Singapur als Beispiel für das friedliche Zusammenleben von Kulturen, Ethnien und Religionen und wachsender Druck in den chinesische Sonderverwaltungszonen: Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat in Südostasien Solidarität gezeigt – und erfahren, wie in südostasiatischen Millionenstädten der Glauben gelebt wird.
Der Augsburger Bischof Bertram Meier sieht die katholische Kirche in den chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau zunehmend unter staatlichem Druck. Nach einer einwöchigen Reise nach Singapur, Hongkong und Macau erklärte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die Handlungsspielräume der katholischen Minderheit in China würden durch eine vertiefte staatliche Regulierung zunehmend eingeengt.
In Singapur habe er dagegen eine Kirche erlebt, die „frei atmen“ könne, dies allerdings in einem überaus reglementierten Gesellschaftssystem, sagte Meier laut DBK-Informationen nach seiner Rückkehr am Dienstag. Der Stadtstaat steht exemplarisch für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, Ethnien und Religionen auf engstem Raum. Auf nur 730 Quadratkilometern – etwa der Fläche Hamburgs – leben dort rund sechs Millionen Menschen, von denen etwa 400.000 der katholischen Kirche angehören.

Bei Gesprächen mit dem Erzbischof von Singapur, Kardinal William Goh, stand insbesondere das Verhältnis der Religionsgemeinschaften zueinander im Mittelpunkt. Goh bezeichnete gegenseitigen Respekt als Grundlage des funktionierenden Miteinanders. Alle Religionen, so Kardinal Goh, lehrten ähnliche Werte wie Liebe, Gerechtigkeit und Harmonie, sodass jede von den anderen lernen könne. Der interreligiöse Dialog sei in Singapur weniger eine akademische Übung als gelebter Alltag. Zugleich verwies der Kardinal auf die herausragende Bedeutung eines säkularen Staates, der keine Religion bevorzugt.
Wachsende Kontrolle in Hongkong und Macau
Anders stellt sich die Lage nach Einschätzung Meiers in Hongkong und Macau dar. Die beiden früheren europäischen Kolonien verfügen innerhalb der Volksrepublik China zwar weiterhin über Sonderrechte, sehen sich jedoch seit Jahren einem wachsenden politischen und gesellschaftlichen Anpassungsdruck ausgesetzt. Dies wirkt sich zunehmend auch auf das kirchliche Leben aus.
Während seines Aufenthalts traf der Vorsitzende der DBK-Kommission Weltkirche unter anderem den Hongkonger Bischof Kardinal Stephen Chow sowie den Bischof von Macau, Stephen Lee Bun-Sang. Zudem tauschte er sich mit den ehemaligen Erzbischöfen von Hongkong, Kardinal John Tong und Kardinal Joseph Zen, aus. In den Gesprächen sei immer wieder auch die Situation der katholischen Kirche auf dem chinesischen Festland zur Sprache gekommen, berichtet Meier. Dort sind die Einschränkungen deutlich dramatischer. „Die Kirche hat hier unter erheblichen Einschränkungen zu leiden – bis hin zum Verbot der religiösen Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Auch die Möglichkeiten des internationalen Austausches und der Unterstützung der Kirche in Festlandchina sind in den letzten Jahren geringer geworden“, so der Weltkirche-Bischof.
Schwieriges Verhältnis zwischen Vatikan und Peking
Die Lage der Kirche in China wird zusätzlich durch innerkirchliche Spannungen geprägt. Diese tun sich vor allem zwischen den offiziell etablierten Strukturen der registrierten katholischen Kirche und den Untergrundgemeinden auf, die sich der Kooperation mit dem – die Autorität des Heiligen Stuhls ablehnenden – kommunistischen Staat entziehen. Der Heilige Stuhl hat 2018 auf die Konfliktsituation mit dem Abschluss eines vorläufigen und inzwischen mehrfach verlängerten Abkommens mit der chinesischen Regierung reagiert, um durch ein abgestimmtes Verfahren bei der Ernennung von Bischöfen die Einheit innerhalb der chinesischen Kirche und zugleich mit der Weltkirche herzustellen. Der Text des Abkommens allerdings ist bis heute nicht veröffentlicht.

Einen Einblick in das soziale Engagement der Kirche erhielt Bischof Meier bei einem Besuch der Caritas in Hongkong. Die Organisation ist nicht nur der karitative Arm der Diözese, sondern weit über die Kirche hinaus von Bedeutung. 1953 gegründet, hatte sie zunächst die Aufgabe, den Hunderttausenden von Geflüchteten zu helfen, die nach dem Zweiten Weltkrieg und während des chinesischen Bürgerkriegs nach Hongkong strömten. Inzwischen ist die Caritas mit ihren sozialen Diensten, Kindergärten und Schulen an mehr als 270 Standorten eine der größten nicht-staatlichen Organisationen der Stadt und erreicht mit ihren Angeboten rund drei Millionen Menschen – fast 40 Prozent der gesamten Bevölkerung Hongkongs.
Mensch im Mittelpunkt – auch in Millionenstädten
Zum Abschluss seiner Reise zog der Augsburger Bischof ein differenziertes Fazit. Er habe in Singapur, Hongkong und Macau sehr verschiedenartige Situationen erlebt, berichtet er. Aber auf jeder Station seines Besuches seien ihm die Fragen in den Sinn gekommen, wo der Mensch bleibe und wie viel Individualität ihm in diesen Millionenstädten, in denen viele unter sehr beengten Verhältnissen leben müssen, zugestanden werde. Gerade deshalb, so Meier, sei er froh, „viele katholische Gemeinschaften und Initiativen gesehen zu haben, in denen die Menschen nicht nur nach ihrer politischen Verlässlichkeit und ihrer gesellschaftlichen Effizienz beurteilt werden, sondern als das, was sie sind: persönlich geliebte Geschöpfe Gottes“.
weltkirche.de mit Material von DBK | Bild: Deutsche Bischofskonferenz / Ulrich Bobinger







