Kardinal Bechara Boutros Rai, Maronitischer Patriarch von Antiochien und des ganzen Orients, am 25. Februar 2022 in Florenz (Italien). Bild: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

Patriarch Rai fordert diplomatische Lösung für Israel-Libanon-Konflikt

Wenn der Libanon mit Israel verhandelt, geschieht das zu seinem Schutz, sagt der libanesische Präsident Aoun. Unterstützung für diese Haltung erhält er vom führenden Christen im Land: Patriarch und Kardinal Rai.

Die Verhandlungen des Libanon mit Israel über eine Verlängerung der Waffenruhe sind nach Worten des maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Rai kein Zugeständnis, sondern eine Notwendigkeit. Er stärkte bei einem Besuch im Präsidentenpalast dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun den Rücken.

Dieser hatte laut Berichten am Donnerstag betont, dass Verhandlungen mit Israel „kein Zeichen von Schwäche“ seien, sondern ein Schritt zum Schutz der Rechte, der Souveränität und territorialen Integrität des Libanon. Rai erklärte die Diplomatie zum einzigen gangbaren Weg in dem Konflikt. „Wir haben genug von Zerstörung und Kriegen“; Verhandlungen basierten darauf, „die Würde und die Rechte aller Libanesen zu wahren“, so Rai.

Das Oberhaupt der größten christlichen Konfession im Libanon betonte, der Präsident spreche nicht als maronitischer Christ, sondern im Namen aller Libanesen. Der Staat sei die einzige Autorität für das libanesische Volk und die Waffen der libanesischen Armee die einzigen legitimen Waffen im Land, so Rai.

Im Blick auf die weiterhin unter israelischer Kontrolle stehenden Gebiete im Südlibanon forderte das Kirchenoberhaupt eine Öffnung humanitärer Korridore, um alle Bedürftigen zu erreichen. Der Libanon hatte vor einer zweiten Gesprächsrunde zwischen den Kriegsparteien in Washington angekündigt, eine mehrmonatige Waffenruhe mit Israel anzustreben.

Text: KNA | Bild: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

Mehr aus der Weltkirche

  • „Heute kann man einen Sklaven für wenige Hundert Euro bekommen“

    „Heute kann man einen Sklaven für wenige Hundert Euro bekommen“

    Auch in Europa werden bis heute Menschen verkauft und missbraucht, als wären sie eine handelbare Ware. Die rumänische Psychologin Iana Matei geht dagegen vor – und erhielt für ihr Engagement nun eine wichtige Auszeichnung.


  • Die Ware „Mensch“

    Die Ware „Mensch“

    Menschenhandel gilt zu Recht als eines der abscheulichsten Verbrechen unserer Zeit – und es ist zugleich ein Milliardengeschäft. Die Europäische Union schätzt die Profite, die mit der „Ware Mensch“ gemacht werden, auf mehr als 46,9 Milliarden Euro pro Jahr. Und einer erst kürzlich vorgestellten Studie der EU-Kommission zufolge hat der Menschenhandel in der Europäischen Union…


  • Das „System Menschenhandel“

    Das „System Menschenhandel“

    Menschenhandel – ein perfides Verbrechen. Die Täter agieren lautlos, skrupellos und grenzenlos. Ihre Opfer schweigen aus Angst und Scham. Die Profiteure bleiben unerkannt. Das macht Ermittlungen schwierig. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, die Dunkelziffern sind hoch. Anhand des Schicksals einer jungen Rumänin in Deutschland zeigt Inge Bell, wie das unfassbare System Menschenhandel hier und heute…



Weitere Weltkirche-Meldungen: