Ölverschmutzung in der Nähe der zentralen Verarbeitungsanlage des Öl-Konsortiums SPOC (Sudd Petroleum Operating Company) in Thar Jath (Südsudan) am 28. Februar 2015. Bild: Hoffnungszeichen/Sign of Hope e.V./KNA

Dikasterium für Glaubenslehre lässt Theologen den Begriff „Umweltsünde“ klären

Im Deutschen gibt es das Wort „Umweltsünder“ schon länger. Es wird vor allem für automobile Dreckschleudern oder Wasserverschmutzer genutzt. Doch was ist eigentlich eine „Sünde gegen die Schöpfung und den Schöpfer“? Der Vatikan will es genau wissen – und setzt eine Gruppe von Theologen darauf an.

Text: Ludwig Ring-Eifel (KNA) | Archivbild: Hoffnungszeichen/Sign of Hope e.V./KNA

Der Vatikan befasst sich erstmals ausführlich mit der Frage, ob es im Umgang des Menschen mit der Natur eine „Sünde gegen die Schöpfung und gegen den Schöpfer“ gibt und was dies bedeutet. Die Internationale Theologenkommission des Vatikans veröffentlichte am Dienstag das Dokument „Sorge für das Gemeinsame Haus“, das sich dieser Frage und weiteren Themen im Bereich Ökologie widmet. Das Gremium berät das vatikanische Amt für Glaubenslehre; der Text wurde von dessen Leiter Kardinal Víctor Fernández genehmigt.

Neben biblischen und theologischen Grundlagen der christlichen Umweltethik enthält das Dokument ausführliche Überlegungen zum Begriff der „Sünde gegen die Schöpfung, den Schöpfer und die Mitgeschöpfe“. Die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus hatten zwar vereinzelt von „Sünden gegen die Natur“ gesprochen, doch fehlte bislang eine klare theologische Definition und Einordnung.

Die Theologenkommission erklärt dazu nun: „Die Übertretung des ursprünglichen Plans Gottes führt zum Bruch der drei wesentlichen Beziehungen, in denen der Mensch seine Existenz entfaltet: mit Gott, mit den anderen Menschen und mit der Schöpfung. Dies führt unweigerlich zu einer Verschlechterung auf der persönlichen, der sozialen und der gesamtheitlichen Ebene.“

Laut dem Theologenpapier erfordern auch Sünden gegen die Schöpfung eine „radikale Umkehr“. Neben technischen Anpassungen und Gesetzesänderungen sei „an der Wurzel ein Wechsel der kulturellen Werte“ erforderlich. Einzelne und Gesellschaften seien aufgefordert, „ihre Lebensweise aus ökologischer Sicht wirklich und wesentlich zu verändern“. Dies betreffe alle sozialen Gruppen und alle Länder.

Neben der Verantwortung des Einzelnen müsse auch die kollektive Verantwortung und die Konsequenzen der Entscheidungen großer wirtschaftlicher Akteure angegangen werden. Der Grund: Sie „gefährden das Überleben des Menschen und anderer Spezies auf dem Planeten“,

Absage an Ökozentrismus

Ausführlich zitiert das Papier die Amazonas-Synode von 2019. Sie formulierte damals: „Wir schlagen vor, ökologische Sünde zu definieren als eine Handlung bzw. Unterlassung, die sich gegen Gott, gegen die Mitmenschen, gegen die Gemeinschaft und gegen die Umwelt richtet. Sie ist eine Sünde gegen zukünftige Generationen. Sie wird erkennbar in Handlungen und Verhaltensweisen, die das harmonische Zusammenspiel der Umwelt vergiften und zerstören, die Prinzipien der wechselseitigen Abhängigkeit aller Geschöpfe verletzen, die Netze der Solidarität zwischen ihnen zerreißen und die Kardinaltugend der Gerechtigkeit missachten.“

Die Theologenkommission schlägt ferner vor, die ökologische Sünde ähnlich zu begreifen wie die „gesellschaftliche Sünde“ und die „Strukturen der Sünde“, die bereits Papst Johannes Paul II. (1978-2005) angeprangert hatte. Sie gehen über den individuellen Begriff der Sünde hinaus, wie ihn die klassische katholische Theologie über Jahrhunderte kannte.

Ferner betont die Kommission, es gehe um strikt theologische Fragen, fachfremde Begriffe wie „Ökozid“ sollten daher vermieden werden. Wörtlich heißt es in dem Papier, die Sünde gegen die Umwelt solle verstanden werden als „Sünde gegen die Schöpfung und den Schöpfer, insofern sie das verletzt, was der Schöpfergott wollte“. Weiter schreiben die Theologen: „Wir missachten dann nicht nur Gottes Plan und misshandeln die Schöpfung, sondern schaden auch unseren Nächsten, insbesondere den Ärmsten und den kommenden Generationen.“

Zugleich distanziert sich die Kommission von der Lehre des sogenannten Ökozentrismus, der die Spezies Mensch als bloßen Störfaktor in der Natur ansieht und seine Dezimierung im Sinne des Naturschutzes begrüßt. Diese Extremposition widerspreche der Lehre der Kirche.

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