„Juneteenth“ erinnert an die Befreiung der letzten Versklavten in den USA. Heute steht der Feiertag zugleich für einen erbitterten Streit darüber, wie das Land seine Geschichte erzählt.
Text: Christiane Laudage | Bild: Katharina Ebel/KNA
Juneteenth, auch bekannt als Black Independence Day, Emancipation Day, Freedom Day oder Jubilee Day, ist ein jährlicher Gedenktag in den USA, der am 19. Juni begangen wird; in diesem Jahr an einem Freitag, so dass die US-Amerikaner ein langes Wochenende vor sich haben.
Der Name ist eine Wortschöpfung aus „June“ (Juni) und „nineteenth“ (19.). Der 19. Juni 1865 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Vereinigten Staaten. An diesem Tag verkündete der Unionsgeneral Gordon Granger im texanischen Galveston die Freiheit der letzten versklavten Afroamerikaner im Süden der USA.
In Chicago wird an diesem symbolträchtigen Tag das Obama Presidential Center offiziell eröffnet, ein Campus, der als Präsidentenbibliothek, Museum und Begegnungszentrum dienen soll. Barack Obama war der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten.
Lange wurde der Tag vor allem in afroamerikanischen Gemeinden begangen. Mit Gottesdiensten, Familienfesten, Paraden und kulturellen Veranstaltungen erinnerten die Menschen an die Befreiung aus der Sklaverei und an den langen Kampf um gleiche Rechte.
2021 erhob die US-Regierung unter Präsident Joe Biden Juneteenth zum bundesweiten Feiertag – dem ersten neuen nationalen Feiertag seit Jahrzehnten. Er ist in allen Bundesstaaten der USA ein Gedenktag; in knapp 30 von ihnen sowie der Haupststadt Washington sogar ein gesetzlicher Feiertag.
Was US-Präsident Donald Trump von dem Feiertag hält, hat er 2025 deutlich gemacht. Er bestimmte, dass am Martin-Luther-King-Tag (18. Januar) sowie am Juneteenth der Besuch von Nationalparks nicht mehr kostenfrei ist. Dafür aber am Flag Day – dem Tag der US-Flagge. Fun Fact: Trumps Geburtstag fällt … auf den Tag der Flagge am 14. Juni.
Im Kulturkampf
„Es ist das Ziel meiner Regierung, historische Stätten des Bundes, darunter Parks und Museen, wieder zu feierlichen und inspirierenden öffentlichen Einrichtungen zu machen“, heißt es direkt im ersten Satz des Präsidentenerlasses „Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte“ vom März 2025.
Was genau Trump damit meinte, wird aus der begleitenden Pressemitteilung des Weißen Hauses deutlich: „In den vergangenen zehn Jahren haben die Amerikaner miterlebt, wie gezielt versucht wurde, die amerikanische Geschichte umzuschreiben und unserer Nation eine ideologische Sichtweise aufzuzwingen, die jeder faktischen Grundlage entbehrt und darauf abzielt, die Errungenschaften Amerikas herabzusetzen.“ Dazu gehört auch nach Meinung des US-Präsidenten, wie an die Geschichte der Sklaverei in den USA erinnert wird.
Juneteenth ist damit Teil der Kulturkämpfe im Land. Während Bürgerrechtsorganisationen und viele Historiker den Feiertag als wichtigen Teil der nationalen Erinnerungskultur betrachten, kritisieren Konservative häufig, dass die Beschäftigung mit Sklaverei und Rassismus die Geschichte der USA einseitig darstelle.
Einige politische Kommentatoren und eher rechtsgerichtete Institutionen argumentieren auch, dass der Unabhängigkeitstag am 4. Juli für alle Bürger das wichtigste Fest der amerikanischen Freiheit sein sollte, und betrachten den Juneteenth als spaltend.
In der afroamerikanischen Gemeinschaft wird die Anerkennung von Juneteenth als Bundesfeiertag mit einer Mischung aus tiefem Stolz und bitterem Beigeschmack aufgenommen. Einerseits gilt der Tag als längst überfällige Würdigung des Leids und der Resilienz der Vorfahren sowie als Erfolg für die Bewahrung der eigenen Geschichte, die über Generationen hinweg vor allem in Texas lebendig gehalten wurde.
Andererseits stößt die zunehmende Kommerzialisierung und politische Instrumentalisierung auf scharfe Kritik. Viele schwarze Amerikaner verurteilen ein rein oberflächliches Engagement von Unternehmen, die den Feiertag für Marketingzwecke nutzen, ohne aber bestehende Ungleichheiten im eigenen Betrieb anzugehen. Zudem sehen sie Juneteenth als bloße symbolische Geste anstelle tiefgreifender Reformen.







