Die militärische Zeitenwende ist eines der großen aktuellen Themen. Verständlich, findet der Chef der Hilfsorganisation Misereor. Zugleich solle aber intensiver über die Fähigkeit zum Frieden gesprochen werden.
Das Hilfswerk Misereor fordert einen größeren Fokus auf Friedensfähigkeit. Derzeit werde häufig über Verteidigungsfähigkeit gesprochen, Militärausgaben stiegen auf ein Rekordniveau, sagte der Hauptgeschäftsführer der katholischen Hilfsorganisation, Andreas Frick, am Dienstag in Berlin. Das sei angesichts der weltpolitischen Lage zwar verständlich. „Aber wir sollten mindestens ebenso intensiv über unsere Friedensfähigkeit sprechen.“
Frieden entstehe nicht allein durch militärische Abschreckung, so Frick. „Frieden entsteht dort, wo Menschen Perspektiven haben. Wo Hunger nachhaltig bekämpft wird. Wo Konflikte früh entschärft werden. Wo junge Menschen Bildung und Arbeit finden. Wo Zivilgesellschaft handlungsfähig bleibt.“ Wer dort kürze, untergrabe jene Grundlagen, die langfristig Sicherheit ermöglichten.
KZE-Vorsitzender fordert Haltelinie
Das sei strategisch kurzsichtig und koste Deutschland seine Glaubwürdigkeit. „Wer international wirksam sein will, braucht Vertrauen“, meinte Frick. Vertrauen entstehe durch verlässliche Partnerschaft und nicht durch rhetorisches Bekenntnis bei gleichzeitigem Rückzug. „Entwicklungszusammenarbeit ist kein Randthema internationaler Politik.“ Entwicklungszusammenarbeit schaffe Vertrauen, stärke Partnerschaften und mache Deutschland weltweit zu einem verlässlichen Akteur.
Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der katholischen Zentralstelle für Globale Entwicklung, Prälat Karl Jüsten. Er appellierte angesichts der weltweiten Krisenlage zu einem Stopp weiterer Kürzungen der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit: „Wir fordern eine Haltelinie, um Planungssicherheit für unsere Projektpartner im Globalen Süden zu erhalten. Die Folgen eines weiteren Abwärtstrends hätten fatale Konsequenzen für die verletzlichsten Mitmenschen in den Ländern des Globalen Südens und für Deutschlands Ansehen in der Welt“, so Jüsten.
Zudem machte Misereor-Hauptgeschäftsführer Frick auf den engen Zusammenhang zwischen bewaffneten Konflikten, extremer Armut und Gesundheit mit Blick auf den Ebola Ausbruch im Kongo aufmerksam. Das Virus treffe auf eine Region, in der Gewalt, Vertreibung, zerstörte Infrastruktur und ein chronisch unterfinanziertes Gesundheitssystem zusammenkommen, heißt es. „Unsere Partnerorganisation BDOM Mahagi – ein Netzwerk aus 24 Gesundheitseinrichtungen, darunter fünf Krankenhäuser – konnte in dieser Situation Schutzmaßnahmen verstärken, Personal schulen und die Bevölkerung in lokalen Sprachen informieren. Genau solche Strukturen entscheiden darüber, ob eine Epidemie eingedämmt wird – oder außer Kontrolle gerät“, so Frick.
Einnahmen bislang stabil
Frick und Jüsten äußerten sich am Rande der Pressekonferenz zur Vorstellung des Misereor-Jahresberichts 2025. Dabei wurden auch die Einnahmen und Ausgaben des Hilfswerks präsentiert. Den Angaben zufolge standen Misereor 2025 einschließlich der Gelder aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 234 Millionen Euro zur Verfügung – rund 4,8 Millionen mehr als noch im Vorjahr. Während bei Kollekten und Spenden einen Rückgang um rund 2,4 Millionen auf 60 Millionen Euro verzeichnet wurde, stiegen die öffentlichen Zuwendungen über die Katholische Zentralstelle für Globale Entwicklung (KZE) um rund 8,5 Millionen an. Das könnte sich in den kommenden Jahren allerdings ändern, denn in der aktuellen Vorlage zum Bundeshaushalt 2027 sind im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit erneut Kürzungen vorgesehen.
Text: weltkirche.de/Misereor/KNA | Bild: dr/weltkirche.de






