Papst Leo XIV. wird von Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, Präsident von Äquatorialguinea, am 21. April 2026 auf dem internationalen Flughafen von Malabo (Äquatorialguinea) empfangen. Bild: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Drei Päpste, eine Kritik: Leo erreicht letzte Afrika-Etappe in Afrika

Leo XIV. absolviert bei seiner langen Afrikareise ein nicht nur körperlich anstrengendes Programm. Auch inhaltlich ist es herausfordernd. Beim ältesten Diktator Afrikas hält er mit Kritik nicht hinterm Berg.

Eine riesige Kuppel, viele runde Säulen und überall goldfarbene Verzierungen – wenigstens einige architektonische Elemente dürften Papst Leo XIV. bei seinem Besuch im Präsidentenpalast von Äquatorialguinea an den Vatikan erinnern. Am Dienstagmittag erreichte der Papst mit Malabo die letzte Etappe seiner elftägigen Afrikareise.

Der Inselort wurde Anfang des Jahres als Hauptstadt von Ciudad de la Paz, Stadt des Friedens, auf dem Festland abgelöst. Empfangen wurde der Papst von dem Mann, der weltweit der am längsten amtierende nicht-monarchische Staatschef ist: Seit 1979 regiert Teodoro Obiang Nguema Mbasogo (83) sein kleines, für afrikanische Verhältnisse eigentlich recht wohlhabendes Land.

Um ihn schart sich eine kleine Gruppe, die vom Ölreichtum des Landes profitiert. Die Hälfte der rund 1,9 Millionen Einwohner lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze, weitere 15 Prozent der Äquatorialguineer könnten in naher Zukunft in Armut abrutschen. „Die Kluft zwischen einer kleinen Minderheit – ein Prozent der Bevölkerung – und der überwältigenden Mehrheit hat sich dramatisch vergrößert“, kritisierte Leo XIV. in seiner Rede vor den Politikern des Landes.

Dass sich die Situation in den letzten Jahrzehnten nicht fundamental verändert hat, machte Leo XIV. gleich zu Beginn seiner Ansprache deutlich, als er an den Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1982 erinnerte. Derselbe Präsident regierte das Land damals schon.

Der Papst habe seinerzeit den damaligen und heutigen Präsidenten bezeichnet als „das symbolische Zentrum, in dem die lebendigen Bestrebungen eines Volkes zusammenlaufen, um ein soziales Klima echter Freiheit, Gerechtigkeit, Achtung und Förderung der Rechte jedes Einzelnen und jeder Gruppe sowie bessere Lebensbedingungen zu schaffen, die es jedem ermöglichen, sich als Mensch und als Kind Gottes zu verwirklichen“.

„Eine solche Wirtschaft tötet“

Leo XIV. nannte diese Worte seines historischen Vorgängers auch nach über 40 Jahren weiterhin aktuell. Zudem bezeichnete er es als ein Paradox, wenn es auf der einen Seite einen Mangel an Land, Nahrung, Wohnraum und würdiger Arbeit gebe und andererseits Millionen von Menschen Zugang zu neuen Technologien hätten.

Aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung habe sich auch die Spekulation mit Rohstoffen beschleunigt. „Diese Entwicklung scheint grundlegende Gebote wie den Schutz der Schöpfung, die Rechte lokaler Gemeinschaften, die Würde der Arbeit und den Schutz der öffentlichen Gesundheit in den Hintergrund zu drängen“, kritisierte er.

Und er fuhr fort mit einem der härtesten Sätze aus dem Pontifikat seines Vorgängers Franziskus: „Heute müssen wir auch ‚Du sollst nicht‘ sagen zu einer Wirtschaft der Ausgrenzung und Ungleichheit. Eine solche Wirtschaft tötet.“

Leo XIV. erwähnte seinen Vorgänger nicht nur in seiner Rede in Malabo, sondern nutzte auch sein Pressestatement auf dem Flug von Angola nach Äquatorialguinea, um Franziskus zu würdigen. „Danken wir Gott für das große Geschenk, das er der Kirche und der Welt durch Franziskus‘ Leben gemacht hat“, sagte Leo XIV. Der an Ostermontag vor einem Jahr gestorbene Pontifex habe die Nähe zu den Ärmsten, den Geringsten, Kranken, Kindern wie Älteren wirklich vorgelebt.

Diesem Vorbild will auch Leo XIV. in Äquatorialguinea folgen: In Malabo besucht er die Patienten eines psychiatrischen Krankenhauses. In Mongomo ein Ausbildungszentrum, in Bata Gefängnisinsassen und danach Betroffene einer schweren Explosionsserie. Insgesamt dreimal wird er am Mittwoch für dieses Programm in ein Flugzeug steigen. Wenn er am Donnerstagabend die ITA-Maschine in Rom verlässt, wird Leo XIV. über 16.000 Flugkilometer zurückgelegt haben.

Text: Severina Bartonitschek (KNA) | Bild: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

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