Um seine hohen Verluste auszugleichen, greift Russland im Krieg gegen die Ukraine auf ausländische Rekruten und Söldner zurück. Auch Peruaner werden mit falschen Versprechungen auf zivile Jobs geködert – und dann in den Kampf geschickt. Das Außenministerium warnt.
Im Angriffskrieg gegen die Ukraine kämpfen unter Russlands ausländischen Söldnern und Rekruten auch hunderte Peruaner. Darüber berichten Menschenrechtsgruppen wie die Coordinadora Nacional de Derechos Humanos, Amnesty International, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte sowie die peruanischen Behörden. Sie berufen sich dabei vor allem auf Angehörige der Rekruten, die in Peru leben.
Den Berichten zufolge werden Staatsbürger des südamerikanischen Landes mit falschen Jobangeboten nach Russland gelockt und dort zum Beitritt zu den Streitkräften gedrängt oder gezwungen. Perus Regierung beziffert die aktuelle Zahl auf mehr als 459 ihrer Staatsbürger, mindestens 11 davon seien gestorben, 114 vermisst und 3 von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen worden.
Köder zur Anwerbung sind meist gut bezahlte zivile Arbeitsplätze – vor allem im Sicherheitsbereich, in der Logistik, auf dem Bau oder als Köche. Nach der Ankunft in Russland sollen einige Neuankömmlinge dann mit Verträgen in russischer Sprache konfrontiert, unter Druck zur Unterschrift gebracht und anschließend für den Einsatz im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt worden sein. In anderen Fällen wurde offenbar die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem Militär zur Voraussetzung für die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis gemacht.
Nach Informationen von weltkirche.de hatte das peruanische Außenministerium bereits im Mai die Bevölkerung offiziell vor versteckten Anwerbeversuchen gewarnt und aufgerufen, entsprechende Offerten abzulehnen. „Ich weiß, das Angebot, mehrere tausend Dollar zu verdienen, ist verlockend, aber denken Sie an Ihre Sicherheit und den Seelenfrieden ihrer Familien“, warnte der damalige Außenminister Carlos Pareja. Im August, wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt, ließ Präsidentin Keiko Fujimori in der Sache den russischen Botschafter einbestellen.
Falsche Jobangebote, dann Einsatz an der Front
Mitte September schlug das Thema erneut große Wellen: In der Hauptstadt Lima konnte die Staatsanwaltschaft einen Mann in Untersuchungshaft nehmen, dem im Zusammenhang mit den russischen Anwerbeversuchen Menschenhandel vorgeworfen wird. Er soll möglichen Interessenten einen Job im zivilen Objektschutz, ein monatliches Gehalt in Höhe von 2.600 US-Dollar sowie einen kostenlosen Migrationsprozess versprochen haben. Nach der Einreise nach Russland stellten sich die Angebot als falsch heraus.
Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft kam durch die Anzeige einer jungen Frau ins Rollen. Deren Bruder war unter falschen Versprechen nach Russland gelockt, dort aber gemustert und zur Unterzeichnung eines Vertrages in russischer Sprache gedrängt worden. Zunächst von jeglicher Kommunikation abgeschirmt, konnte er seiner Schwester offenbar erst eine Nachricht zukommen lassen, als er sich bereits auf dem Weg zur Front befand. Darin soll er den Namen des nun Inhaftierten erwähnt haben.
Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte forderte die russischen Behörden auf, unverzüglich, umfassend und nachprüfbar über den Verbleib, den Gesundheitszustand und die rechtliche Situation der betroffenen Personen zu berichten. Ebenso müsse ihre Unversehrtheit, die Kommunikation mit ihren Familien und der Zugang zu konsularischer Unterstützung gewährleistet sein, um eine sichere Rückkehr zu ermöglichen.
Die Fälle aus Peru stehen dabei nicht isoliert. Amnesty International hatte zuletzt von Rekrutierungsversuchen Russlands in mehreren Ländern des globalen Südens berichtet. Im Visier der Rekrutierer sollen vor allem einkommensschwache Männer aus Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas stehen.
Text: dr/weltkirche.de mit Information von KNA, Amnesty, Andina und Staatsanwaltschaft Lima | Bild: dr/weltkirche.de







