Das Dach der Hauptkathedrale des berühmten ukrainischen Klosters brannte nach einem russischen Angriff lichterloh. Jetzt ziehen Experten eine erste Schadensbilanz. Die Restaurierung wird teuer.
Die Restaurierung des bei einem russischen Drohnenangriff zum Teil stark beschädigten Kyjiwer Höhlenklosters wird Fachleuten zufolge mindestens zwei Jahre dauern. Das sagte der Direktor des zuständigen Nationalreservats, Maxim Ostapenko, am Dienstag laut der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine. Das Dach der Hauptkathedrale wurde nach seinen Angaben bei dem Brand in der Nacht zum Sonntag zu über 80 Prozent zerstört.
Neben der Mariä-Entschlafens-Kathedrale hätten noch 18 weitere Objekte des berühmten Klosters Schäden erlitten. Am schwersten seien die Hauptkirche und ein Wehrturm getroffen worden, so Ostapenko. Den Gesamtschaden bezifferte er mit sicher mehr als 500 Millionen Hrywnja (umgerechnet rund 9,6 Millionen Euro).
In der Nacht zum Sonntag schlug nach Behördenangaben eine russische Drohne in dem Kloster ein. Das Dach der Kathedrale fing Feuer. Es konnte nach mehreren Stunden gelöscht werden. Den Einsatzkräften gelang es laut Ostapenko, das Eindringen des Feuers in das Innere der Kathedrale zu verhindern. Hauptsächlich die Kuppeln und das Dach müssten wiederhergestellt werden.
Das im Jahr 1051 gegründete Kyjiwer Höhlenkloster steht seit 1990 auf der Welterbe-Liste der Unesco. Es gilt als Wiege des ostslawischen orthodoxen Christentums und als Wahrzeichen der Stadt. Wegen der erheblichen Schäden dürfen es Pilger und Touristen seit Sonntag nicht mehr besuchen. Der Direktor des Nationalreservats stellte aber in Aussicht, dass in einigen Monaten wieder öffentliche Gottesdienste in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale möglich sein werden. Dafür müsse zunächst ein provisorisches Dach errichtet werden.
„Versuch einer kulturellen Auslöschung“
Der russische Luftangriff auf Kyjiw war international scharf verurteilt worden. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel sprach in einer Mitteilung von einem „sakrilegischen Raketenangriff der Russischen Föderation auf das historische Kyjiwer Höhlenkloster“. Es verurteilte die Attacke demnach ebenso wie jeden ähnlichen Angriff auf heilige und symbolträchtige Monumente des gemeinsamen religiösen und kulturellen Erbes des Christentums. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., drückte in einem Telefonat mit dem Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine, Metropolit Epiphanius, seine „Abscheu über den russischen Angriff“ aus und versicherte dem ukrainischen Volk „die uneingeschränkte Unterstützung der Mutterkirche“.
Auch der Hauptgeschäftsführer der deutschen Osteuropa-Solidaritätsaktion Renovabis, Prof. Dr. Thomas Schwartz, verurteilte die russischen Angriffe auf das kulturelle Erbe der Ukraine. „Mittlerweile wurden im Zuge dieses brutalen Angriffskrieges hunderte von Kirchen zerstört oder schwer beschädigt. Dass nun auch das weltberühmte Höhlenkloster angegriffen und schwer verwüstet wurde, markiert eine neue, erschreckende Stufe der Eskalation“, erklärte Schwartz am Montag. Es werde unmissverständlich klar, dass es der russischen Führung um mehr als imperialistischen Landgewinn gehe. „Was wir hier erleben, folgt einem weitaus perfideren Grundmuster: Es ist der gezielte Versuch, die Absicht, einer kulturellen und nationalen Auslöschung“, so der Renovabis-Chef.
Die deutsche Unesco-Kommission wies darauf hin, dass das Höhlenkloster durch das Völkerrecht besonders geschützt sei. Für das Kloster gelte die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von 1954, die auch von der Ukraine und Russland ratifiziert worden sei.
Text: KNA | Bild: Sergey Korovayny/KNA







