Ein Pfleger sitzt am Bett eines Patienten auf der Intensivstation des Malteser-Krankenhauses Sankt Hildegardis in Köln am 8. April 2020. Im Vordergrund tropft eine Spritzenpumpe zur Verabreichung von Medikamenten. Bild: Harald Oppitz/KNA

Weltgesundheits-Versammlung beginnt: Misereor warnt vor Milliardenlücke

Am Montag startet in Genf die Weltgesundheitsversammlung. Misereor prangert im Vorfeld vor allem fehlende Gelder in Milliardenhöhe für Organisationen wie die WHO an: „Das kostet Menschenleben.“

Das katholische Hilfswerk Misereor fordert eine politische und finanzielle Stärkung der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie eine Begrenzung der Macht privater Investoren im Gesundheitsbereich. Die Bundesregierung müsse sich auf der am Montag beginnenden Weltgesundheitsversammlung im schweizerischen Genf für verlässliche öffentliche Investitionen und für entsprechende verbindliche Regeln einsetzen, erklärte Misereor in Aachen.

„Statt marktbasierter Finanzierungsmodelle benötigt die WHO mehr verlässliche öffentliche Investitionen. Haben Privatunternehmen, ihre Interessengruppen oder philanthropische Stiftungen zu viel Einfluss in den Entscheidungen zur Globalen Gesundheit und richten diese gewinnorientierter aus, wird dies zum Nachteil besonders verarmter oder marginalisierter Bevölkerungsgruppen“, erklärte Ellen Schmitt, Referentin bei Misereor.

2.000 Stellen weniger

Misereor-Angaben zufolge haben etwa 4,6 Milliarden Menschen weltweit keinen ausreichenden Zugang zu Gesundheitsdiensten. „Es fehlt an Personal, Medikamenten, angemessener Ausrüstung, Wasser- und Energieversorgung oder schlicht an Geld, um sie ausreichend medizinisch zu versorgen“, so Schmitt.

Schmitt bezeichnete eine Unterfinanzierung von Organisationen der Globalen Gesundheit als Alarmsignal. „Zuletzt musste das Budget der WHO um 14 Prozent auf rund 4,2 Milliarden US-Dollar gekürzt werden. Insbesondere der Austritt der USA aus der WHO hinterlässt eine Milliardenlücke.“ Die Handlungsfähigkeit der Organisation sei somit „erheblich beeinträchtigt“, was Menschenleben koste. Durch den Wegfall der US-Gelder bei der Weltgesundheitsorganisation hatte diese kurzfristig über 2.000 Stellen abbauen müssen – rund 25 Prozent des Gesamtpersonals.

Der kürzliche Ausbruch des Hanta-Virus auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik hat nach Ansicht der Misereor-Expertin die Rolle der WHO als zentrales Steuerungsinstrument der globalen Gesundheitsarchitektur exemplarisch gezeigt – insbesondere mit Blick auf Einschätzung und Management zum Ausbruch schwerer Krankheiten.

Gesundheitsministerin Warken: WHO muss handlungsfähig bleiben

Deutschland wird bei der Weltgesundheitsversammlung in Genf von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken vertreten. Vor dem Start der Gespräche erklärte Warken in Berlin, Deutschland stehe ein für eine starke WHO, die handlungsfähig bleibe und sich auf ihre Kernkompetenzen fokussiere. Dafür unterstütze Deutschland die Organisation politisch, finanziell und personell. Durch den Rückzug der USA war Deutschland zum größten WHO-Geldgeber geworden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wird Deutschland 2026 weitere 25 Millionen für die Bekämpfung von grenzüberschreitenden Krankheitsausbrüchen bereitstellen.

„Gerade die aktuellen Ereignisse wie der Ausbruch des Hantavirus und der gegenwärtige Ebola-Ausbruch in Zentralafrika machen sehr deutlich, dass kein Land grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren alleine überwachen und deren Prävention und Abwehr im Alleingang stemmen kann“, so Warken. Daher unterstütze man die notwendige Reform der WHO, damit deren Kernkompetenz aufrechterhalten werden könne. Die Festlegung globaler Normen und Standards, die Gewährleistung der globalen Gesundheitssicherheit sowie das Zusammenführen zu globalen Gesundheitsfragen sollen dabei nach Ansicht des Gesundheitsministeriums im Mittelpunkt stehen.

Zur 79. Weltgesundheitsversammlung, dem höchsten beschlussfassenden Organ der Weltgesundheitsorganisation, kommen vom 18. bis zum 23. Mai Vertreter der 194 WHO-Mitgliedsstaaten zusammen. Neben Reformideen und Finanzfragen stehen dabei Themen wie die Gesundheit indigener Gemeinschaften, Gesundheitsprävention sowie die Gesundheitslage in den palästinensischen Gebieten auf der Agenda.

Text: weltkirche.de mit Material von KNA/Misereor/BMG | Bild: Harald Oppitz/KNA

Mehr aus der Weltkirche


Weitere Weltkirche-Meldungen: