UNO-Flagge in Bonn. Bild: weltkirche.de

UN besorgt über neue israelische Angriffe im Libanon

Ungeachtet einer Waffenruhe verstärkt Israel Luftschläge und Truppenbewegungen im Libanon. Ziel sind angeblich Hisbollah-Stellungen. Auch die historische Stadt Tyrus gerät ins Visier.

Die Vereinten Nationen haben sich tief besorgt über die erneute Eskalation der Kämpfe im Libanon geäußert, besonders auch über neue israelische Luftangriffe am Donnerstag in Beirut. Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres in New York bekundete weiter Sorge über Berichte, nach denen ungeachtet einer vereinbarten Waffenruhe israelische Bodentruppen über den Litani-Fluss hinaus nach Norden vorstießen. Israel habe seine Luftangriffe auf mutmaßliche Hisbollah-Ziele im Einsatzgebiet der UNIFIL-Friedenstruppen verstärkt.

„Wir fordern erneut alle Seiten auf, die Waffenruhe zu respektieren und weitere Angriffe einzustellen“, sagte UN-Sprecher Farhan Haq. Zivilisten und zivile Infrastruktur dürften niemals angegriffen werden.

Mittwoch meldete die UNIFIL etwa 670 abgefeuerte Raketen oder Granaten im Südlibanon, so viel wie nie seit Inkrafttreten der Waffenstillstandsvereinbarung am 17. April. 640 der Geschosse stammten von israelischen Streitkräften, 30 von der pro-iranischen Hisbollah-Miliz.

UN-Blauhelmsoldaten beobachteten nach Angaben des Sprechers zudem intensive Aktivitäten der israelischen Armee zu Boden und in der Luft, darunter Panzerbewegungen, großangelegte Ingenieurarbeiten und militärische Transporte. Erneute Räumungsanordnungen Israels in den vergangenen zwei Tagen hätten Hunderttausende Einwohner betroffen, darunter in den Städten Tyros und Nabatieh. Sammelunterkünfte in Tyros und Saida könnten keine weiteren Menschen aufnehmen.

Israel hatte in der Nacht zu Donnerstag die Küstenstadt Tyrus attackiert, eine Unesco-Welterbestätte. Das libanesische Außenministerium verurteilte laut Medienberichten die Militärschläge. Die Angriffe gefährdeten historische Stadtviertel, religiöse Stätten und kulturelle Wahrzeichen in einer der ältesten Städte der Region, hieß es.

Text: KNA | Bild: weltkirche.de

Mehr aus der Weltkirche

  • „Heute kann man einen Sklaven für wenige Hundert Euro bekommen“

    „Heute kann man einen Sklaven für wenige Hundert Euro bekommen“

    Auch in Europa werden bis heute Menschen verkauft und missbraucht, als wären sie eine handelbare Ware. Die rumänische Psychologin Iana Matei geht dagegen vor – und erhielt für ihr Engagement nun eine wichtige Auszeichnung.


  • Die Ware „Mensch“

    Die Ware „Mensch“

    Menschenhandel gilt zu Recht als eines der abscheulichsten Verbrechen unserer Zeit – und es ist zugleich ein Milliardengeschäft. Die Europäische Union schätzt die Profite, die mit der „Ware Mensch“ gemacht werden, auf mehr als 46,9 Milliarden Euro pro Jahr. Und einer erst kürzlich vorgestellten Studie der EU-Kommission zufolge hat der Menschenhandel in der Europäischen Union…


  • Das „System Menschenhandel“

    Das „System Menschenhandel“

    Menschenhandel – ein perfides Verbrechen. Die Täter agieren lautlos, skrupellos und grenzenlos. Ihre Opfer schweigen aus Angst und Scham. Die Profiteure bleiben unerkannt. Das macht Ermittlungen schwierig. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, die Dunkelziffern sind hoch. Anhand des Schicksals einer jungen Rumänin in Deutschland zeigt Inge Bell, wie das unfassbare System Menschenhandel hier und heute…



Weitere Weltkirche-Meldungen: