Spanische Flagge am "Palazzo di Spagna", Sitz der Botschaft von Spanien beim Heiligen Stuhl und des Malteserordens, am 7. Dezember 2023 in Rom (Italien). Bild: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

Verbaler Schlagabtausch zwischen Kirche und Regierung in Spanien

Die katholische Kirche äußert sich kritisch zu den zahlreichen Korruptionsfällen im Umfeld der spanischen Regierung. Doch die zeigt keine Reue, sondern geht sogleich zum Gegenangriff über.

Zwischen der sozialistischen Regierung und der katholischen Bischofskonferenz in Spanien ist ein offener Streit ausgebrochen. Anlass sind kritische Worte des Bischofskonferenz-Vorsitzenden Luis Argüello. Der äußerte sich am Donnerstagabend bei einem öffentlichen Auftritt zu den jüngsten Korruptionsfällen in den Reihen der Regierung.

„Wenn ein Staat die Ethik vergisst, wird er zu einer Diebesbande“, sagte der Erzbischof von Valladolid zu den anhaltenden Skandalen rund um Ministerpräsident Pedro Sánchez.

Mehrere Regierungsmitglieder reagierten empört und gingen zum verbalen Gegenangriff über. Nur wenige Stunden später antwortete Justizminister Félix Bolaños mit einer schriftlichen Erklärung. Er sei angesichts der drastischen Wortwahl des Erzbischofs überrascht, so der Minister. Diese Äußerungen seien „unfair“ und „zutiefst kontraproduktiv“.

„Was würden Sie denken, wenn ein Regierungsmitglied die gesamte Kirche als eine Bande von Sexualstraftätern bezeichnen würde?“, konterte Bolaños. Er forderte Argüello auf, dafür zu sorgen, dass die gegenseitigen Beziehungen von „Mäßigung, Respekt und Gerechtigkeit“ geprägt seien.

Regierungschef Pedro Sánchez steht derweil unter erheblichem innenpolitischen Druck. Einer seiner ehemaligen Minister wurde kürzlich wegen Korruption zu 24 Jahren Haft verurteilt. Ein weiterer ehemaliger hoher Parteifunktionär der Sozialisten sitzt in Untersuchungshaft. Zudem laufen Prozesse gegen Sánchez‘ Ehefrau und gegen seinen Bruder – alle wegen ähnlicher Vergehen.

Text: KNA | Bild: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

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