"Weg ins Ungewisse" - Vorstellung des Misereor-Hungertuchs 2027-2028. Bild: Dieter Härtl/Misereor

Weg ins Ungewisse: Misereor-Hungertuch 2027/28 vorgestellt

Seit 1976 ist es während der Fastenzeit nicht mehr aus Kirchen und Gemeindehäusern wegzudenken: Das Misereor-Hungertuch. Nun wurde das Motiv für die kommenden Jahre vorgestellt. Es stammt von einem Künstler und Menschenrechtsaktivisten aus London, der in Frankreich lebt. Im Mittelpunkt steht die Emmaus-Erzählung.

Das katholische Hilfswerk Misereor hat in Aachen das Hungertuch für die Jahre 2027 und 2028 vorgestellt. Es trägt den Titel „Weg ins Ungewisse“ und wurde von dem aus London stammenden und in Frankreich lebenden Künstler Bruce Clarke geschaffen. Die im zweijährigen Rhythmus erscheinenden Hungertücher knüpfen an eine jahrhundertealte christliche Tradition an und kommen als zentrales Element der weltkirchlichen Bildungs- und Pastoralarbeit zum Einsatz, insbesondere während der Fastenzeit.

Hoffnungszeichen in schwierigen Zeiten

Clarkes Werk kreist inhaltlich um eine sehr aktuelle Frage: Was hält Menschen zusammen, wenn vermeintliche Sicherheiten brüchig werden, bewaffnete Konflikte die Welt erschüttern, autoritäre Kräfte immer stärker werden und die Polarisierung von Gesellschaften zunimmt? Das klingt zunächst desillusioniert.

Das neue Hungertuch sendet aber auch Hoffnungszeichen aus. „Seine Kernbotschaft lautet: Zukunft entsteht dort, wo Menschen sich einander zuwenden, Verbindung wagen und sich gegenseitig tragen“, erklärt Hannah Braucks, Bildungsreferentin bei Misereor. „Das Bild setzt damit einen klaren Akzent auf Beziehung, Verantwortung und die Hoffnung, dass gemeinsames Weitergehen auch unter schwierigen Bedingungen möglich ist.“

Inspiriert von der Emmaus-Erzählung

Clarke, der nicht nur als Künstler, sondern auch als Menschenrechtsaktivist bekannt wurde, hat sich in der inhaltlichen Gestaltung von der biblischen Emmaus-Erzählung inspirieren lassen. Das Hungertuch nimmt Erfahrungen von Unsicherheit, gesellschaftlicher Fragmentierung und Orientierungssuche auf und setzt ihnen eine klare Perspektive entgegen: Menschen können Brücken bauen, aufeinander zugehen und im Miteinander Halt finden.

„Weg ins Ungewisse“: Misereor-Hungertuch 2027-2028 von Bruce Clarke, inspiriert von der Emmaus-Erzählung. Bild: Dieter Härtl/Misereor

In der Emmaus-Geschichte gehen zwei Jünger nach dem Tod Jesu enttäuscht nach Emmaus und begegnen unterwegs dem auferstandenen Jesus – erkennen ihn aber zunächst nicht. Erst als Jesus mit ihnen das Brot bricht, erkennen sie ihn und kehren voller Freude nach Jerusalem zurück, um den anderen Jüngern von seiner Auferstehung zu berichten.

Vielfältiger Einsatz seit 1976

Internationale Aufmerksamkeit erhielt Clarke insbesondere durch seine Arbeiten zum Völkermord in Ruanda. Mit seinen Porträts und öffentlichen Kunstprojekten erinnert er an die Opfer und setzt Zeichen gegen das Vergessen. Dabei verbindet er künstlerische Ausdrucksformen mit sozialem und politischem Engagement.

Das Hungertuch von Misereor hängt seit dem Jahr 1976 vornehmlich während der Fastenzeit in vielen Kirchen. Es wird in den Gemeinden in Gottesdiensten eingesetzt, zunehmend auch in Schulen, und bei Wanderausstellungen gezeigt. Im Vorfeld der Fastenaktion tragen Gruppen von Wallfahrenden das Hungertuch durch verschiedene Regionen Deutschlands.

Text: Misereor/Bearbeitung weltkirche.de | Bild: Dieter Härtl/Misereor


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