Die geplante Hinrichtung von Nidal Hasan soll live übertragen werden. US-Militärbischof Broglio fordert, die Entscheidung zu überprüfen und die Todesstrafe ganz abzuschaffen. Er warnt zudem vor möglichen Folgen für junge Zuschauer – und für das Exekutionskommando.
Der US-amerikanische Militärbischof hat zum Widerstand gegen die Übertragung der in den USA geplanten Hinrichtung des Attentäters Nidal Hasan aufgefordert. Katholische Soldaten forderte er auf, sich nicht am Exekutionskommando zu beteiligen.
„Ich rufe alle Männer und Frauen guten Willens dazu auf, eine Überprüfung dieser Entscheidung zu fordern und zumindest alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um junge und leicht zu beeinflussende Menschen vor dem Live-Stream der geplanten Hinrichtung zu schützen“ schrieb Erzbischof Timothy P. Broglio in einem online veröffentlichten Statement.
Der Erzbischof ergänzte, er verpflichte alle Katholiken, „die dem Exekutionskommando zugeteilt sind, darum zu bitten, von dieser Handlung, die der Lehre der Kirche widerspricht, befreit zu werden“. Broglio schließt sich mit seinem Statement einer Erklärung der texanischen Bischofskonferenz an, die die Todesstrafe ablehnt.
Kardinal Cupich: „performative Barbarei“
Broglio fragt in seinem Statement, ob man wirklich „den Terroristen dieser Welt nacheifern und die barbarische Tötung unserer Gegner öffentlich zur Schau stellen“ wolle. „Wurde der potenzielle moralische Schaden bedacht, den die Mitglieder des Exekutionskommandos erleiden könnten? Lässt sich der Schaden, der jungen und leicht zu beeinflussenden Menschen durch die Live-Übertragung im Jahr des 250. Jahrestags unserer Unabhängigkeit zugefügt wird, überhaupt wieder gutmachen?“ fragt der Erzbischof.
Das US-Militär genieße weltweit im Allgemeinen einen guten Ruf. Broglio kritisiert, nun wolle es sich mit Terroristen auf die gleiche Ebene begeben, „indem das Bild der Hinrichtung eines Mannes im Rollstuhl in die ganze Welt übertragen wird“.
Der Erzbischof von Chicago, Kardinal Blase J. Cupich, hat die geplante Übertragung der Hinrichtung durch ein Exekutionskommando als „performative Barbarei“ bezeichnet. In einem Online-Beitrag fragte er am Montag: „Wollen wir wirklich, dass unsere Kinder, die dies unweigerlich mitverfolgen werden, der Pornografie einer staatlich geförderten Tötung ausgesetzt werden?“
Nidal Hasan, Ex-Angehöriger des US-Militärs, hatte 2009 auf einem Stützpunkt in Texas 13 Menschen erschossen und Dutzende weitere verletzt. Hasan, der sich selbst als dschihadistischen Kämpfer bezeichnete, wurde 2013 zum Tode verurteilt. Die Erschießung des 56-Jährigen wäre die erste Hinrichtung durch das US-Militär seit 1961.
Text: KNA | Bild: Julia Steinbrecht/KNA






