Die israelische Siedlung Kedar im besetzten Westjordanland am 1. Februar 2023 nahe der palästinensischen Stadt Al-Eizarija (Palästinensische Gebiete). Bild: Andrea Krogmann/KNA

Berichte über eskalierende Siedlergewalt im Westjordanland

Die Lage für Palästinenser im besetzten Westjordanland bleibt angespannt. Allein am Donnerstag sollen Berichten zufolge drei Orte von israelischen Siedlern angegriffen worden sein.

Ein Toter, 14 Verletzte und 5 neue israelische Siedlungsaußenposten in den besetzten palästinensischen Gebieten: Das ist laut örtlichen Berichten das Ergebnis der jüngsten Welle von Gewalt radikaler jüdischer Siedler gegen Palästinenser. Demnach verübten Siedler am Donnerstag an drei verschiedenen Orten Angriffe.

Am Morgen wurden bei einem Angriff von rund 40 Siedlern auf ein palästinensisches Dorf im Norden des besetzten Westjordanlandes mindestens vier Anwohner verletzt. Am Nachmittag wurde ein palästinensischer Bewohner Ostjerusalems in den Kopf geschossen; drei weitere Palästinenser wurden verletzt, so die israelische Zeitung „Haaretz“ am Freitag unter Berufung auf Armeeangaben. Einen dritten Angriff mit sieben Verletzten meldete demnach der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond in der Nähe des palästinensischen Dorfes Ramin, ebenfalls im Norden des Westjordanlandes.

Gleichzeitig seien fünf neue, auch nach israelischem Recht illegale Siedlungsaußenposten errichtet worden, hieß es weiter. Vier der neuen Außenposten entstanden in sogenannten A-Gebieten, die gemäß den Osloer Abkommen unter voller palästinensischer Kontrolle stehen.

Dies sei „in jeder Hinsicht beispiellos und zeigt, in welchem Ausmaß der Staat Israel nicht nur die Kontrolle über die Siedler im Westjordanland, sondern auch über Armee, Polizei und andere Behörden verloren hat“, zitiert die Zeitung die israelische Organisation Kerem Navot, die die fortschreitende Enteignung palästinensischen Landes dokumentiert.

Am Samstag war ein 18-jähriger jüdischer Siedler aus der Siedlung Elon Moreh bei der Kollision mit einem palästinensischen Fahrzeug getötet worden. Der Fall wurde zunächst als Verkehrsunfall behandelt, bevor israelische Polizei und Armee eine Untersuchung wegen eines mutmaßlichen Anschlags einleiteten. In Sozialen Medien waren daraufhin Racheaufrufe verbreitet worden.

Die palästinensische Außenministerin Varsen Shahin warnte am Donnerstag vor Medienvertretern vor einem eskalierenden Siedlerterrorismus. Die Lage im besetzten Westjordanland werde von Stunde zu Stunde schlimmer. Seit Jahresbeginn verzeichnete die zuständige Beobachterstelle rund 1.000 Angriffe. Dabei seien zehn Palästinenser getötet worden. Mehr als 1.500 Palästinenser habe man seit Jahresbeginn gewaltsam vertrieben.

Text: KNA | Symbolbild: Andrea Krogmann/KNA (israelische Siedlung Kedar im besetzten Westjordanland nahe Al-Eizarija)

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