Schriftzug Krieg - Frieden aus Nullen und Einsen. Symbolbild für Künstliche Intelligenz, AI im Krieg. Bild: Damian Raiser/weltkirche.de

Papst: „Spirale der Vernichtung“ durch KI-Einsatz in Kriegen

Papst Leo hat am Donnerstag die römische Universität Sapienza besucht. Seine Rede vor Studierenden und Lehrpersonal nutzte er, um Krieg und Ungerechtigkeit zu geißeln. Und die Hochschule zur Zusammenarbeit aufzurufen.

Papst Leo XIV. warnt vor einer Übernahme menschlicher Verantwortung durch Künstliche Intelligenz im militärischen und zivilen Bereich. Dies könne „die Tragödie von Konflikten“ verschärfen, mahnte er am Donnerstag in der römischen Universität Sapienza.

„Was derzeit in der Ukraine, im Gazastreifen und den palästinensischen Gebieten, im Libanon und im Iran geschieht, verdeutlicht die unmenschliche Entwicklung des Verhältnisses zwischen Krieg und neuen Technologien in einer Spirale der Vernichtung“, sagte er bei einer Rede vor Studierenden und Lehrpersonal der größten Hochschule Italiens.

Ebenso kritisierte er den „enormen“ Anstieg der weltweiten Militärausgaben des vergangenen Jahres, insbesondere in Europa. „Man darf Aufrüstung nicht als ‚Verteidigung‘ bezeichnen“, so der Papst. Dabei verschärfe Aufrüstung Spannungen und Unsicherheit, schmälere Investitionen in Bildung und Gesundheit, untergrabe das Vertrauen in die Diplomatie und bereichere Eliten, „denen das Gemeinwohl gleichgültig ist“, so Leo XIV.

Forschung und Investitionen müssten in die entgegengesetzte Richtung gehen: „Sie müssen ein radikales ‚Ja‘ zur Zukunft sein. Ja zum unschuldigen Leben, ja zum jungen Leben, ja zum Leben der Völker, die nach Frieden und Gerechtigkeit rufen!“, so der Papst bei seiner mit Standing Ovations bedachten Rede. Sein Besuch sei „ein Zeichen für eine neue Bildungsallianz zwischen der Kirche in Rom und eurer angesehenen Universität“.

Viele Staaten setzen KI im Krieg ein

Die jungen Menschen rief der Papst zur Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Klimaschutz auf. „Wir alle sind Friedensstifter!“, so Leo XIV. zum Abschluss seines Antrittsbesuchs an der staatlichen Hochschule, mit mehr als 100.000 Studierenden auch eine der größten Universitäten Europas ist.

Leo XIV. war am Morgen von Universitätsrektorin Antonella Polimeni am Campus begrüßt worden. Bei einer Fahrt im offenen Golfcar wurde er von vielen Studierenden mit Beifall und „Viva il Papa“-Rufen empfangen. Auch trug sich der Papst ins Goldene Buch, und eine Gedenktafel zum Papstbesuch wurde enthüllt.

KI-Systeme werden in aktuellen Kriegen von zahlreichen Staaten zur Selektion militärischer Ziele eingesetzt, beispielsweise von Israel und den USA im Iran. Dabei kommt es immer wieder zu gravierenden Fehleinschätzungen, die dazu führen, dass z.B. Zivilpersonen getötet werden. So wurde nach Angaben der Vereinten Nationen im vergangenen März bei einem Bombenangriff im Iran eine Mädchenschule getroffen, 165 Personen wurden dabei nach iranischen Angaben getötet. Auch die Ukraine und Russland setzen nach Einschätzung von Experten KI-Systeme zur Zielauswahl ein.

Am 25. Mai wird die Veröffentlichung der ersten Enzyklika von Papst Leo XIV. erwartet. Wie der Vatikan bekanntgab, soll das Lehrschreiben den Titel „Magnifica Humanitas. Über den Schutz des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz“ tragen. Unterzeichnet wurde es offenbar bereits am vergangenen Freitag (15. Mai), am 135. Jahrestag der Unterzeichnung der ersten Sozialenzyklika „Rerum novarum“ durch den damaligen Papst Leo XIII.

Text: KNA/KNA/Vatikanisches Presseamt/weltkirche.de | Bild: Damian Raiser/weltkirche.de

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