Stacheldraht über einem Zaun am 12. November 2025 in Bonn. Bild: Harald Oppitz/KNA

Kirche fordert in Ceuta-Krise Schutz für Kinder

Noch streiten Parteien und Kommunen über den jüngsten Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta schon gibt es Gerüchte über Pläne für einen neuerlichen Versuch – am 15. August.

Text: Manuel Meyer (KNA) | Bild: Harald Oppitz/KNA (Symbolbild)

Sie schlafen am Strand, in Stadtparks und auf öffentlichen Parkplätzen, betteln vor Supermärkten um Nahrung und Geld. Viele minderjährige Migranten waren vor einer Woche am Ansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta beteiligt. Die meisten der rund 72.000 hauptsächlich jungen marokkanischen Migranten sind mehr oder weniger freiwillig binnen 24 Stunden wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, als ihnen klar wurde, dass sie weder bleiben noch aufs spanische Festland weiterreisen dürfen.

Die nicht aufgeben wollen und sich versteckt halten, werden von Soldaten und Polizeibeamten gesucht und mit Militärlastern direkt zum Grenzübergang zurückgebracht. Sie werden abgeschoben, da Marokko für die EU ein sicherer Drittstaat ist. Menschen aus Ländern südlich der Sahara kommen – wegen potenzieller Asylberechtigung – ins temporäre Abschiebezentrum (CETI) am Strand von Benítez. Offensichtlich minderjährige und unbegleitete Migranten dürfen ebenfalls nicht abgeschoben werden.

Die Kleinstadt mit ihren 84.000 Einwohner ist der Lage aber nicht gewachsen. Sie verfügt nur über 29 Plätze in einem speziellen Aufnahmeheim für Minderjährige. Doch derzeit sind es mehr als 1.000 Kinder, die betreut werden müssen. Man bringt sie provisorisch in Schulen sowie einer Lagerhalle in einem Industriegebiet unter. Spanische Medien berichten über fehlende Betreuung und mehr als dürftige Bedingungen. Viele Afrikaner müssen auf der Straße und am Strand schlafen, weil das Abschiebezentrum völlig überfüllt ist.

Neben Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen ruft auch die katholische Kirche zu raschem Handeln und einer angemessenen Lösung für die Minderjährigen und Asylsuchenden in Ceuta auf. „Minderjährige müssen aufgenommen und geschützt werden – und Hunderte Menschen aus Schwarzafrika, die möglicherweise Anspruch auf internationalen Schutz haben, brauchen eine angemessene Unterstützung“, sagt der Migrationsbeauftragte der Spanischen Bischofskonferenz, Fernando Redondo, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Um die Lage dieser beiden Gruppen zu verbessern, ermahnt Redondo die Behörden und politisch Verantwortlichen, verantwortungsvoll, human und schnell zu handeln. Danach sieht es aber nicht aus. Vor allem über die eigentlich gesetzlich vorgeschriebene Verteilung der Minderjährigen auf andere Regionen, um bestmögliche Betreuung zu gewährleisten, ist derzeit ein innenpolitischer Streit ausgebrochen.

Die konservative Oppositionspartei – die in fast allen Regionen die Regierung stellt – will nicht ausbaden, was sie die „Konsequenzen der chaotischen und verantwortungslosen Migrationspolitik“ der sozialistischen Zentralregierung nennt. Vor allem konservative Regionalregierungen, die von der rechtspopulistischen und ausländerfeindlichen Vox-Partei abhängen, weigerten sich bereits öffentlich, minderjährige Migranten aus Ceuta aufzunehmen.

Der kirchliche Migrationsbeauftragte Redondo mahnt, parteipolitischer Schlagabtausch dürfe nicht auf Kosten der Kinder und Jugendlichen ausgetragen werden. Doch unterdessen könnten die Behörden gut daran tun, vor allem die Minderjährigen möglichst schnell in anderen Regionen auf dem Festland unterzubringen. Denn wie es aussieht, planen Jugendliche aus Marokko im Internet schon einen neuen Ansturm auf die spanische Exklave. Es gibt sogar ein konkretes Datum: den 15. August.

Große Tageszeitungen wie „El País“ und „ABC“ haben anscheinend Zugriff auf Facebook-Gruppen mit fast 400.000 Mitgliedern und neun WhatsApp-Gruppen mit mehreren hundert Personen. Behörden und Experten nehmen den in Sozialen Medien in Marokko kursierenden Aufruf zu einem neuen massiven Sturm auf Ceuta sehr ernst.

Das KI-Unternehmen „Golden Owl“ aus Alicante fand heraus, dass es anscheinend die gleichen User, Foren und Internet-Kanäle sind, über die bereits der Ansturm am 30. Juli organisiert wurde. Zudem bestätigte Spaniens Geheimdienst CNI, dass die Jugendlichen den Massenübertritt vergangene Woche nicht nur über Soziale Medien koordiniert hätten, sondern auch durch gezielt verbreitete Fehlinformationen von Schleuserbanden erst zum illegalen Grenzübertritt motiviert worden seien.

„Es sind aber auch fehlende Zukunftsperspektiven in Marokko und das unrealistische Bild von Spanien, die die Jugendlichen und Kinder nach Ceuta treibt“, sagte Sozialforscherin María Guevara von der Universität Pablo de Olavide in Sevilla der KNA. „Und hier spielen die Sozialen Medien eine wichtige Rolle.“ Posts von in Spanien lebenden Freunden, Bekannten und Familienangehörigen seien für jugendliche Marokkaner praktisch die einzige Informationsquelle über Spanien.

„Und bekanntlich postet fast niemand negative Dinge über sein Leben“, erklärt Guevara, die seit Jahren über Gebrauch und Nutzen Sozialer Medien durch Marokkos Jugend forscht. „So wissen die meisten Jugendlichen nur wenig über Rassismus und schwierige Lebens- und Jobbedingungen marokkanischer Migranten in Spanien.“

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