Im kolumbianischen Cartagena sprechen noch bis Samstag Vertreter von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, Landbesitzer, Kleinbauern, Indigene und Hirten über Agrarreformen und ländliche Entwicklung. Das Hilfswerk Misereor hofft auf klare Signale – und erwartet Konsequenzen auch für Deutschland
Anlass ist die Zweite Internationale Konferenz über Agrarreform und ländliche Entwicklung (ICARRD+20), die dort vom 24. bis 28. Februar stattfindet. Zwanzig Jahre nach der letzten Konferenz rückt sie das Thema Landpolitik wieder auf die internationale Agenda. Auch die Bundesregierung beteiligt sich.
Misereor verweist dabei auf strukturelle Ursachen von Landkonflikten „Landraub, Hunger, Vertreibung und zunehmende Konflikte um Land sind das Resultat jahrzehntelanger ungerechter Strukturen“, sagt Misereor-Landwirtschaftsexpertin Johanna Entrup. An der Frage des Umgangs mit Grund und Boden entscheide sich die Zukunft der Menschheit. Partnerorganisationen aus Afrika, Lateinamerika und Asien berichteten von massivem Landverlust durch Bergbau, Urbanisierung oder Bodendegradation. Die Klimakrise verschärfe diese Entwicklungen zusätzlich.
Die afrikapolitische Referentin Selina Wiredu erklärte, sie erwarte von der Konferenz, dass auch die Verantwortung internationaler Akteure klar benannt wird. Sie verweist auf Kohlenstoffprojekte im Norden Tansanias, an denen nach Misereor-Informationen auch deutsche Unternehmen beteiligt sind, darunter der Volkswagen-Konzern beziehungsweise seine Tochter Volkswagen ClimatePartner. Nach Einschätzung der Maasai International Solidarity Alliance (MISA), in der Misereor mitwirkt, stehen diese Projekte in der Kritik, Landrechte der Maasai zu beeinträchtigen.
Misereor fordert, wirtschaftliche Kooperationen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit verbindlich mit menschenrechtlichen Schutzmechanismen zu verknüpfen. Die Bundesregierung solle sich dafür einsetzen, dass die Ergebnisse der Konferenz in konkrete und überprüfbare Folgeprozesse münden.
In Cartagena befinden sich zahlreiche kirchliche Akteure vor Ort und begleiten die Gespräche. Nach Angaben der kolumbianischen Bischofskonferenz wurde eine Delegation entsandt, der auch Vertreterinnen und Vertreter des lateinamerikanischen Bischofsrats CELAM, des Symposiums der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar SECAM, der Föderation Asiatischer Bischofskonferenzen FABC, der Caritas, des Vatikan sowie des CIDSE-Netzwerks angehören.
Text: dr/weltkirche.de mit Information von Misereor, FAO, CEC | Bild: Pastoral Social/Caritas Colombiana







