Auf seiner Spanienreise richtet Leo XIV. einen Friedensappell an die Welt und ruft zu Respekt im Umgang mit politischen Gegnern auf. Kirchenintern steht das Thema sexueller Missbrauch im Mittelpunkt.
Papst Leo XIV. hat von Spanien aus einen Friedensappell an die Welt gerichtet und das Wiederaufrüstungsprogramm der EU kritisiert. Es sei besorgniserregend, dass sich auch in Europa „die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt“, sagte er am Montag vor dem spanischen Parlament in Madrid. Bei einem Treffen mit den Bischöfen des Landes geißelte er sexuelle Vergehen von Klerikern an Schutzbefohlenen als „Pest“. Später am Tag traf sich das Kirchenoberhaupt mit Missbrauchsopfern. Zuvor hatten Opferverbände vor der Botschaft des Vatikans einen stummen Protest abgehalten.
In seiner Rede vor den Abgeordneten äußerte sich der Papst besorgt über das globale politische Klima: „Die Welt befindet sich in einer tiefen geistigen und kulturellen Krise, die sich in Gewalt, Polarisierung und gegenseitigem Misstrauen äußert.“ Auch innerhalb einzelner Gesellschaften dürfe politische Vielfalt nicht in Abwertung des Gegners ausarten, mahnte Leo XIV. vor dem tief gespaltenen spanischen Parlament. Klare Meinungen und Kontroversen dürften nicht mit Verachtung und Demütigung einhergehen.
Nachdrücklich warb der Papst für Lebensschutz. „Kann eine Gemeinschaft, die das ungeborene Kind, den alten Menschen, den Kranken, den still Leidenden oder denjenigen, der ganz auf die Fürsorge anderer angewiesen ist, ausblendet, als wirklich gerecht bezeichnet werden?“, fragte er. Zum Thema Migration erklärte Leo XIV., kein Land könne diese Herausforderung allein bewältigen. Nötig sei eine „koordinierte, solidarische und wirksame Reaktion“. Es war das erste Mal, dass ein Papst vor dem Abgeordnetenhaus in Madrid sprach.
Aufruf zu entschlossenem Vorgehen gegen Missbrauch
Am Montagnachmittag traf Leo XIV. mit sechs Betroffenen sexuellen Missbrauchs zusammen. Bei der knapp einstündigen Begegnung in der vatikanischen Botschaft hätten sie von ihren „schmerzhaften Erfahrungen“ berichtet, teilte der Vatikan anschließend mit. Außerdem hätten sie Vorschläge gemacht, wie die Kirche wirksamer auf solche „tragischen Fälle“ reagieren könne.
Zuvor hatte Leo XIV. die Mitglieder der Spanischen Bischofskonferenz zu einem entschlossenen Vorgehen gegen Missbrauch aufgerufen. Die Kirche müsse „mit Zuhören, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und einem immer entschlosseneren Handeln in Sachen Prävention und einer Kultur der Fürsorge“ reagieren. Er betonte: „Allen verletzten Personen muss ehrlich Gehör geschenkt werden, sie müssen Annahme und Schutz erfahren und ihnen müssen echte Wege der Heilung ermöglicht werden.“
Erst im Januar hatten sich Vertreter von Kirche und Regierung in Spanien auf ein provisorisches Verfahren zur finanziellen Entschädigung von Missbrauchsopfern entschieden. Laut einer Umfrage der Zeitung „El País“ meinen 70 Prozent der Spanier, die Kirche decke immer noch Täter. Opferverbände äußerten sich im Vorfeld der Begegnung zwischen Leo XIV und Missbrauchsbetroffenen enttäuscht. Der Papst treffe sich lediglich mit einigen von der Kirche ausgewählten Opfern, hieß es.
Text: KNA | Bild: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA



