Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan MdB auf dem Katholikentag 2026 Bild: Damian Raiser/weltkirche.de

Ministerin Alabi-Radovan: Derzeit keine Mehrheiten für mehr Entwicklungszusammenarbeit

Krisen nehmen zu, Gelder werden knapper: Bundesentwicklungsministerin Alabali-Radovan verteidigt auf dem Katholikentag in Würzburg die Entwicklungszusammenarbeit gegen Widerstände, lobt die Rolle der Kirchen – und bittet um Unterstützung.

Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD) hat die Bedeutung zivilgesellschaftlicher und kirchlicher Akteure in der Entwicklungspolitik hervorgehoben. Beim Katholikentag in Würzburg sagte sie am Samstag, Engagement in diesem Bereich sei derzeit mit großem Rechtfertigungsdruck verbunden. Zugleich betonte sie: „Jeder Einzelne, der sich engagiert, kann vor Ort so viel bewegen.“

Wichtig sei ein abgestimmtes Vorgehen unterschiedlicher Akteure. In Deutschland werde die Rolle von Kirche und Religion in vielen Ländern unterschätzt, sagte Alabali-Radovan. Als Beispiel nannte sie den Libanon, wo Kirchen auch in Krisen- und Kriegssituationen vor Ort blieben. „Nur so haben wir Zugänge, um die Menschen in diesen dunklen Stunden überhaupt zu erreichen“, sagte die Ministerin. Für dieses weltweite Engagement sei sie dankbar.

Die Ministerin warb um Unterstützung für ihre Arbeit: „Sie merken den Gegenwind“, sagte sie mit Blick auf die politische Debatte. Für höhere Entwicklungshilfen gebe es derzeit keine Mehrheiten. Sie rief die Zuhörer dazu auf, sich bei Bundestagsabgeordneten für ein dauerhaftes Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen. Die Vorstellung über die Höhe der Ausgaben im Ausland sei in der Bevölkerung deutlich größer als die tatsächlichen Summen.

Deutschland sei zwar weiterhin größter Geber in der Entwicklungszusammenarbeit, sagte die Ministerin. Das liege jedoch nicht daran, dass Deutschland mehr Mittel bereitstelle, sondern daran, dass sich andere Staaten zurückgezogen hätten. „Gleichzeitig nehmen die Krisen und Konflikte zu“, warnte die Ministerin.

Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge, Direktorin des German Institut of Development and Sustainability; Entwicklungsministerin Reem-Alabali-Radovan MDB, Misereor-Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas Frick und Moderatorin Daniela Ordowski. Bild: DR/weltkirche.de
Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge, Direktorin des German Institut of Development and Sustainability; Entwicklungsministerin Reem-Alabali-Radovan MDB, Misereor-Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas Frick und Moderatorin Daniela Ordowski. Bild: DR/weltkirche.de

Die Direktorin des German Institute of Development and Sustainability, Anna-Katharina Hornidge, warnte vor weiteren Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit. Weltweit habe es seit dem Zweiten Weltkrieg nie so drastische Einschnitte gegeben, sagte sie. In der gegenwärtigen Krisenlage dürfe nicht weiter gekürzt werden. Stattdessen müsse zivile Konfliktprävention ausgebaut werden. „Es darf nicht sein, dass wir uns aus diesen friedenssichernden Projekten weiter zurückziehen.“

Hornidge kritisierte Kürzungen im Bildungsbereich, beim entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „Weltwärts“ und anderen Programmen. „Die Investition in die jungen Botschafterinnen und Botschafter in diesem Bereich halte ich für essenziell“, sagte die Wissenschaftlerin. Mit Blick auf die Zukunft müsse dringend weiter in die Jugend investiert werden.

Text: KNA | Bild: Damian Raiser/weltkirche.de

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