Das Hilfswerk Caritas international ist alarmiert: Lebensmittel und Hygieneartikel sowie Matratzen, Kissen, Decken zur Unterbringung der Vertriebenen in Sammelunterkünften seien kaum noch verfügbar.
Trotz der Verlängerung der Waffenruhe im Libanon um drei Wochen sieht Caritas international eine katastrophale humanitäre Lage, insbesondere im Süden des Landes. „Über diese eigentlich gute Nachricht dürfen wir die Lage der Menschen im Libanon nicht aus den Augen verlieren. Mehr als eine Million Menschen sind vertrieben worden“, erklärte der Leiter des katholischen Hilfswerks, Oliver Müller, am Dienstag in Freiburg.
Die Versorgung der Menschen sei mittlerweile an einem kritischen Punkt angelangt. Hilfsgüter wie Lebensmittel und Hygieneartikel, aber auch Matratzen, Kissen und Decken, die für die Unterbringung der Vertriebenen in Sammelunterkünften benötigt werden, seien kaum noch verfügbar. Die Nachbeschaffung sei wegen fehlender Gelder nur schleppend möglich.
Vor allem die immobilen, alten und kranken Menschen, die immer noch in ihren Dörfern in der Kampfzone ausharren, benötigten aber kontinuierlich Hilfe. Man sei daher froh über die Arbeit von Partnerorganisation, die sich um diese Menschen kümmerten und darüber hinaus versuchten, ihre Hilfeleistungen auszubauen.
Über eine Million Menschen auf der Flucht
So versucht beispielsweise Caritas Libanon, mit zehn Gesundheitszentren und elf mobilen Einheiten die medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten; sie beschafft Medikamente und impft. „Die humanitären Bedarfe sind gewaltig, und sie wachsen weiter“, prognostiziert Müller. Die internationale Gemeinschaft müsse mehr finanzielle Mittel für die Hilfen im Libanon zur Verfügung stellen, fordert der Chef von Caritas international.
Zudem kritisiert Müller, dass der Zugang zu den Menschen im Südlibanon von den Kriegsparteien nicht gewährleistet werde. „Die erste Waffenruhe war sehr brüchig und wurde immer wieder von beiden Seiten gebrochen. Das gefährdet nicht nur die Bevölkerung und die Helfer, sondern verhindert auch die Hilfeleistung.“ Das müsse aufhören.
Im Süden des Libanon führt Israel einen Krieg gegen die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz. Diese greift vom Libanon aus immer wieder Ziele in Israel an. Entsprechend der Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates sollte die Hisbollah-Miliz längst nicht mehr bewaffnet sein, wehrt sich aber bis heute gegen die Waffenabgabe. Durch die militärischen Handlungen im Süden des Landes wurden nach Angaben des Büros des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte seit dem 2. März über 1.000 Menschen getötet. Zudem wird von rund 3.000 Verletzten und über einer Million Vertriebenen berichtet.
Caritas international
Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, leistet weltweit Not- und Katastrophenhilfe – unabhängig von Religion, Hautfarbe, Nationalität und Weltanschauung.
Text: KNA | Bild: Andrea Krogmann/KNA






