Eine Woche nach der gescheiterten Vollstreckung eines Todesurteils mit zwei Giftspritzen in den USA ist die verurteilte Frau laut Angaben ihrer Anwälte aus dem Koma erwacht. Ihre Genesung ist medizinisch beispiellos.
Text: Tobias Käufer/KNA | Bild: weltkirche.de
Am Abend meldeten sich die Anwälte mit der neuesten Entwicklung zu Wort: „Entgegen aller Erwartungen ist Christa Pike bei Bewusstsein, kann sprechen und wird weiterhin intensiv medizinisch versorgt.“ Vor einer Woche war die erste Hinrichtung einer Frau im US-Bundesstaat Tennessee seit über 200 Jahren gescheitert. Trotz zweier Giftspritzen überlebte Pike und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Am Tag der Hinrichtung hatte es noch ein Gezerre zwischen einem Bundesgericht und dem Obersten Gerichtshof der USA gegeben, ob diese Hinrichtung überhaupt rechtmäßig sei.
Trotz der schweren Verletzungen, die sie an ihren Armen erlitten habe, sei Pike weiterhin mit Handschellen gefesselt und mit Fußfesseln an das Bett gekettet, erklärten ihr Anwälte laut Portal „Tennessean“ am Dienstagabend (Ortszeit). „Ihre Genesung ist medizinisch beispiellos. Ihre Prognose bleibt unklar, aber wir rechnen zumindest mit einer langen Genesungsphase.“
Christa Pike sei eine Überlebende und werde nun ihre Genesung Tag für Tag angehen. Sie gilt laut „New York Times“ als die erste Person, die die Verabreichung einer tödlichen Injektion überlebt habe. Zeugen hatten festgestellt, dass die heute 50-Jährige nach zwei Dosen Pentobarbital – dem bei Hinrichtungen verwendeten Mittel – noch geatmet habe. Pike wird weiterhin in einem Krankenhaus in Nashville intensivmedizinisch versorgt.
„Wir sind den Rettungskräften und dem medizinischen Team im Krankenhaus unglaublich dankbar, die Christa wie einen Menschen behandelt und sie hervorragend versorgt haben“, teilten die Anwälte mit. Ihr Dank gelte auch den Tausenden Menschen aus aller Welt, die Nachrichten mit Gebeten und Unterstützung für Christa geschickt hätten.
Die regierenden Republikaner wollen trotz der Vorfälle an der Vollstreckung von Todesstrafen grundsätzlich festhalten. Es gelte, nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike nun nach alternativen Methoden zur Vollstreckung von Todesstrafen zu suchen. US-Senatorin Marsha Blackburn, die als republikanische Kandidatin ins Rennen um den Gouverneursposten in Tennessee geht, sagte einem lokalen TV-Sender, die gescheiterte Hinrichtung „sollte kein Grund sein, die Vollstreckung der Todesstrafe auszusetzen“. Vielmehr müsse Tennessee die Art und Weise, wie Hinrichtungen durchgeführt werden, neu bewerten. Ob es nun die tödliche Injektion oder der elektrische Stuhl sei – es gelte, einen Weg zu finden, Todesstrafen erfolgreich umzusetzen.
In einer gemeinsamen Erklärung hatten die katholischen und protestantischen Bischöfe aus Tennessee den derzeit noch amtierenden Gouverneur Bill Lee aufgefordert, das Leben von Christa Pike zu schonen. Der Staat solle auf einen weiteren Versuch zur Vollstreckung ihres Todesurteils verzichten. Die Bischöfe erkannten einerseits das unermessliche Leid an, das Christa Pike mit dem Mord einer Familie angetan habe. Der Staat habe die Verpflichtung, Gewalttäter zur Rechenschaft zu ziehen. „Doch Rechenschaftspflicht muss nicht zwangsläufig einen weiteren Tod erfordern“, schrieben die Bischöfe.
Weil jeder Mensch ein Ebenbild Gottes sei, dürfe selbst schwerwiegendes Fehlverhalten die Würde eines Menschen nicht auslöschen und damit die Möglichkeit der späteren Reue ausschließen. Gouverneur Lee müsse „das Urteil gegen Frau Pike in eine Strafe umwandeln“, die die Öffentlichkeit schütze und gleichzeitig das Leben der Gefangenen bewahre. „Eine solche Maßnahme verhindert nicht die Gerechtigkeit“, schrieben die Tennessee-Bischöfe. Gerechtigkeit müsse nicht zu Rache werden. Und der Staat Tennessee könne sich für Zurückhaltung, Menschenwürde und Barmherzigkeit entscheiden.






