Ein Schild verweist auf die "Islas Malvinas", die Falkland-Inseln, am 18. März 2026 in Ushuaia (Argentinien). Bild: Tobias Käufer/KNA

Milei und die Malvinas: Argentiniens Verhältnis zu England bekommt unerwartete Dynamik

In gut einem Jahr wird in Argentinien gewählt. Vor dem Hintergrund sinkender Umfragewerte entdeckt Präsident Milei ein neues Thema – und instrumentalisiert ein altes Trauma.

Text und Bild: Tobias Käufer/KNA

Der Moment, in dem auch der Rest der Welt bemerkte, wie wichtig den Argentiniern die hierzulande eher als Falkland-Inseln bekannten Islas Malvinas sind, war der Abend des 15. Juli in Atlanta. Mit zwei Toren in der Schlussphase drehte die argentinische Fußballnationalmannschaft das WM-Halbfinale gegen England zu einem 2:1-Sieg. Die beiden Treffer in der Schlussphase haben in dem südamerikanischen Land längst Kultstatus, ähnlich wie die Fans, denen es gelang, ein politisches Banner in die Hände der Spieler auf dem Platz zu schmuggeln.

„Die Islas Malvinas sind argentinisch“, war darauf zu lesen. Zwar verlor Argentinien das anschließende Finale gegen Spanien und verpasste damit den vierten Stern auf dem argentinischen Trikot, pfiffige Verkäufer aber haben längst ein Trikot auf den Markt gebracht, das statt des Sterns die umstrittene Inselgruppe zeigt.

Das mediale Echo ist auch Argentiniens Präsident Javier Milei nicht entgangen. Seit der WM bespielt nun auch der libertäre Staatschef das Thema, das ihm früher eher fremd war. Im Netz sind noch Aussagen Mileis zu finden, mit denen er den Briten durchaus das Recht auf die Falkland-Inseln zusprach. Diese Haltung ist in Argentinien allerdings nicht einmal ansatzweise mehrheitsfähig. Und so korrigierte Milei seine Meinung. Seit dem verlorenen Falkland-Krieg 1982 ist es das erste Mal, dass Argentinien das Thema wieder offensiver angeht.

„Heute müssen wir Argentinier alle gemeinsam die uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um unsere Souveränität zu verteidigen“, ließ Milei nun wissen. Gegen Firmen, die sich an einer Erdölexploration rund um die Falkland-Inseln beteiligen, soll es Sanktionen geben. Auch die Fischerei könnte mit Strafmaßnahmen belegt werden. Die Opposition ruft Milei auf, sich der Sache nicht zu verweigern. Ein taktischer Schachzug, denn bislang war das Falkland-Thema vor allem eines der peronistischen Opposition, die stets von „Dekolonialisierung“ und „anti-imperialistischem“ Kampf sprach.

Wohin tendieren die USA?

Unterstützung erhält Milei von internationalen Verbündeten. US-Präsident Donald Trump dachte jüngst öffentlich darüber nach, seine bisherige politische Unterstützung für die britische Position zu überdenken. Trump bezichtigt London, ihn in seinem Kriegszug gegen den Iran im Stich gelassen zu haben, und dreht den Spieß um. Auch aus Israel kommt Rückhalt für Argentiniens Ansprüche gegen die Briten – vor allem, seit Großbritannien gegen israelische Produkte aus besetzten Gebieten im Westjordanland vorgeht.

Hohe Symbolkraft hat eine Reise von Argentiniens Außenminister Pablo Quirno und Verteidigungsminister Carlos Presti nach Feuerland. Sie wollen das Gelände besichtigen, auf dem ein integrierter Marinestützpunkt errichtet werden soll. Argentinien und die USA könnten hier im Zuge des neuen Militärbündnisses „Atlantischer Schild“ zusammenarbeiten.

Ex-Präsident Alberto Fernandez beruhigte allerdings die aufgeregten britischen Medien. Argentinien sei praktisch unbewaffnet. Tatsächlich verfügt die libertäre Regierung über einen der kleinsten Verteidigungsetats auf dem Kontinent.

Vor Wochen ahnte das Magazin „El Economista“ bereits, es gebe Indizien, dass Washington – oder zumindest Kreise im Umfeld der republikanischen Regierung – beginnen könnte, die bisherige Unterstützung für das Vereinigte Königreich im Streit um die Falkland-Inseln zu überdenken. Marc Zell, Vorsitzender der Übersee-Republikaner in Israel, hatte im April mit seiner Aufforderung, die USA sollten in der Falkland-Frage die Seiten wechseln, ein Millionenpublikum in Argentinien erreicht.

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