Die Zerstörungen sind gewaltig und immer noch läuft die Suche nach Überlebenden und Vermissten. Stimmen aus Nepal, das mit den Folgen einer verheerenden Sturzflut kämpft.
In den Flutgebieten im Himalaya-Staat Nepal kämpfen die Menschen nach Angaben von Helfern weiter ums Überleben. Laut Caritas Nepal gibt es allerdings auch Lichtblicke in der nach wie vor extrem angespannten Situation.
„Insgesamt funktioniert die Koordination der Hilfen durch die staatlichen Behörden diesmal deutlich besser als bei vorausgegangenen Naturkatastrophen“, sagte Caritas-Nothilfekoordinator Raju Pradhan am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Kathmandu. Mut mache, dass noch immer Überlebende gefunden würden. Laut offizieller Statistik seien 11.500 Menschen gerettet worden. „Allerdings läuft die Zeit gegen die Suchkräfte“, fügte Pradhan hinzu.
Als weiterhin schockierend beschreibt das Bündnis Aktion Deutschland Hilft am Dienstag die Situation im besonders betroffenen Distrikt Rasuwa. Der Flusslauf des Bhotekoshi gleiche einer Kraterlandschaft. Die umgebenden Hänge mit ihren Häusern und Feldern seien weggerissen worden, berichten Helfer vor Ort.
„Die Menschen, die aus dem Tal auf den Berg flüchten konnten, sind dort bei Familien untergekommen. Nun müssen sie aber auch versorgt werden“, sagt Surendra Gautam, Regionalbüroleiter Südasien bei AWO International. „Sie brauchen dringend Reis, Linsen und Speiseöl.“
Bislang 1.000 Todesopfer erfasst
Am Mittwoch hatte eine gewaltige Sturzflut im Langtang-Massiv nahe der Grenze zu Tibet ganze Landstriche verwüstet. Die Zahl der offiziell erfassten Todesopfer beläuft sich aktuellen Medienberichten zufolge auf inzwischen über 1.000; rund 4.600 Menschen werden vermisst. Weiter suchen Helfer in den oft schwer zugänglichen Gebieten nach Überlebenden. So sollen in Wasserkraftwerken mehr als 900 Beschäftigte eingeschlossen sein.
Durch die großflächigen Zerstörungen herrscht in vielen Gebieten Mangel an sauberem Trinkwasser. Experten befürchten, dass sich Cholera und andere Durchfallerkrankungen verbreiten. UN Women sorgt sich vor allem um jene rund 43.000 Frauen und Mädchen, die dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.
„Wir wissen, dass Frauen und Mädchen im Distrikt Rasuwa bereits zuvor lange Wege zurücklegen und täglich Stunden damit verbringen mussten, Wasser für ihre Familien zu beschaffen“, sagte UN-Women-Vertreterin Christine Arab. „Schon vor den Überschwemmungen war es in Nepal eher so, dass Frauen in ihren Familien am wenigsten und als Letzte aßen – mit schwerwiegenden Folgen für ihre eigene Gesundheit, insbesondere für Schwangere und stillende Mütter.“
Laut Angaben des deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam war höchstwahrscheinlich das Abbrechen eines großen, an einer Steilwand hängenden Gletschers und des darunterliegenden Felsens an der Nordflanke des Langtang-Massivs zwischen Nepal und Tibet Auslöser der Sturzflut. Die Gesteins- und Eismassen seien am Steilhang hinuntergerutscht und hätten dabei große Hitze erzeugt, was zu einem fast augenblicklichen Schmelzen riesiger Eismassen geführt habe. Nepal stellte unterdessen ein dringendes Gesuch an den globalen „Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste“, um finanzielle Unterstützung nach Flutkatastrophe zu erhalten. Vorläufige Schätzungen deuteten darauf hin, „dass die Auswirkungen weitreichend sind und die unmittelbaren Reaktionskapazitäten Nepals übersteigen“, zitierte die „Kathmandu Post“ aus einem gemeinsamen Schreiben von Finanzminister Swarnim Wagle und der Ministerin für Wald und Landwirtschaft, Geeta Chaudhary.
Text: KNA | Bild: Caritas international






