffe.
„Die Bischöfe billigen die Entscheidung des Ministerrats, der die Sicherheits- und Militäraktionen der Hisbollah als illegal einstuft und die libanesische Armee und die Sicherheitskräfte auffordert, das Waffenmonopol im gesamten Libanon durchzusetzen“, so die Erklärung. „Die Bischöfe verurteilen die Angriffe Israels auf mehrere Regionen des Libanon, insbesondere im Süden, und prangern die Vertreibung von Bevölkerungsgruppen aus südlichen Städten an.“ Gleichzeitig appellieren sie an die internationale Gemeinschaft, sich für die Verhinderung dieser Aktionen einzusetzen, die ihrer Ansicht nach gegen internationales Recht und internationale Normen verstoßen.
Mehr Information zur Arbeit der Organisationen finden Sie auf den Internetseiten von Missio Aachen und Missio München.
Text: weltkirche.de mit Information von Missio Aachen und Missio München | Bild: Andrea Krogmann/KNA (Archiv)







