Tausende Tote, Verletzte und Vermisste: Gut einen Monat nach schweren Erdbeben in Venezuela bleibt die Lage unübersichtlich und katastrophal. Bei einem Besuch im Katastrophengebiet fordert Kardinal Baltazar Porras die politischen Kräfte zur Einheit auf.
Gut einen Monat nach den beiden Erdbeben in Venezuela hat Kardinal Baltazar Porras die am stärksten getroffene Provinz La Guaira besucht. Dort rief der emeritierte Erzbischof von Caracas das politisch tief gespaltene Land zur Einheit auf. „Wir Venezolaner, wir alle, müssen uns gemeinsam für den Wiederaufbau unseres Bundesstaates einsetzen, der uns besonders am Herzen liegt und in den letzten Jahrzehnten besonders schwer getroffen wurde“, schrieb Porras in einer Botschaft in Sozialen Netzwerken.
Die Betroffenen dürften nicht monate- oder jahrelang in provisorischen Unterkünften bleiben, forderte Porras angesichts Zehntausender Obdachloser. Auch die Kirche wolle Hilfe leisten. Nur Solidarität helfe, um eine der größten Tragödien zu bewältigen, die das Land in den vergangenen Jahrzehnten erlebt habe, so Porras.
Der aktuelle Erzbischof von Caracas, Raúl Biord Castillo, hatte zuletzt zu einem Gebetstag für die Opfer der Erdbebenkatastrophe aufgerufen. Angesichts der vielen Toten und dem großen Schmerz vieler Familien im Erzbistum Caracas und in anderen Bistümern ordnete er die Feier von Trauergottesdiensten an.
Insbesondere im Erdbebengebiet selbst finden Gottesdienste derweil vor allem unter freiem Himmel statt, da zahlreiche Kirchen beschädigt oder sogar einsturzgefährdet sind. Nach offiziellen Angaben starben bei den verheerenden Erdbeben am 24. Juni rund 5.400 Menschen. Etwa 17.000 Personen wurden verletzt. Unabhängige Organisationen schätzen die Zahl der Vermissten auf bis zu 50.000 Menschen.
Venezuela wird derzeit von der sozialistischen Interimspräsidentin Delcy Rodriguez regiert. Sie rückte nach der Verhaftung von Machthaber Nicolás Maduro durch eine weltweit beachtete US-Militäraktion Anfang Januar zum Staatsoberhaupt auf.
Maduros Wiederwahl 2024 war von schweren Vorwürfen des Wahlbetruges geprägt; internationale unabhängige Wahlbeobachter sprachen von großen Unregelmäßigkeiten. Maduro wurde von zahlreichen Ländern aus Europa, Lateinamerika und den USA nicht als rechtmäßiger Präsident anerkannt. Anfang August wollen das sozialistische Regierungslager und die Opposition Gespräche über den Beginn eines demokratischen Transitionsprozesses führen.
Text: KNA | Bild: Tobias Käufer/KNA






