Zwei Monate nach der völkerrechtlich umstrittenen Verhaftung von Machthaber Maduro beginnt in Venezuela die Stimmung zu kippen. Die Oppositionspolitikerin Machado ist viel beliebter als Donald Trumps Favoritin.
Text: Tobias Käufer (KNA) | Bild: weltkirche.de auf Basis von Natural Earth-Daten
Vor gut zwei Monaten wurde Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro bei einer völkerrechtlich umstrittenen Militäroperation der USA verhaftet. Doch allmählich macht sich in der Bevölkerung Ernüchterung über den ausbleibenden Politikwechsel breit. Eine große Mehrheit der Bürger (83 Prozent) sei zwar nach wie vor dankbar für die US-Militäroperation, so eine Umfrage des Instituts „Meganálisis“, aus der der „Miami Herald“ (Mittwoch) zitiert. Allerdings meinten gleichzeitig 61 Prozent der Befragten, dass Donald Trump den Ölgeschäften mit Venezuela Vorrang vor der Wiederherstellung von Demokratie und Freiheit im Land einräume.
Die sichtbare Zusammenarbeit zwischen Washington und Maduros früherer Vize-Präsidentin Delcy Rodríguez könnte zu Spannungen unter den Venezolanern führen, vermutet demnach Rubén Chirinos von Meganálisis. Ein Großteil der Venezolaner hätten nach Maduros Abgang einen endgültigen Bruch mit dem Chavismus durch die USA erwartet. Stattdessen kooperiere Washington eng mit dem bisherigen Machtapparat, während die Opposition weiter außen vor bleibe.
Bei der Sonntagsfrage haben die Venezolaner eine klare Präferenz. Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Corinna Machado käme derzeit auf 71 Prozent der Stimmen. Gäbe es ein direktes Duell zwischen Machado und Rodríguez, stiege die Unterstützung für Machado sogar auf 82 Prozent gegenüber 4,8 Prozent für Rodríguez. Machado kündigte an, in Kürze nach Venezuela zurückkehren zu wollen und dann durch das Land zu reisen. Sie hält sich derzeit in den USA auf.
Grundsätzlich hätten die Menschen in Venezuela eine negative Meinung zum Sozialismus, sagt Analyst Chirinos. Auf die Frage, was der Sozialismus Venezuela ihnen gebracht habe, sagten 87 Prozent: „schlechte Lebensbedingungen, Rückschritt und Armut“.
Am Dienstag hatte Trump am Rande des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus Interims-Präsidentin Rodríguez erneut ausdrücklich gelobt. Venezuela sei etwas „Unglaubliches“ gewesen, weil die Regierung nach dem Angriff völlig intakt gehalten worden sei, so Trump. „Und wir haben Delcy, die sehr gut gewesen ist.“
Die gesamte Befehlskette sei intakt geblieben und die Beziehung ausgezeichnet, sagte Trump und legte den Blick auf die Wirtschaftskooperation. „Wir haben bereits 100 Millionen Barrel Öl gefördert“, sagte Trump. „Venezuela wird mehr Geld als je zuvor verdienen, und das ist ausgezeichnet für das Volk.“ Im Februar haben sich laut Medienberichten die Ölexporte unter Kontrolle der USA in Venezuela verdoppelt.
Die Interims-Regierung hat inzwischen mehrere hundert politische Gefangene freigelassen und den Ölbereich für private Investoren geöffnet. Venezuela ist das ölreichste Land der Welt. Inzwischen kündigten weitere internationale Konzerne an, sich in Venezuela engagieren zu wollen. Die Anhörung von Ex-Machthaber Maduro durch die US-Justiz in einem Gefängnis in New York ist für Ende März angesetzt. Ihm und seiner linksextremen Regierung werden schwerste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.







