Eine Fußball-WM ist nicht nur ein sportliches Ereignis. Sie soll auch zu Frieden und Versöhnung beitragen, fordern die katholischen Bischöfe in Deutschland. Der Sportbischof hat mahnende Worte für ein Gastgeberland.
Zum Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft betonen die katholischen Bischöfe in Deutschland die verbindende Kraft des Sports. Zugleich verwiesen sie am Donnerstag darauf, dass ein globales Sportereignis dieser Größe Verantwortung für Menschenwürde, Fairness und Gemeinwohl trage.
„Gerade in einer Zeit, die von Kriegen, gesellschaftlichen Spannungen und wachsender Polarisierung geprägt ist, kann der Sport Räume der Begegnung öffnen und Brücken über Grenzen, Sprachen und Kulturen hinweg bauen“, erklärte der Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stefan Oster, am Donnerstag in Bonn. „Dass diese Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wird, macht sichtbar, wie sehr der Fußball Menschen unterschiedlicher Herkunft, Prägung und Lebenswirklichkeit zusammenführen kann.“
Der Passauer Bischof erinnerte zugleich daran, dass große Sportereignisse nicht losgelöst von den gesellschaftlichen Realitäten stattfänden. „Fragen der sozialen Gerechtigkeit, der Migration, der Teilhabe, des Schutzes wirtschaftlich benachteiligter Menschen und des verantwortlichen Umgangs mit Ressourcen gehören zum Umfeld eines solchen Turniers.“ Gerade deshalb sollte eine Weltmeisterschaft nach den Worten des Bischofs nicht nur ein Fest des Fußballs sein, sondern auch ein Zeichen dafür, dass Fairness und Respekt über den Sport hinaus Bedeutung hätten.
Dabei dürfe der Fußball nicht auf wirtschaftliche Interessen reduziert werden, so Oster weiter. „Die glaubwürdige Kraft des Sports zeigt sich dort, wo der Mensch im Mittelpunkt steht: die Sportler, die Fans, die vielen Helferinnen und Helfer – vor allem auch jene, die am Rand stehen oder wenig Teilhabe erfahren.“
Der Bischof verwies zugleich auf den 250. Geburtstag der USA, der rund um die WM gefeiert wird. „Dies ist ein guter Anlass, an eine Grundüberzeugung der Gründungsväter zu erinnern: dass alle Menschen gleich erschaffen und mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind.“ Im Verlauf der amerikanischen Demokratiegeschichte seien die Freiheitsräume mit der Zeit weiter und inklusiver geworden. „Aktuell ist jedoch an vielen Stellen die gegenteilige Tendenz zu beobachten.“ Umso wichtiger sei es, dass die US-Bischöfe immer wieder betonten: „Es gilt, die Würde jedes Menschen zu schützen, gerade auch die Würde von Migranten und besonders vulnerablen Personen.“
Adveniat-Chef: Kein Spielball von Imperialisten
Zuvor hatte sich bereits der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Martin Maier SJ, zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft geäußert. Die Weltmeisterschaft dürfe nicht zum Spielball imperialistischer und spaltender Machthaber werden, die sich von den Funktionären mit Friedenspreisen umschmeicheln ließen, so Maier.
Zuvor hatten Adveniat-Partner vor Risiken im Zusammenhang mit dem Sportevent gewarnt. So wiesen die katholische Kirche in Mexiko sowie zahlreiche Menschenrechts- und Hilfsorganisationen darauf hin, dass sportliche Großereignisse einerseits Orte der Begegnung und des kulturellen Austauschs sind, aber andererseits auch Hot-Spots der Ausbeutung. Kriminelle Netzwerke zwingen demnach arme Frauen und Minderjährige mit Gewalt zur Prostitution oder setzen sie unter Drogen.
„Die Regierung verfügt über kein wirksames Programm, um Menschenhandel zu bekämpfen, Täter zu bestrafen und die Opfer zu schützen“, kritisiert beispielsweise die Direktorin des Menschenrechtszentrums „Fray Juan Garcés“ Marisol Flores. Besonders brisant sei, dass die drei Austragungsstädte Ziel- oder Durchgangsorte der Migrantinnen und Migranten aus Mittel- und Südamerika sowie der Karibik sind. „Frauen, Mädchen und unbegleitete Jugendliche auf der Flucht sind am stärksten gefährdet, von kriminellen Netzwerken angeworben und ausgebeutet zu werden“, warnt die Adveniat-Partnerin.
Doch ähnlich wie die mexikanischen Partner sieht auch Adveniat Chancen in dem Turnier. Wenn die Fußball-Begeisterung der Menschen in Lateinamerika und der Karibik ansteckend wirke, dann könne Lateinamerika zum Kontinent der Hoffnung werden, heißt es von dem Hilfswerk. Denn selbstverständlich erfülle es die Mexikanerinnen und Mexikaner mit Stolz, wenn am 11. Juni die Fußball-Weltmeisterschaft mit dem Spiel ihrer Mannschaft in ihrem Stadion starte.
„Und in ganz Lateinamerika und der Karibik werden sich die Menschen um die Fernseher und Leinwände versammeln, wenn Curaçao zum ersten Mal und Haiti zum zweiten Mal an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilnehmen, wenn Argentinien, Brasilien Kolumbien, Ecuador, Paraguay, Uruguay und Panama hoffentlich so weit im Turnierverlauf kommen, wie noch nie zuvor“, so Adveniat.
Text: KNA | Bild: dr/weltkirche.de







