Vor einem Jahr wurde die improvisierte Haftanstalt in Florida mit viel medialem Wirbel aus dem Boden gestampft. Deutlich stiller ist das Abschiebegefängnis „Alligator Alcatraz“ nun wieder von der Bildfläche verschwunden.
Text und Bild: Tobias Käufer/KNA
Das große blaue Schild mit der weißen Aufschrift „Alligator Alcatraz“ ist abgehängt. Polizeiwagen parken nicht mehr mit Blaulicht vor der Zufahrt des Abschiebegefängnisses. Jetzt ist das Gelände im subtropischen Feuchtgebiet der Everglades vor den Toren Miamis wieder das, was es bis vor gut einem Jahr war: ein stillgelegtes Flugfeld mit dem offiziellen Namen „Dade-Collier Training and Transition Airport“.
Im Sommer 2025 war das Abschiebegefängnis aus dem Boden gestampft worden. Der Begriff „Alcatraz“ erinnert dabei an die gleichnamige Felsinsel in der Bucht von San Francisco, auf der sich von 1934 bis 1963 eines der berüchtigtsten Hochsicherheitsgefängnisse der USA befand.
US-Präsident Donald Trump war gekommen, seine inzwischen entlassene Heimatschutzministerin Kristi Noem und Floridas republikanischer Gouverneur Ron DeSantis. Trump schickte damals illegal eingereisten Migranten, die dorthin gebracht werden sollten, eine vor Spott und Zynismus triefende Warnung: Man solle auf der Flucht vor den in den Sümpfen lebenden Alligatoren am besten im Zickzack laufen. Das erhöhe die Überlebenschance um ein Prozent.
Die Bilder von Trumps Besuch in der Anlage gingen um die Welt. Das Gefängnis sandte vor allem zwei politische Botschaften: Es sollte die Kampagne der Trump-Regierung für Massenabschiebungen unterstützen und unter den ohne gültige Aufenthaltspapiere im Land lebenden Migranten Angst und Schrecken verbreiten.
Gouverneur DeSantis hatte laut Medienberichten mehr als eine Milliarde Dollar in den Aufbau der Anlage investiert und den Flugplatz mittels einer Notverordnung von der Kommune Miami-Dade beschlagnahmt. Weitaus geräuschloser verlief nun die Abwicklung des Gefängnisses. Wie der „Miami Herald“ unter Berufung auf Luftaufnahmen berichtet, ist das Gelände inzwischen nahezu komplett leer. Die Zelte sind weg, die vielen Fahrzeuge sind nicht mehr da. „Es ist nicht mehr viel übrig, nur noch ein paar Lastwagen und einige Bauarbeiter“, sagte Ra Schooley dem Bericht zufolge. Der Pilot hatte Luftaufnahmen am Sonntagmorgen gemacht.
Bislang reagierte Floridas Abteilung für Katastrophenschutz nicht auf Presseanfragen. Das Büro der Bürgermeisterin von Miami-Dade erklärte, dass der Staat die Kontrolle über das Grundstück noch nicht an den Landkreis zurückgegeben habe. Gouverneur DeSantis hatte im vergangenen Monat das Ende des Gefängnisses eingeleitet: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass dies eine Notlösung sei, die nur vorübergehend sein würde“, erklärte er auf einer Pressekonferenz. Das Gelände habe die Abschiebung von Einwanderern erleichtert.
Allerdings hat die Haftanstalt bei den vielen US-Bürgern mit lateinamerikanischen Wurzeln in Florida große Ablehnung ausgelöst. Das führte für die regierenden Republikaner vor den Halbzeitwahlen im Herbst offenbar zu einem Kurswechsel. Die Massenabschiebungen sollen offenbar geräuschloser vollzogen werden. Da passt der furchteinflößende Name „Alligator Alcatraz“ nicht mehr ins Bild.
Das improvisierte Abschiebegefängnis hat viele Reaktionen hervorgerufen. Umweltschützer klagten, weil das sensible Ökosystem der Everglades gefährdet sei. Menschenrechtler beklagten die Zustände im Gefängnis. Auch die katholische Kirche meldete sich zu Wort: „Selbst der Name ‚Alligator Alcatraz‘ ist eine grausame Verhöhnung des Leids, das diese Menschen erdulden müssen“, sagte Miamis Erzbischof Thomas Wenski im Juli des vergangenen Jahres. „Wir haben ein Internierungslager mitten im Dschungel, umgeben von Schlangen, Alligatoren, Mücken und vielem mehr. Das ist eine unmenschliche Situation“.
Wenig später fuhr Wenski mit Freunden mit seinem Motorrad vor dem Gelände vor. Sie beteten gemeinsam den Rosenkranz. Erst Wochen später wurde es der Gefängnispastoral erlaubt, Gottesdienste auf dem Areal abzuhalten.
Für die Zukunft gibt es auch schon Pläne: „Das Gelände wurde bisher für Trainingsmissionen und Trainingsflüge genutzt, und das wird auch weiterhin so bleiben“, kündigte DeSantis im Juni an. Laut Flugbehörde FAA ist die Landebahn allerdings noch bis September für Flugzeuge gesperrt.






