Alle politischen Gefangenen in dem südamerikanischen Land sollen bald frei sein. Der regierungskritische Kardinal Baltazar Porras darf künftig wieder internationale Reisen antreten.
Von Tobias Käufer (KNA)
Das Vorgehen hatte über die Landesgrenzen für Aufsehen gesorgt: Dem venezolanischen Kardinal Baltazar Porras war Mitte Dezember beim Versuch zu einem internationalen Termin zu reisen, von Sicherheitskräften der Reisepass abgenommen worden. Nun zitierte das Portal „Tal Cual“ einen X-Eintrag des Kardinals vom Wochenende: „Wie jeder venezolanische Bürger habe ich jetzt meinen Reisepass.“
Nahezu zeitgleich kündigte Interimspräsidentin Delcy Rodriguez an, dass im Rahmen einer Generalamnestie alle politischen Gefangenen des Landes freigelassen werden sollen. Zudem soll das von der Opposition als „Foltergefängnis“ bezeichnete Hauptquartier des Inlandsgeheimdienstes Helocoide geschlossen werden. Ehemalige Häftlinge berichteten, dass das linksextreme Regime dort schwere Menschenrechtsverletzungen begangen habe.
Die ehemalige Vizepräsidentin Delcy Rodriguez ist nach der Verhaftung von Ex-Machthaber Nicolás Maduro durch eine US-Spezialeinheit Anfang Januar zur Präsidentin Venezuelas aufgerückt und schlägt seitdem einen Kurs der Annäherung an die USA ein. Zudem versprach sie Schritte hin zu einer Demokratisierung des Landes. Die Opposition fordert baldige Neuwahlen.
Dem emeritierten Erzbischof von Venezuelas Hauptstadt war Mitte Dezember verwehrt worden, einen Flug nach Kolumbien anzutreten. Von dort hätte der 81-Jährige nach Spanien weiterreisen wollen. Bereits im Oktober hatten Sicherheitskräfte Porras daran gehindert, zu einem Gottesdienst zu Ehren des heiliggesprochenen „Arzt der Armen“, José Gregorio Hernández, zu fliegen. „Wir waren von einer Gruppe bis an die Zähne bewaffneter Soldaten umzingelt, obwohl wir nur zu fünft waren.“ Einen Mietwagen habe man ihnen verboten. „Sie ließen uns den Flughafen nicht verlassen und wir mussten zurückkehren, wir waren praktisch gefangen“, erklärte Porras.
Verletzungen der Menschenrechte angeprangert
Zuvor hatte der Kardinal, der bis 2024 das Erzbistum Caracas leitete, einmal mehr die schweren Menschenrechtsverletzungen in Venezuela angeprangert und dem Regime des damaligen Machthabers Maduro vorgeschlagen, die Heiligsprechung zu nutzen, um alle 866 politischen Gefangenen in Venezuela freizulassen: Das Land sei wegen der Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten, zunehmender Armut, Militarisierung, Gewalt und Korruption in einer „moralisch inakzeptablen Situation“, hatte Porras aus Anlass der Heiligsprechung erklärt. Maduro warf Porras daraufhin vor, Papst Leo XIV. gezielt manipulieren zu wollen und ihn über die Lage in Venezuela zu täuschen.
Porras ist seit Jahrzehnten eine prägende Figur der katholischen Kirche in Venezuela und gehört zu den einflussreichen Kirchenvertretern Lateinamerikas. Häufig war er auch in Deutschland präsent, etwa bei Katholikentagen. Zur autokratischen Regierung Maduro wie auch zu dessen Vorgänger Hugo Chávez (1999-2013) hatte Porras stets ein schwieriges Verhältnis.
Von 1999 bis 2006 stand Porras an der Spitze der Venezolanischen Bischofskonferenz; bis 2011 war er Erster Vizepräsident des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM. Lange Zeit leitete Porras die Erzdiözese Mérida (1991-2023), anschließend für kurze Zeit bis zu seinem altersbedingten Rücktritt das Hauptstadt-Erzbistum Caracas. Papst Franziskus erhob ihn 2016 in Würdigung seines Einsatzes als Seelsorger und seiner Rolle als politischer Vermittler in den Kardinalsstand.
KNA | Bild: Pablo Esparza/CNS photo/KNA







