Seit Ende April grassiert Ebola im Kongo. Helfer tun alles, um eine Ausbreitung der Epidemie in dem Land im Zentrum Afrikas einzugrenzen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen widrige Umstände.
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich Ebola nach Angaben der Welthungerhilfe immer weiter aus. In der Provinz Ituri seien bereits 20 von 36 Bezirken betroffen, in Nord-Kivu 10 von 34 Bezirken, sagte die zuständige Landesdirektorin der Welthungerhilfe, Ursula Langkamp, am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Der Unterstützungsbedarf ist extrem hoch und wächst täglich.“
Das Ebola-Virus ist ein selten auftretender und äußerst aggressiver Erreger. Die Symptome ähneln einer Malaria- oder Grippe-Infektion. Zumeist haben die Betroffenen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, leiden an Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Die Sterblichkeit liegt je nach Virus-Variante bei 25 bis 90 Prozent.
Mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft würden Materialien für die Versorgung von Erkrankten im Kongo bereitgestellt, aber alle paar Tage kämen neue Ebola-Bezirke hinzu, so Landesdirektorin Langkamp. „Das macht die Eindämmung der Epidemie sehr schwierig.“ Neben einem schwachen Gesundheitssystem erschweren laut Welthungerhilfe die seit Jahrzehnten andauernden bewaffneten Konflikte in der Region den Kampf gegen Ebola.
Probleme bei der Kontaktverfolgung
Als unzureichend bezeichnete Langkamp beispielsweise das Monitoring jener Personen, die mit Erkrankten in Kontakt standen. In den vergangenen Tagen lag diese Rate der Landesdirektorin zufolge zwischen 30 und 70 Prozent. Nötig seien aber mehr als 90 Prozent.
Ein weiteres Problem: Teststationen, um Verdachtsfälle zu identifizieren. Diese würden zwar an öffentlichen Einrichtungen, Märkten oder entlang der Verbindungsstraßen zunehmend eingerichtet. „Es gibt aber nicht genug, da die Epidemie sich schnell ausbreitet.“
Die Demokratische Republik Kongo ist nach Algerien der zweitgrößte Flächenstaat in Afrika. Das Land im Zentrum Afrikas, das von 1971 bis 1997 Zaire hieß, hat gemeinsame Grenzen mit der Republik Kongo (Kongo-Brazzaville), der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia und Angola.
Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin hatte am Montag mitgeteilt, dass die Ostafrikanische Gemeinschaft EAC und ihre nationalen Partner in wichtigen Grenzregionen mehrere mobile und stationäre Labore eingerichtet hätten, um das Infektionsgeschehen zu überwachen und Verdachtsfälle rasch vor Ort zu testen.
Misereor: Es braucht Frieden
Der Einsatz von Ärzten, Pflegepersonal und Helfern findet vor dem Hintergrund von bewaffneten Auseinandersetzungen statt: Im Osten des Kongo kämpfen mehrere Gruppen seit Jahren um Macht und Rohstoffe. Laut Angaben von Misereor erschweren zudem Angst und Verunsicherung sowie Falschnachrichten Aufklärungsmaßnahmen und Behandlungen erheblich.
„Letztlich braucht es mehr als medizinische Hilfe“, sagte Misereor-Regionalreferentin Astrid Meyer der KNA. „Es braucht Frieden. Der Konflikt wirkt wie Gift für den Aufbau eines stabilen und verlässlichen Gesundheitssystems. Solange Menschen auf der Flucht sind, Personal in Krankenhäusern nicht sicher arbeiten kann und staatliche Strukturen geschwächt bleiben, wird auch die Eindämmung von Epidemien immer wieder an ihre Grenzen stoßen.“
Mit Blick auf den laufenden G7-Gipfel im französischen Évian mahnte Meyer, die sieben führenden westlichen Industrienationen sollten den Ebola-Ausbruch als Mahnung zum Handeln verstehen. Gerade in Krisenzeiten dürfen sich die wohlhabenden Staaten nicht zurückziehen. Verlässliche und langfristige Investitionen in Gesundheitssysteme und Prävention seien unabdingbar. „Denn die Kosten des Nichthandelns tragen am Ende alle.“
Medmissio-Toolbox zum Thema Ebola

Text: KNA | Bild: weltkirche.de (Daten Hintergrundkarte: OpenStreetMap-Mitwirkende)






