Auf 1,5 Grad sollte die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bis zum Ende des Jahrhunderts begrenzt werden. Das scheint aktuell unwahrscheinlich. Doch die UN betonen: Es kann noch erreicht werden.
Die Erde steuert bis zum Ende des Jahrhunderts auf eine Erwärmung von 2,8 Grad zu. Anschließend könne sich diese weiter beschleunigen, heißt es in einem am Mittwoch in Nairobi veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen. Dieses Szenario trete ein, wenn die aktuelle Politik fortgesetzt werde. Wenn alle Länder ihre Klimaschutzbeiträge erfüllten, könnte die Erderwärmung auf 2,6 Grad begrenzt werden.
Das auf der 21. UN-Klimakonferenz in Paris beschlossene sogenannte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, wird laut dem Emissions-Gap-Report 2026 des Umweltprogramms der Vereinten Nationen immer unwahrscheinlicher. Realistisch könnte hingegen sein, die Erwärmung auf 1,7 bis 1,8 Grad einzudämmen. Dazu sei allerdings notwendig, die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2025 bis 2030 um 18 Prozent, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent zu senken. Die bislang festgelegten nationalen Beiträge würden die Emissionen hingegen bis 2035 nur um 11 bis 15 Prozent senken.
Gemeinsame Kraftanstrengung nötig
„Eine Überschreitung bedeutet keine Kapitulation. Wir können sie immer noch so gering und so kurz wie möglich halten“, erklärte UN-Generalsekretär António Guterres. Die Temperaturen könnten bis zum Ende des Jahrhunderts wieder unter das gesteckte Ziel gebracht werden.
„Jeder Bruchteil eines Grads und jedes weitere Jahr der Erwärmung über 1,5 Grad hinaus verstärkt die Auswirkungen des Klimawandels und die damit verbundenen Risiken“, sagte die Exekutivdirektorin des Umweltprogramms, Inger Andersen. Um die Gefahr von Überschwemmungen, Hitzewellen oder Waldbränden zu reduzieren, sei eine gemeinsame Kraftanstrengung zur Erreichung des Klimaziels von Paris notwendig. „Das ist möglich.“
Dem Bericht zufolge gibt es heute mehr Möglichkeiten denn je, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu beschleunigen. Der Ausbau erneuerbarer Energien habe seit der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens 2015 einen Boom erlebt. Zugleich sei die Stromerzeugung aus Kohle und Öl langsamer gestiegen als prognostiziert.
Papst ruft Wissenschaftler zu Zusammenarbeit beim Klimaschutz auf
Zuletzt waren auch aus der Kirche die Stimmen für mehr Klimawandel wieder lauter geworden. Bei einem Treffen von Wissenschaftlern hatte Papst Leo XIV. Ende September Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur interdisziplinären Zusammenarbeit für den Klimaschutz aufgerufen. „Die Herausforderungen des Klimawandels überschreiten alle Grenzen zwischen Disziplinen, Institutionen und Nationen, daher muss auch unsere Reaktion diese Grenzen überwinden“, sagte der Papst.
Naturkatastrophen träfen die Armen am härtesten, ebenso Gemeinschaften mit geringen Ressourcen zur Anpassung, sowie Menschen, deren Lebensgrundlage direkt von Land, Wäldern und Ozeanen abhänge. „Daraus folgt, dass die Klimafrage nicht bloß eine ökologische Herausforderung ist, sondern im Grunde eine Frage der Gerechtigkeit, der Menschenwürde und der Solidarität zwischen Völkern und Generationen“, so Leo XIV.
Text: KNA | Bild: marcel/stock.adobe.com


