Blick über das Hochhausmeer von Hongkong am 6. September 2015. Bild: Stefanie Ball/KNA

Zehn Jahre Haft für Hongkongs prominenten Demokratieaktivisten Wong

Joshua Wong erlangte 2014 als Führungspersönlichkeit der prodemokratischen „Regenschirmbewegung“ internationale Bekanntheit. Nun wurde der Hongkonger Aktivist zu einer neuen Gefängnisstrafe verurteilt.

Der Hongkonger Demokratieaktivist Joshua Wong ist am Donnerstag zu 10 Jahren Haft verurteilt worden. Grundlage dafür war den Informationen zufolge ein von China erlassenes Gesetz zur nationalen Sicherheit. Die Verurteilung des als „Gesicht der Hongkonger Demokratiebewegung“ international bekannt gewordenen Wong (29) kritisierten Menschenrechtler anschließend scharf. Human Rights Watch nannte das Urteil grausam und ungerecht. Auch beruhe es auf haltlosen Vorwürfen.

Weiter sagte Elaine Pearson, Asien-Direktorin der Organisation: „Junge Menschen, die sich für gesellschaftlichen Wandel einsetzen, sind ein Gewinn für jede lebendige Gesellschaft. Doch die Regierung in Hongkong steckt sie hinter Gitter.“

Frances Hui, eine im US-amerikanischen Exil lebende Hongkonger Demokratieaktivistin, betonte auf der Plattform X: „Es ist ein eklatanter Missbrauch der „Justiz“, einen Mann wegen eines vermeintlichen Verbrechens zu inhaftieren, nur um ihn dann – während er bereits hinter Gittern sitzt – erneut festzunehmen, damit er auf keinen Fall wieder freikommt.“ Hongkong hoffe in Zeiten der Nachrichtenflut, dass „die Welt einfach wegschaut“. Das werde man nicht zulassen.

Weitere Aktivisten per Haftbefehl gesucht

Wong, der seit November 2020 inhaftiert ist, hätte im Januar 2027 eigentlich freikommen sollen. 2024 war er zusammen mit 45 anderen Angeklagten wegen Verschwörung zur Untergrabung der Staatsgewalt zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten verurteilt worden.

Am 6. Juni 2025 nahm ihn die Polizei im Gefängnis erneut fest – mit dem Vorwurf der Verschwörung. Laut Anklage versuchte Wong gemeinsam mit Nathan Law und anderen Personen im Jahr 2020, ausländische Staaten zu Sanktionen und weiteren feindseligen Aktivitäten gegen die Regierung von Hongkong sowie die chinesische Regierung zu bewegen.

Im Juni 2020 erließ China das nationale Sicherheitsgesetz. Das Gesetz gibt der Polizei weitreichende Befugnisse und führte zu Hunderten Verhaftungen und zur Auflösung prodemokratischer Parteien und Organisationen.

2016 gründeten Wong und Nathan Law die pro-demokratische Partei Demosisto, die das Ziel der „demokratischen Selbstbestimmung“ Hongkongs verfolgte. Am Tag des Erlasses des nationalen Sicherheitsgesetzes verkündete Demosisto ihre Auflösung. Nathan Law wie auch Frances Hui werden per Haftbefehl gesucht.

Text: KNA | Bild: Stefanie Ball/KNA

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