Eine Jugendliche greift am 13. Februar 2026 mit ihrer Hand nach einer roten Paprika in einem Ladengeschäft. Bild: Harald Oppitz/KNA

Studie prangert Marktmacht von Konzernen im Lebensmittelsektor an

Bevor die Packung Kakao im Einkaufswagen des Verbrauchers landet, ist der Weg lang: Vom Kleinbauern in Afrika bis zum Regal im Supermarkt um die Ecke. Entlang dieser Lieferkette gibt es erhebliche Unwuchten, so Experten.

Text: Joachim Heinz (KNA) | Bild: Harald Oppitz/KNA

Diese Mitteilung der Genossenschaft Migros Zürich sorgte für Schlagzeilen. Das Schweizer Unternehmen verkündete Mitte März seinen Rückzug aus dem deutschen Markt an. Davon betroffen sind 338 Filialen von Tegut. Für die Supermärkte werden nun Käufer gesucht; der Mitbewerber Edeka will einen wesentlichen Teil der Tegut-Gruppe übernehmen.

Der Vorgang wirft ein Schlaglicht darauf, wie hart der Markt für Lebensmittel in Deutschland umkämpft ist. Und er zeigt, wie die großen Discounter Edeka, Aldi, Rewe, Lidl und Co versuchen, weiter zu expandieren. Nach Ansicht von Misereor und Rebalance Now führt diese Entwicklung zu besorgniserregenden Unwuchten.

Zu spüren bekommen das laut einer am Donnerstag von den beiden Organisationen vorgelegten Studie vor allem Kleinbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika, aber auch Landwirte in Europa – und die Verbraucher in Deutschland.

Landwirte und Verbraucher – sie stehen am Anfang und Ende der sogenannten Lieferkette. Ein vereinfachtes Beispiel für eine solche Lieferkette: Die in Afrika geernteten Kakaobohnen kaufen Großhändler auf, Unternehmen produzieren daraus etwa Kakaopulver oder Schokoriegel; und diese Produkte landen schließlich in den Regalen der Supermärkte.

Entlang der einzelnen Stationen finden sich Konzerne, die durch Zusammenschlüsse immer größer werden. Das führt aus Sicht von Misereor und Rebalance Now zu negativen Auswirkungen: „Dazu gehören geringe Erlöse für Bäuerinnen und Bauern, schlechte Arbeitsbedingungen, ökologische Folgekosten und weit verbreitete unfaire Handelspraktiken.“

Und die Verbraucher? Die müssten für viele Lebensmittel tiefer in die Tasche greifen: „Wenige Konzerne bestimmen, was auf den Feldern wächst, welche Preise gezahlt werden, was im Supermarktregal landet und auf unseren Tellern liegt“, fasst der Autor der Studie und Vorstand von Rebalance Now, Ulrich Müller, die Lage zusammen.

Starke Konzentration

Mit Blick auf Kakao präsentierten Misereor und Rebalance Now unter anderem folgende Zahlen: Beim Handel und der Verarbeitung haben die sechs größten Firmen zusammen einen Marktanteil von mindestens 60 Prozent. Knapp 70 Prozent der gesamten Wertschöpfung entfallen auf nur zwei Stufen: auf die Kakao- und Schokoladenherstellung sowie auf den Einzelhandel.

Um die Gewinne weiter zu maximieren, stellen Supermärkte und Discounter zunehmend selbst Lebensmittel her, heißt es weiter in der Studie. Die Schwarz-Gruppe, zu der die Lidl- und Kaufland-Supermärkte gehören, produziert demnach Mineralwasser und Erfrischungsgetränke. Außerdem besitzt sie Fabriken für Trockenfrüchte, Backwaren, Kaffee, Teigwaren, Speiseeis, Papier – und Schokolade.

Die Schwarz-Gruppe wiederum gehört neben Edeka, Rewe und Aldi zu den Schwergewichten in der deutschen Lebensmittelbranche. Laut Angaben von Misereor und Rebalance Now kontrollieren diese vier Player bereits über 87 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels. Mit der von Edeka angestrebten Übernahme eines Großteils der Tegut-Filialen werde sich dieser Konzentrationsprozess weiter fortsetzen, befürchtet Studienautor Ulrich Müller.

Er fordert das Bundeskartellamt daher auf, die Pläne zu untersagen. Überhaupt gelte es, die kartellrechtlichen Instrumente in solchen Fällen zu schärfen. Derzeit nimmt die Behörde in Bonn die Übernahme der Tegut-Filialen durch Edeka unter die Lupe. „Was die Forderung nach einer strengeren Prüfung von Fusionen angeht, können wir nur auf unsere bisherige Fallpraxis verweisen“, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Diese belege „eine konsequente Anwendung der gesetzlichen Voraussetzungen“.

Davon unabhängig steht aber auch noch eine andere Frage im Raum: Gelingt es, die Arbeitsplätze der Tegut-Mitarbeiter zu retten? Das war von Beginn an laut der Genossenschaft Migros Zürich ein Schwerpunkt in den Verhandlungen. Welche Mitbewerber außer Edeka noch im Rennen sind, könne man aus Vertraulichkeitsgründen nicht sagen, so eine Sprecherin. Derzeit gehe man davon aus, „dass der überwiegende Teil der Filialen an Interessenten veräußert werden kann“.



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