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Menschenrechtler erheben schwere Vorwürfe gegen Junta in Burkina Faso

Ermordet, verletzt, traumatisiert und vertrieben: Menschenrechtlern zufolge leidet die Zivilbevölkerung in Burkina Faso gleich mehrfach – unter der brutalen Junta wie unter islamistischen Gruppen.

Die Militärregierung von Burkina Faso und islamistische Gruppen haben nach Ansicht von Menschenrechtlern Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt. Das geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Organisation Human Rights Watch (HRW) hervor. Seit 2023 sollen die burkinische Armee, mit ihr verbündete Milizen, aber auch Al-Kaida nahestehende Islamisten in dem westafrikanischen Land mehr als 1.800 Zivilisten getötet und Zehntausende vertrieben haben.

Laut dem Bericht „Niemand kann fliehen: Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Burkina Faso von allen Seiten“ richtet sich Gewalt häufig gegen die ethnische Gruppe der Fulani. „Militär und Milizen haben Fulani-Gemeinschaften wegen ihrer angeblichen Unterstützung islamistischer bewaffneter Gruppen ins Visier genommen, was zur ethnischen Säuberung ganzer Gemeinschaften geführt hat“, heißt es. Fulani – auf Französisch Peulh – leben in ganz Westafrika und sind teilweise bis heute Halbnomaden.

Die Gewalt gegen sie steht in Verbindung mit der islamistischen „Gruppe für die Unterstützung des Islams und der Muslime“ (JNIM), die aus dem Nachbarland Mali stammt und deren Anführer Amadou Koufa Fulani ist. Die Miliz hat sich von Mali über Burkina Faso bis nach Benin und weitere westafrikanische Küstenstaaten ausgebreitet.

Fulani stehen deshalb seit Jahren unter Generalverdacht, Terroristen zu sein. So töteten dem Bericht zufolge das burkinische Militär und verbündete Milizen Ende 2023 mehr als 400 Zivilisten in 16 Dörfern nahe der Stadt Djibo im Norden des Landes.

Mit der Armee verbündet ist die Miliz zur „Verteidigung des Vaterlandes“ (VDP). Im ländlichen Raum haben selbstorganisierte Wehren eine lange Tradition, etwa zum Schutz vor Viehdiebstahl. 2020 machte der frühere Präsident Roch Marc Christian Kaboré die Gruppen zur offiziellen Hilfstruppe. Zum Beitritt reichte eine zweiwöchige Ausbildung. Das, wie schon zuvor Selbstjustiz und Missachtung von Menschenrechten, wurden wiederholt von Menschenrechtlern kritisiert.

Massive Gewalt und Drohungen gehen aber auch von Islamisten aus, wie HRW dokumentierte. JNIM bringt laut Bericht so zunehmend ländliche Gebiete unter ihre Kontrolle. Im August 2024 tötete die Gruppe in der Stadt Barsalogho im Nordwesten mindestens 133 Zivilisten, darunter Dutzende Kinder. Sie beschuldigte die gesamte Gemeinde, die VDP zu unterstützen.

„Das Ausmaß der Gräueltaten in Burkina Faso ist erschreckend, ebenso wie die mangelnde internationale Aufmerksamkeit für diese Krise“, so HRW-Exekutivdirektor Philippe Bolopion. Die Junta selbst begehe entsetzliche Menschenrechtsverbrechen. Auch versäume sie, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, und unterdrücke Berichterstattung, um das Leid der Zivilbevölkerung im Konflikt zu verschleiern. Burkina Faso erlebte 2022 zwei Staatsstreiche. Seit Oktober 2022 ist Ibrahim Traoré an der Macht.

Text: KNA | Bild: Logo für Menschenrechte/humanrightslogo.net

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