In Houston ist ein mexikanischer Familienvater von Agenten der Migrationsbehörde erschossen worden. Am Schauplatz versammelten sich am Tag danach Hunderte Menschen. Auch Mexikos Regierung hat sich eingeschaltet.
Text: Tobias Käufer/KNA | Symbolbild: Tyler Orsburn/CNS photo/KNA
Blumen liegen auf der Straße, Kerzen brennen neben einem Verkehrsschild. Nach den tödlichen Schüssen eines Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) auf den mexikanischen Bauarbeiter Lorenzo Salgado Araujo (52) haben sich in Houston mehr als 1.500 Menschen versammelt, um gegen das Vorgehen der Behörde zu protestieren. Auf ihren Schildern waren Botschaften wie „ICE raus aus Houston“ oder „Stopp mit der ICE-Gewalt“ zu lesen. Wegen des großen Andrangs wurde der Bereich weiträumig abgesperrt.
Die demokratische Kongressabgeordnete Sylvia Gracia sagte vor den Demonstranten, sie habe gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Parlaments einen Brief an das Heimatschutzministerium gerichtet und eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls gefordert. „Dieser Boden ist nun heiliger Boden“, sagte Gracia.
Der Vorfall löste auch in Mexiko ein großes mediales Echo aus. Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte an, ihre Regierung werde „weitreichende rechtliche Maßnahmen“ vorbereiten, die „über diplomatische Noten hinausgehen“. Ihr Land könne „die Misshandlung unserer Brüder und Schwestern in den Vereinigten Staaten nicht zulassen“.
Unter anderem werde Mexiko eine Beschwerde bei der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) einreichen, kündigte Sheinbaum an. Das Außenministerium werde weitere Maßnahmen vorbereiten. Die Präsidentin betonte, das einzige Vergehen des getöteten Familienvaters habe darin bestanden, keine Papiere besessen zu haben, obwohl er bei einem US-amerikanischen Unternehmen angestellt gewesen sei.
Die lokale Tageszeitung „Houston Chronicle“ kritisierte in einem Kommentar das Vorgehen der Behörde scharf; „ICE lügt. Und nun haben sie einen Einwohner von Houston getötet.“ In der Kolumne heißt es weiter. „Lorenzo Salgado Araujo war kein Krimineller. Er war auf dem Weg zur Arbeit, als Beamte der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ihn im hellen Licht der Morgendämmerung vor einem Friseursalon und einem Dollar-Laden erschossen.“
Ronaldo Salgado, der Sohn des erschossenen Migranten, wandte sich in akzentfreiem Englisch und in Spanisch an die Medien. Sein Vater sei ein Familienmensch gewesen, berichtete er mit brüchiger Stimme. Sein Leben habe daraus bestanden, Häuser in Südtexas zu bauen. Er habe seinen drei Söhnen ein Studium und seinen Arbeitern „den amerikanischen Traum ermöglichen wollen“, sagte Salgado. Er habe keine kriminelle Vergangenheit gehabt und kurz davorgestanden, alle notwendigen Papiere für einen endgültig legalen Aufenthalt zusammenzuhaben.
Lokale Medien berichteten, Salgado Araujo sei am Dienstag im Stadtteil Magnolia Park in Houston erschossen worden. Laut offiziellen Angaben der Behörde handelte der ICE-Beamte in Notwehr, weil sich der Einwanderer den Anweisungen widersetzt und versucht habe, einen Beamten mit seinem Transporter zu überfahren.
Die südtexanische Millionen-Metropole ist die viertgrößte Stadt in den USA. In den vergangenen 15 Jahren sind rund 880.000 Einwohner hispanischer Herkunft nach Houston gezogen. Mehr als drei Millionen der knapp acht Millionen Einwohner in der Metropolregion haben lateinamerikanische Wurzeln, mehr als zwei Drittel davon sind mexikanischer Herkunft.
In der mexikanischen Gemeinschaft von Houston haben die tödlichen Schüsse große Anteilnahme ausgelöst. Es wird erwartet, dass es am Wochenende zu weiteren Demonstrationen kommt.



