Vor der Beerdigung von Ratko Mladić wächst die Kritik an seiner Verehrung: Die EU warnt Serbien vor einer Verherrlichung des verurteilten Kriegsverbrechers. Metropolit Metodije sieht ihn gar als „heiligen Ritter“.
Kurz vor der Beerdigung von Ratko Mladić in Belgrad wirft die große Verehrung des verurteilten Kriegsverbrechers Fragen auf. Am Freitag berichtete das Nachrichtenportal „klix.ba“ aus Bosnien und Herzegowina, vor der Beerdigung am Montag werde der Leichnam des als „Schlächter des Balkan“ bekannten Kriegsverbrechers für dreieinhalb Stunden in einer orthodoxen Kirche in der serbischen Hauptstadt Belgrad aufgebahrt.
Bereits für Samstag sei eine Gedenkfeier im Haus der Armee geplant. Nach der Aufbahrung gebe es eine Trauerfeier mit anschließendem Trauerzug zum Friedhof.
Zahlreiche serbische Politiker hätten ihre Teilnahme an der Beerdigung des verstorbenen 85-Jährigen in Belgrad angekündigt. Dabei habe Serbien aufgrund der Ehrung und Verherrlichung des verurteilten Kriegsverbrechers bereits strenge Warnungen von höchster europäischer Ebene erhalten: Die EU-Kommissarin für Erweiterung, Marta Kos, betonte, dass Ratko Mladić ein verurteilter Kriegsverbrecher gewesen sei, der eine lebenslange Haftstrafe verbüßte, und dass solche Schritte die europäische Integration des Landes untergraben würden.
Kritik aus der EU
„Die Verherrlichung von Ratko Mladić als Kriegsverbrecher widerspricht grundlegenden europäischen Werten und hat weder in der Europäischen Union noch in Ländern, die eine Mitgliedschaft anstreben, etwas zu suchen. Ich hoffe, dass sich die Regierung in Belgrad bewusst ist, was auf dem Spiel steht“, erklärte Kommissarin Kos. Auch habe der tschechische Europaabgeordnete Ondrej Kolar angekündigt, die EU-Kommissarin für Erweiterung zu bitten, die Aussetzung der EU-Beitrittsverhandlungen mit Serbien in Erwägung zu ziehen.
Das serbischsprachige Nachrichtenportal „analitika“ aus Montenegro berichtete am Samstag von der Verehrung Mladićs durch die serbisch-orthodoxe Kirche: Metodije, Metropolit der Eparchie Budimljanska-Nikšić, habe einen Gedenkgottesdienst für den verurteilten Kriegsverbrecher abgehalten und ihn als „einen der Großen des serbischen Volkes“ bezeichnet, „einen Mann, der alles gegeben und geopfert hat“.
Am Ende hätten Armee und Volk in Mladic „nicht nur einen großen Serben und einen Menschen erkannt, der des Respekts würdig ist, sondern sie haben in ihm all jene wunderbaren und heiligen Eigenschaften der heiligen serbischen Krieger und Ritter erkannt“, fügte Metodije hinzu. Der Metropolit ergänzte, Mladićs Seele möge „in die Reihen aller heiligen serbischen Ritter“ aufgenommen werden.“
Mladić wurde vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien für diverse schwere Kriegsverbrechen während des Bosnienkriegs schuldig befunden worden, darunter das Massaker von Srebrenica. Dort hatten serbische Nationalisten innerhalb weniger Tage mehr als 8.000 muslimische Bosniaken getötet. Die Tat, für die er 2017 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden war, gilt als grausamer Höhepunkt des Bosnien-Krieges (1992-1995) und eines der schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit 1945.
Text: KNA | Bild: Markus Schönherr/KNA







