Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan MdB auf dem Katholikentag 2026 Bild: Damian Raiser/weltkirche.de

Ministerin: Deutsche haben verzerrtes Bild von Entwicklungszusammenarbeit

Wie viel Geld gibt die Bundesregierung für Entwicklungszusammenarbeit aus? Nicht annähernd so viel, wie die Deutschen glauben, sagt die zuständige Ministerin. Sie warnt vor gezielten Desinformationskampagnen.

Die Deutschen haben laut Bundesministerin Reem Alabali Radovan ein „absolut verzerrtes Bild“ von Entwicklungszusammenarbeit. In einer Umfrage hätten die Bürgerinnen und Bürger kürzlich schätzen sollen, wie viel Geld aus dem Bundeshaushalt anteilig in dieses Politikfeld fließe, sagte die Sozialdemokratin der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag). Statt der zumeist geschätzten 10 bis 15 Prozent seien es aber nur knapp zwei Prozent. Alabali Radovan muss zudem befürchten, dass ihrem Ministerium zum fünften Mal in Folge die Haushaltsmittel gekürzt werden.

Die Ministerin sagte, es gelte angesichts dieser Stimmung stärker zu vermitteln, was deutsche Entwicklungshilfe tatsächlich bewirke. Der Bundesnachrichtendienst habe ihr Haus außerdem vor gezielten Desinformationskampagnen gewarnt. Mit den Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit „investieren wir in unsere Sicherheit und unseren Frieden, in unseren Wohlstand und neue Märkte“, betonte die Ministerin. „Damit genießen wir international ein hohes Ansehen.“

Als Erfolge deutscher Entwicklungshilfe nannte Alabali Radovan die Grundimmunisierung von weltweit einer Milliarde Kindern im Zuge der Impfallianz Gavi. Mit dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Malaria, Tuberkulose und Aids seien 70 Millionen Menschenleben gerettet worden. In der Ukraine hätten dank deutschen Engagements sieben Millionen Menschen trotz Krieg Energie und Wärme. „Bei der Schulernährung erreichen wir mit unseren Partnern bereits 500 Millionen Kinder und legen jetzt noch mal drauf.“

Zugleich räumte die Ministerin ein, dass in anderen Bereichen die Entwicklungszusammenarbeit zurückgefahren werden müsse. Dies sei etwa bei den aus Myanmar nach Bangladesch geflohenen und vertriebenen Rohingya der Fall. Dabei handle es sich immerhin um „eine der größten Flüchtlingskrisen der Welt“. Beim Thema Hilfe für Geflüchtete konzentriere sich Deutschland dafür jetzt auf seine Nachbarregionen, etwa den Nahen Osten oder Nordafrika.

Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de

Mehr aus der Weltkirche


Weitere Weltkirche-Meldungen: