Nur sehr selten riefen die Päpste bislang das Kardinalskollegium zu Beratungen nach Rom. Leo XIV. tut das nun schon zum dritten Mal in seiner Amtszeit. Zwei Tage soll das Konsistorium dauern, die Themen sind weitreichend.
Mit einem Gottesdienst und einer Rede des Papstes hat an diesem Freitag im Vatikan die zweitägige Vollversammlung des Kardinalskollegiums der katholischen Kirche begonnen. Themen bei dem Konsistorium der Kardinäle sind Konflikte in der Gesellschaft und in der Kirche sowie Ansätze, diese konstruktiv zu überwinden.
Ausgangspunkt der Debatten sind zentrale Kapitel der jüngst publizierten Sozialenzyklika von Leo XIV. mit dem Titel „Magnifica humanitas“. In dem Lehrschreiben geht es um Künstliche Intelligenz und um die aktuelle Zuspitzung der Konflikte in der Welt. Die Kardinäle diskutieren überwiegend in Arbeitsgruppen, aber auch zwei freie Aussprachen sind vorgesehen. Das Treffen endet am Samstagabend.
Zu den Beratungen ist das gesamte globale Kardinalskollegium eingeladen, es besteht derzeit aus 241 Geistlichen. Knapp die Hälfte davon (117) sind unter 80 und wären damit papstwahlberechtigt. Zum letzten Konsistorium am 7. und 8. Januar kamen 170 Kardinäle aus allen Kontinenten. Die Beratungsergebnisse des Treffens binden den Papst nicht rechtlich, haben aber erheblichen Einfluss auf seine Entscheidungen.
Auf synodale Beratungsweise eingeschworen
Zu Beginn des Konsistoriums schwor Papst Leo XIV. die Kardinäle der katholischen Weltkirche auf konstruktive Beratungen ein. In der Eröffnungsrede sagte er am Freitagmorgen in der vatikanischen Audienzhalle, die gemeinsame Beratung schmälere nicht die Autorität des kirchlichen Amtes, sondern vertiefe sie.
Die versammelten Kardinäle aus dem Vatikan sowie aus allen Erdteilen rief er auf, sich an den Beratungen zu beteiligen. Er könne das Papstamt nicht alleine ausüben, sondern sei auf ihre Hilfe angewiesen. Dies gelte auch außerhalb der Kardinalsversammlungen.
Leo XIV. betonte, es sei nicht Sinn des Konsistoriums, über innere Probleme der Kirche zu debattieren. Es gehe vielmehr um die Menschheit und um die Welt, in der die Kirche ihren Dienst tue. „Mission ist nicht eine Aufgabe unter vielen, sie ist der Daseinszweck der Kirche“, so der Papst. Weiter mahnte der Papst die Kardinäle, sie seien nicht Vertreter von Partikularinteressen, sondern „Zeugen des Reiches Gottes“.
Eindringlich rief der Papst die Kardinäle auf: „Helft mir, zu hören, was in den Kirchen aufbricht, und die Zeichen der Hoffnung zu erkennen, die oft im Stillen wachsen.“ Weiter sagte er: „Ich brauche Eure Freiheit, Eure Offenheit und Eure Loyalität.“
Im Plenum nur kurze Interventionen
Indirekt ging Leo XIV. auch auf Kritik ein, die einzelne Kardinäle vorab an der „synodalen Methode“ geäußert hatten. Diese Methode wird seit einiger Zeit auch beim Konsistorium praktiziert. Sichtbares Zeichen sind die runden Tische, an denen die Kardinäle in 20 Arbeitsgruppen beraten. Aus ihnen wird dann später im Plenum berichtet.
Der Papst rief die Kardinäle auf, sich vertrauensvoll auf diese Methode des gemeinsamen Zuhörens und Beratens einzulassen. Er wisse, dass dies nicht die bisher übliche Methode einer Kardinalsversammlung sei. „Und doch ist auch dies Teil des Weges, auf dem der Herr uns führt“, so der Papst. Daneben gebe es Raum für Einzelreden sowie die Möglichkeit, schriftliche Eingaben an ihn zu formulieren.
Im Vorfeld hatten einige Medien berichtet, dass manche Kardinäle mehr Raum für Einzelreden im Plenum gefordert hätten. Das sogenannte synodale Beratungsverfahren an runden Tischen sorgt dafür, dass die Beratungen relativ harmonisch und ohne rhetorische Zuspitzungen ablaufen.
Möglichkeiten zur freien Rede vor dem Plenum sind bei diesem wie bereits beim letzten Konsistorium selten. Zudem ist nur eine begrenzte Zahl von Beiträgen mit einer Länge von maximal drei Minuten erlaubt. Ausführliche Informationen über Verlauf und Ergebnisse der Beratungen der Kardinäle mit dem Papst werden erst am Samstagabend erwartet.
Texte: KNA | Bild: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA






