Sonnenuntergang bei einem ökumenischen Gebet mit Papst Franziskus am 4. Februar 2023 am "John-Garang-Mausoleum" in Juba (Südsudan). Bild: Paul Haring/CNS photo/KNA

Kodok: Ein Zufluchtsort im südsudanesischen Nachbarland

Krieg im Sudan: Millionen Vertriebene im Inland und Flüchtlinge in den Nachbarländern benötigen humanitäre Hilfe. Die Sommeraktion „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“ von Caritas international und Diakonie Katastrophenhilfe lenkt den Blick auf diese vergessene Krise.

Eine Gruppe freiwilliger Helfer rammt Holzpfosten in die staubtrockene Erde. Diese Pfähle werden bald schon das Dach der neuen Unterkunft tragen, die die Schwesternkongregation Daughters of Mary Immaculate für die Flüchtlinge in Kodok bauen lässt. Kodok ist eine Kleinstadt im Norden des Südsudans, unweit der Grenze zum Sudan. In den vergangenen drei Jahren sind bereits tausende Menschen dorthin geflohen, um ihr Leben zu retten. Sie kamen zumeist mit Schiffen, die auf dem Weißen Nil unterwegs sind. Der Fluss verbindet beide Länder miteinander. Kodok liegt an seinem Lauf und somit an der Fluchtroute in den Südsudan.
Im Sudan herrscht seit April 2023 Krieg. Regierungstruppen und Rebellen ringen unnachgiebig um die Macht. Zehntausende fielen diesen Kämpfen bereits zum Opfer, mehr als neun Millionen Sudanesinnen und Sudanesen sind innerhalb des Landes vertrieben. Erschreckend dabei ist: Mehr als die Hälfte davon sind Kinder. 4,5 Millionen Menschen sind in die Nachbarländer Ägypten, Tschad, Äthiopien und Südsudan geflohen.

Auch die beiden Frauen Nyamjwok Obac Akany und Bakitha Awad Deng zählen zu den Kriegsflüchtlingen. „Als ich nach Kodok kam, kannte ich niemanden. Ich war sehr besorgt, denn ich war im vierten Monat schwanger“, erzählt Nyamjwok Obac Akany. „Ich danke Gott, dass ich meine Tante Bakitha getroffen habe und sie mich aufgenommen hat.“ Bakitha Awad Deng ergänzt: „Als Nyamjwok mit ihrer kleinen Tochter an der Hand vor meiner Tür stand, hatte sie nichts. Aber ich wusste sofort, dass ich sie aufnehme.“ Fast ein Jahr später ist das zweite Mädchen von Nyamjwok längst geboren.

Kudik wächst

Zu siebt leben die beiden Frauen und ihre fünf Kinder zusammen, zunächst sehr beengt in einer alten Hütte, die Wind und Wetter kaum standhielt. Das hat sich geändert: Auch für Bakitha und Nyamjwok wurden Hölzer in den Boden getrieben und längst steht ihre solide Unterkunft. Die Frauen sind den Schwestern der Daughters of Mary Immaculate sehr dankbar. Denn diese kümmern sich um die Menschen in Kodok, in das immer noch Flüchtlinge aus dem Sudan kommen. So ist die kleine Stadt Kodok zum Brennglas des Krieges im Nachbarland Sudan geworden, von dem die Weltöffentlichkeit jedoch kaum Notiz nimmt.

Kodok wächst beständig. Mittlerweile leben fast 40.000 Menschen dort und täglich kommen hunderte Flüchtlinge über den Weißen Nil hier an. Auch sie müssen versorgt werden. Die Einheimischen helfen bereitwillig, bereiten Essen zu und teilen Schlafplätze, doch sie stoßen auch schnell an ihre Grenzen. Hier springen die Schwestern der Kongregation ein, die von Caritas international unterstützt werden. Sie bauen nicht nur neue, solide Hütten, sondern verteilen auch Lebensmittel und stellen medizinische Hilfe bereit.

Weitere Hilfe ist im Sudan dringend notwendig. Doch die internationale Gemeinschaft blickt gegenwärtig mit nur geringem Interesse auf das Land, in dem laut Vereinten Nationen 33,7 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. 21 Millionen Sudanesinnen und Sudanesen sind von Hunger bedroht und benötigen dringend Nahrungsmittelhilfe. In zwei Regionen grassiert bereits eine Hungersnot, in weiteren 20 droht diese.  


Mehr Infos zur Sommeraktion von Caritas international


Text: rf/Caritas international | Symbolbild: Paul Haring/CNS photo/KNA

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