Kaum ein Thema bewegt die Kirche in Nord- und Lateinamerika so wie die Migrationspolitik. Aus Anlass der 250-Jahr-Feier laden Bischöfe aus den Vereinigten Staaten und Mexiko zu einer besonderen Messe ein.
Text: Tobias Käufer (KNA) | Bild: Diocese of Tucson
Es ist die Geburtstagsparty des Jahres. Am 4. Juli 1776 wurde in Philadelphia die amerikanische Unabhängigkeitserklärung offiziell verabschiedet. Der Countdown läuft. Längst wird der 250. Geburtstag mit Feuerwerken, Ausstellungen und Paraden gefeiert – laut, prunkvoll, beeindruckend.
Die katholische Kirche geht abseits des Trubels einen anderen Weg und setzt ein nachdenkliches, aber bemerkenswertes Zeichen. Am Freitag wird im Städtchen Nogales im Bundesstaat Arizona deshalb ein Grenz-Gottesdienst stattfinden. Zur „Border Mass 250“ haben Bischöfe aus den USA und Mexiko eingeladen. Es sei eine Zusammenkunft „im Zeichen des Glaubens, der Solidarität und der Würdigung der Beiträge von Einwanderern im Rahmen des 250. Jahrestags der Vereinigten Staaten“, heißt es in der offiziellen Ankündigung.
Zum Programm gehört den Informationen zufolge auch eine Prozession ins Nachbarland. Ziel ist die Parroquia de la Purísima Concepción, die auf mexikanischer Seite im gleichnamigen Nogales liegt. Geplant ist zudem ein Rosenkranzgebet.
Aus den USA werden Bischöfe aus den Diözesen Tucson, Phoenix, Santa Fe und El Paso teilnehmen. In allen grenznahen Bistümern spielt das Thema Migration traditionell eine große Rolle.
Die Bischöfe wollen mit dem Grenzgottesdienst angesichts einer wachsenden Anti-Migrations-Rhetorik in der Politik zum Nachdenken über „die unschätzbaren Beiträge“ anregen, „die Migranten in den vergangenen 250 Jahren für die Vereinigten Staaten geleistet haben“. Viele von ihnen hätten in den USA eine neue Heimat gefunden, oft auf der Flucht vor Verfolgung und Not in Mexiko, Lateinamerika und anderen Teilen der Welt. „Die US-Bischöfe aus der Grenzregion werden pastorale Betrachtungen darüber anstellen, was die Kirche hinsichtlich der Realität der Migration für wahr erachtet“, ist außerdem in der Ankündigung zu lesen.
Während ihrer Vollversammlung im Herbst vergangenen Jahres hatte die US-Bischofskonferenz die Regierung bereits zu einem Kurswechsel in der Migrationspolitik aufgefordert. Die Bischöfe zeigten sich über ein „Klima der Angst“ beunruhigt, das durch die Art und Weise der „Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen“ entstanden sei: „Wir sind betrübt über den Stand der aktuellen Debatte und die Verunglimpfung von Einwanderern. Wir sind besorgt über die Bedingungen in Haftanstalten und den mangelnden Zugang zu Seelsorge.“
Besonders in die Kritik geriet die Migrationsbehörde ICE. Sie habe durch ihre rabiate Abschiebepolitik für Angst in den Gemeinden gesorgt, hieß es. Die US-Bischöfe hatten wiederholt gefordert, eine tiefgreifende Migrationsreform anzupacken. Miamis Erzbischof Thomas Wenski sagte vor wenigen Wochen mit Blick auf die im Herbst anstehenden Halbzeitwahlen für Senat und Kongress: „Wir müssen auch handeln. Im Moment müssen wir versuchen, die Abgeordneten und Senatoren dazu zu bewegen, notwendige Maßnahmen zur Reform der Einwanderungsgesetze zu ergreifen.“
Präsident Trump habe es geschafft, die Grenze zu schließen. Wenski forderte: Er solle auch dafür sorgen, dass Kriminelle festgenommen werden. Für Kriminelle auf freiem Fuß sei niemand. „Aber gleichzeitig wollen wir nicht, dass Großmütter, Töchter, Mädchen oder Männer, die hart arbeiten, festgenommen und abgeschoben werden“, sagte Wenski.
Darüber dürfte auch im Rahmen der „Border Mass 250“ debattiert werden. Neben Gottesdienst und Prozession sollen sich auch Menschen von beiden Seiten der Grenze austauschen können.






