Rohstoffabbau, Nationalparks und großflächige Landnutzung setzen nomadische Pastoralisten in Afrika und anderen Erdteilen zunehmend unter Druck. Misereor warnt vor Vertreibungen und dem Verlust traditioneller Lebensgrundlagen.
Nomadisch lebende Hirtinnen und Hirten verlieren in verschiedenen Regionen Afrikas zunehmend den Zugang zu ihren traditionellen Weidegebieten. Darauf macht das katholische Hilfswerk Misereor anlässlich der internationalen Konferenz „The Global Gathering of Pastoralist Women“ aufmerksam, die in Kathmandu in Nepal stattfindet. Nach Angaben des Hilfswerks stehen hinter dieser Entwicklung unter anderem Rohstoffabbau, die Ausweisung von Nationalparks und andere Formen der Flächennutzung, die häufig auch mit Interessen wohlhabender Staaten und Gesellschaften verbunden sind. Darunter auch abgesperrte Naturflächen zur Kompensation von CO2-Emissionen im Globalen Norden.
Besonders betroffen sind nach Angaben von Misereor pastoralistische Gemeinschaften in Uganda, Kenia und Tansania. Diese Bevölkerungsgruppen leben von der mobilen Viehhaltung und sind darauf angewiesen, mit ihren Herden zwischen Weideflächen und Wasserstellen zu wechseln. Werden solche Wege unterbrochen oder Flächen abgesperrt, gerät ihre Lebensgrundlage in Gefahr.
Konflikte um Rohstoffe
In der ugandischen Region Karamoja wurden in den vergangenen Jahren bedeutende Vorkommen von Gold, Marmor, Kalkstein sowie strategisch wichtigen Rohstoffen wie Niob, Antimon und Coltan entdeckt. Diese Rohstoffe werden unter anderem für Spezialstähle, die Halbleiterindustrie, Infrarottechnik oder die Herstellung von Akkus genutzt.
Nach Angaben von Misereor haben die Bergbauvorhaben erhebliche Auswirkungen auf die dort lebenden Hirtenvölker. Eingezäunte Abbaugebiete versperrten traditionelle Wanderrouten. Zudem würden Wasser- und Bodenressourcen durch den Rohstoffabbau belastet. Dadurch gingen wichtige Weideflächen und Wasserquellen verloren.
Zugang zu Land wird eingeschränkt
Neben dem Bergbau sieht Misereor auch die Ausweisung von Nationalparks als Ursache wachsender Nutzungskonflikte. „Unsere Partnerorganisationen berichten, dass die Ausweisung von Nationalparks, die unter anderem für den Tourismus wichtig sind, ebenfalls den Zugang zu traditionellen Weidegebieten und Wasserquellen einschränkt oder ganz verhindert“, sagt Jutta Himmelsbach, Fachreferentin für Wasser- und Sanitärversorgung bei Misereor.
Hinzu kämen große Privatfarmen, die häufig internationalen Unternehmen oder Familien mit kolonialer Vergangenheit gehörten. Besonders kritisch sei die Situation in Tansania. „In Tansania werden nomadisch lebende Gruppen – vor allem die Massai – zwangsumgesiedelt und dabei teilweise mit Waffengewalt aus ihren angestammten Weidegebieten vertrieben“, erklärt Himmelsbach.
Frauenrechte im Fokus
Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die Konferenz in Kathmandu insbesondere mit den Rechten von Frauen in pastoralistischen Gemeinschaften. Ziel ist es, die Vertreibung von Hirtenvölkern und die Verletzung ihrer Menschenrechte stärker sichtbar zu machen sowie auf Land- und Ressourcenrechte aufmerksam zu machen.
Misereor sieht dabei auch eine Verantwortung der wohlhabenden Staaten. „Wie das Beispiel der Pastoralistinnen und Pastoralisten zeigt, müssen wir uns bewusst werden, wie unser Wohlstand und Lebensstil sich auf das Leben der Menschen an anderen Orten und auf die Natur auswirken – nicht nur in der Gegenwart, sondern auch mit Blick auf zukünftige Generationen“, betont Himmelsbach.
Text: weltkirche.de mit Material von Misereor. Bild: Paul Jeffrey/CNS photo/KNA







