Ein Kloster in Uganda, das weit mehr ist als ein Ort des Gebets: In Tororo verbinden die Missionsbenediktiner Seelsorge mit Bildung, medizinischer Hilfe und sozialem Engagement – und prägen so das Leben einer ganzen Region, berichtet Br. Ansgar Stüfe OSB.
Das Kloster Tororo liegt im Westen Ugandas nahe der Grenze zu Kenia. Hier lässt sich die Dynamik der Kirche in einem afrikanischen Land erleben. Seit über 30 Jahren leben junge Männer hier nach der Regel des heiligen Benedikts, und dieses Leben strahlt weit nach außen. Wenn ich in Deutschland das Land Uganda erwähne, erinnern sich die meisten an das Schreckensregime von Idi Amin. Dabei ist Uganda ein Beispiel dafür, wie ein Land aus diesem Terror herauswachsen und sich stabil entwickeln kann. Dies ist am Kloster in Tororo sichtbar.
An diesem Ort hatten sich ehemalige Kämpfer niedergelassen. Erst nach der Gründung des Klosters zogen sie sich zurück und wurden in die Gesellschaft integriert. So begann das Kloster als ein Zeichen des Friedens
Not und Neuanfang
Das Gelände ist sehr groß und bietet vielen Menschen einen Wohnort. Dazu gehören zunächst die Angestellten, die in den verschiedenen Werkstätten und in der Augenklinik arbeiten. Sie wohnen in schönen Unterkünften, die sich deutlich von den Häusern der Menschen in der Umgebung abheben. Ein Abschnitt des Geländes ist für Flüchtlinge reserviert. Diese Flüchtlinge sind ugandische Staatsangehörige, die aus dem Norden fliehen mussten, weil eine Terrorgruppe aus dem Sudan Menschen entführt hat. Es handelt sich um Menschen ohne jegliche Einkünfte. Das Kloster hat ihnen eine menschenwürdige Unterkunft bereitgestellt und übernimmt die Schulgebühren für die Kinder. Als diese Menschen ankamen, habe ich sie gesehen. Mit ihnen bin ich zum ersten Mal Erwachsenen begegnet, die unterernährt waren. Der Unterschied zu heute könnte nicht größer sein.
Wo Mönche und Familien gemeinsam Gottesdienst feiern
Selbstverständlich leben auch die Mönche auf dem Gelände, mitten unter all diesen Menschen. Es geht aber nicht nur um finanzielle Hilfe. Die spirituelle Ausstrahlung des klösterlichen Lebens motiviert viele Menschen, an geistlichen Angeboten teilzunehmen. Zur Sonntagsmesse kommen viele Familien mit ihren Kindern (Bild oben). Die Messe beginnt für alle Gläubigen gemeinsam. Nach dem Evangelium, also vor der Predigt, stehen alle Kinder auf und treten vor den Altar.
Dann segnet sie der Zelebrant. Es ist ergreifend, zu erleben, wie ernst die Kinder diese Zeremonie nehmen und alles still mitmachen. Nach dem Segen werden die Kinder von einem Mönch an einen anderen Ort begleitet, wo sie eine kindgerechte Unterweisung erhalten. In der Kirche selbst geht der Gottesdienst für die Erwachsenen weiter. Eigentlich würden auch die Gläubigen aus der Umgebung gerne am Gottesdienst teilnehmen. Leider ist die Klosterkapelle zu klein, um mehr Menschen aufzunehmen. Das Kloster wartet sehnsüchtig auf eine richtige Kirche. Das ist eben ganz anders als bei uns in Deutschland. Die Menschen sehnen sich nach geistlichen Impulsen und haben einen ganz unmittelbaren Zugang zu Riten. Da können Europäer in die Schule gehen.
Ort der Stille und der menschlichen Nähe
Das Kloster bietet aber auch geistliche Erfahrung der Stille und Exerzitien. In Uganda gibt es immer mehr Menschen, die sich gerne an Orte der Stille und Besinnung zurückziehen. Zu diesem Zweck wurde das Gästezentrum auf dem Klostergelände eingerichtet. Dieses Zentrum besteht aus einzelnen Häusern, die früher als Unterkunft für die ersten Mönche dienten. Nach dem Neubau des Klostergebäudes wurden diese Häuser renoviert und bieten nun Gästen einen Aufenthalt inmitten von Bäumen und einem sehr gepflegten Garten. Ein schöneres Gelände kann man sich kaum vorstellen.

Neben diesen Formen der Seelsorge kümmern sich einzelne Mitbrüder um viele Spezialaufgaben, die eine junge, dynamische Gemeinschaft bewältigen kann. Da sind zum Beispiel die mehr als 200 Schülerinnen und Schüler der Handwerkerschule. Sie werden von einem Pater geistlich betreut. Es gibt Unterricht, Seminare und natürlich auch Gottesdienste. In der Augenklinik ist ebenfalls ein Benediktiner als Seelsorger tätig. Gerade Kranke haben viel Zeit, sich mit ihrem Schicksal auseinanderzusetzen. Sie brauchen Rat und geistlichen Beistand.
In Deutschland haben Kranke durchaus ähnliche Bedürfnisse, aber es fehlt an Personal. Das Kloster Tororo kann diese Dienste vollständig abdecken. Die Mitbrüder kümmern sich darüber hinaus um die Seelsorge von Ordensschwestern. In der Nähe liegt eine Abtei der Benediktinerinnen, die ganz von Tororo aus versorgt wird. Alle genannten seelsorglichen Aktivitäten sind mit dem benediktinischen Leben gut vereinbar und leisten einen ganz besonderen Beitrag zum kirchlichen Leben in Uganda. Der Hauptunterschied zu Deutschland ist die menschliche Nähe. Die Mönche leben mitten in der Gesellschaft und bringen so die transzendentale Welt allen Menschen nahe. Ihr Leben entspricht eher dem biblischen Auftrag als das abgeschiedene Leben manchen Klosters hier in Europa
Drei Jahrzehnte Wachstum: Schule, Klinik und Armenbetreuung in Tororo
Wie in der Bibel gehört zur Seelsorge auch das praktische Heil. So hat das Kloster von Beginn an einen Service für Augenkranke Angeboten. Dieser Dienst hat sich zu einer großartigen Klinik entwickelt, in der auch körperlich und geistig behinderte Kinder betreut werden
In nur 30 Jahren hat sich das Kloster Tororo zu einem Zentrum für Seelsorge, Heilung, Schule und Armenbetreuung entwickelt. Diese Entwicklung macht Mut und zeigt, dass unsere christlich-benediktinische Lebensform auch ganz neue Entwicklungen hervorbringen kann. Tororo verdient deswegen unser Interesse und unsere Unterstützung.
Text und Bilder: Br. Ansgar Stüfe OSB
Dieser Text stammt aus missionsblätter – Das Magazin der Missionsbenediktiner von St. Ottilien, Ausgabe 01/2026. Wir danken für die Erlaubnis zur Übernahme!






