Während der Olivenernte im israelisch besetzten Westjordanland eskaliert die Siedlergewalt. Kirchenführer verurteilen die Angriffe wie auch die Untätigkeit der Justiz.
Die Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem haben die jüngsten Angriffe extremistischer jüdischer Siedler verurteilt. In einer gemeinsamen Erklärung am Dienstag prangern sie Übergriffe gegen europäische Diplomaten sowie Bewohner des mehrheitlich christlichen Dorfes Taibeh im besetzten Westjordanland an. Es handle sich hierbei nicht um ein isoliertes Ereignis, sondern um systematische Störungen der landwirtschaftlichen Arbeiten während der Olivenernte. Auch die religiöse Rechtfertigung der Gewalt durch einen Rabbiner wiesen sie zurück.
Die Kirchenvertreter betonen die Bedeutung des landwirtschaftlichen Ertrags für die Existenzsicherung der betreffenden Familien und fordern Israels Behörden zum Durchgreifen auf. „Wir nehmen das Eingreifen der israelischen Polizei und die Festnahmen nach diesem Angriff zur Kenntnis und hoffen, dass diese Aktion ernsthaft und konsequent fortgesetzt wird, ohne eine isolierte Maßnahme zu bleiben“, heißt es in der Stellungnahme.
Kritik übten die Kirchen zudem an einem religiösen Gutachten des Siedlerrabbiners Dov Lior, der Juden erlaubte, Palästinensern die Olivenernte zu rauben. Lior begründete sein Urteil damit, dass das Land dem jüdischen Volk gehöre. Mit der Beschlagnahmung der Ernte würden der jüdische Eigentumsanspruch öffentlich demonstriert und das religiöse Gebot zur Eroberung des Landes erfüllt.
Die Kirchenvertreter nannten diese Darlegung inakzeptabel sowie „äußerst besorgniserregend und gefährlich“. Die Vereinigung „Rabbiner für Menschenrechte“ erstattete Anzeige wegen Anstiftung zu Rassismus, Gewalt und Diebstahl.
Die Jerusalemer Kirchenspitzen begrüßten zwar verurteilende Worte des israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog, verwiesen jedoch darauf, dass die Taten weiterhin vielfach straflos blieben. Neben der Forderung nach rechtlicher Aufarbeitung appellierten sie an die internationale Gemeinschaft, den Schutz der Zivilbevölkerung und der Solidaritätsbesucher im Westjordanland zu gewährleisten.
„Wir bekräftigen unsere volle Unterstützung für die Gemeinschaft von Taibeh und ihre Kirchen; wir werden wie in der Vergangenheit weiterhin alles tun, um die christliche Präsenz an diesem Ort zu bewahren“, unterstreichen die Patriarchen und Kirchenoberhäupter.
Am Wochenende hatten maskierte extremistische Siedler im von Israel besetzten Westjordanland Berichten zufolge Palästinenser bei der Olivenernte angegriffen. Dabei wurde am Freitag im Dorf Abu Falah eine US-amerikanische Fotojournalistin der „Washington Post“ ungeachtet ihrer Presseweste attackiert und durch Tritte verletzt. Am Samstag griffen Siedler europäische Diplomaten an, die das Dorf Taibeh besuchten.
Text: KNA | Bild: Andrea Krogmann/KNA





