Misereor und das Bündnis erlassjahr.de haben den aktuellen Schuldenreport vorgelegt. Darin machen sie auf die wirtschaftliche Lage ärmerer Staaten aufmerksam – und dringen auf notwendige Änderungen im globalen Wirtschaftssystem.
In Asien, Afrika und Lateinamerika ächzen viele Staaten unter hohen Schulden. In diesem und den kommenden zwei Jahren müssten 44 „sehr hoch belastete Länder“ 15 Prozent oder mehr ihrer Staatseinnahmen an ausländische Gläubiger abführen, teilten Misereor und das Bündnis erlassjahr.de am Dienstag anlässlich der Vorstellung ihres Schuldenreports in Berlin mit. Weitere 25 Länder seien hoch belastet; in 15 Staaten bestehe ein „latentes Belastungsrisiko“.
Die Zahlungsverpflichtungen verringerten den Handlungsspielraum der betroffenen Staaten etwa mit Blick auf Armutsbekämpfung, Bildung und das Gesundheitssystem, hieß es. Zu den besonders von dieser Entwicklung betroffenen Ländern zählten beispielsweise die beiden afrikanischen Staaten Angola und Senegal, so erlassjahr.de-Referentin Malina Stutz. In Angola flössen 60 Prozent der Staatseinnahmen an ausländische Gläubiger. In Deutschland liege diese Quote bei rund zwei Prozent.
Im Schuldenreport des vergangenen Jahres wurden 47 Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika als hoch belastet eingestuft und damit drei mehr als in der aktuellen Erhebung. Trotzdem sehen die Experten keine Trendwende. Im Gegenteil kämen zu der hohen Auslandsverschuldung vieler Länder nun noch die verheerenden Folgen des Kriegs am Golf hinzu, so Misereor-Experte Benjamin Rosenthal.
Schuldenlast verschlimmert Situation im Libanon
Beispielhaft verwies der Misereor-Vertreter auf den Libanon. „Die Menschen dort kämpfen bereits seit Jahren mit den Auswirkungen einer schweren Finanzkrise, die ihnen ihre Ersparnisse genommen hat“, so Rosenthal. „Durch den Krieg in der Region stehen sie nun buchstäblich vor dem Nichts.“
Misereor und erlassjahr.de forderten eine „radikale Neugestaltung der internationalen Schulden- und Finanzarchitektur“. Dafür brauche es verbindliche Mechanismen zur Schuldenstreichung sowie deutlich ausgeweitete und verbindliche öffentliche Entwicklungsinvestitionen. Hinzu komme eine grundlegende Neuausrichtung des primär auf private Finanzierungsquellen ausgerichteten Entwicklungsmodells.
Der Schuldenreport wird jedes Jahr vom deutschen Entschuldungsbündnis erlassjahr.de und Misereor herausgegeben. Er untersucht die Belastung durch Auslandsschulden von Staaten weltweit sowie die Rolle Deutschlands in der internationalen Entschuldungspolitik und gibt Empfehlungen für den Umgang mit der globalen Schuldenkrise.
Schuldenreport 2026 herunterladen
Der Schuldenreport 2026 von Misereor und dem Bündnis erlassjahr.de kann bestellt oder im PDF-Format heruntergeladen werden. Die Links und weitere Informationen finden Sie hier:
Text: KNA | Bild: Misereor/erlassjahr.de






